27. Februar 2015

So entsteht ein Sgraffito

So entsteht ein Sgraffito (Quelle: Knauf/Linden)
So entsteht ein Sgraffito (Quelle: Knauf/Linden)

Die Sgraffito-Technik (italienisch: sgraffiare, deutsch: kratzen) ist eine Putz-Kratz-Technik, die dem Stuckateur nicht nur eine gewissenhafte handwerkliche, sondern auch eine künstlerische Leistung abverlangt. Sie erfordert auch eine sorgfältige Materialauswahl. Bei der einfachsten Art, dem Zweifarb-Sgraffito, liegen drei Putzschichten übereinander:

1. der Unterputz, an dessen Ebenheit besondere Anforderungen zu stellen sind, damit die folgenden Schichten in gleichmäßiger Stärke aufgetragen werden können,
2. der Kratzgrund als gefärbte zweite Putzschicht,
3. die Deckschicht, die meist in hellem Farbton aufgetragen wird. Um ein Sgraffito farblich hervorzuheben, werden mehrere Farbschichten aufgetragen.

Nach einer Vorlage (Entwurf) kann durch Einteilung von Rastern eine Übertragung auf die gewünschte Zeichnungsgröße vorgenommen werden. Der vorzugsweise aus Kalk-Zement-Mörtel hergestellte Unterputz wird nach dem Auftragen mit einem Richtscheit sauber abgezogen und an der Oberseite mit dem Putzkamm oder dem Edelputzkratzer aufgeraut. Der Unterputz ist wasserhemmend, aber auf keinen Fall wasserabweisend herzustellen; er sollte leicht saugend sein. Der Kratzgrund, für den vorzugsweise Edelputz (Werktrockenmörtel) ohne hydrophobierende Wirkung eingesetzt werden sollte, ist frühestens acht Tage nach dem Unterputz in einer Stärke von 0,5 bis 1 cm aufzubringen. Die Oberfläche ist eben herzustellen und glattzureiben. Die Kratzschicht muss auf den noch feuchten, aber doch genügend angezogenen Kratzgrund aufgetragen werden. Die Korngröße des Kratzputzmaterials richtet sich nach den Feinheiten der Zeichnung und nach der anzuwendenden Technik. Nach dem Auftragen wird der Putz geglättet. Die vorbereitete Zeichnung wird, nachdem der Putz leicht angezogen hat, auf dem Putzgrund befestigt. Über Perforationen wird das Bild mit einem Staubbeutel auf den Putzgrund übertragen. Die Kratzarbeit beginnt sofort nach dem Übertragen des Bildes. Noch bevor die obere Schicht erhärtet, werden sämtliche Umrisse mit dem Messer mit einer Neigung von 30 bis 45 Grad schräg eingeschnitten. Besonders bei gröberem Material entstehen bei bereits eingesetzter Erhärtung unsaubere, ausgefranste Kanten.

Nach dem Scheiden werden zuerst die tiefer liegenden Partien mit Sgraffitoschlingen und dem Kratzeisen freigelegt. Bei einem Mehrfarbsgraffito ist nach Zeichnung zu arbeiten und darauf zu achten, dass die richtige Farbschicht angeschnitten wird. Die Putzoberfläche wird ab - schließend mit der Ziehklinge leicht geschabt und mit einem Blasebalg von losen Körnern gereinigt. Sgraffitoarbeiten, die vorzugsweise bei Temperaturen von 15 Grad Celsius ausgeführt werden sollten, sind vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.

 Quelle: Knauf