01. Januar 2016

Im zweiten Anlauf: rundum fit

Fermacell_Fitness_5 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit

Beim Ausbau der Nassbereiche in einem Freiburger Fitness-Center erwiesen sich hochfeuchtigkeitsbeständige Bauplatten aus Leichtbeton als ideale Lösung. Das Objekt zeigt neue Perspektiven für den klassischen Trockenbau auf.

Der trockene Innenausbau von Nass­räumen ist problematisch, wenn er nicht fachgerecht ausgeführt wird oder geeignete Baustoffe zum Einsatz ­kommen, die den Anforderungen an die Wasserfestigkeit gewachsen sind. Das mussten auch die Betreiber eines Freiburger Fitness-Centers erkennen. Ausgelöst durch mangelhafte Bauausführung von Gipsplatten, die nicht für Feuchtigkeitsbereiche geeignet waren, war über die Jahre hinweg kontinuierlich Wasser in die Konstruktionen eingedrungen und hatte sich auf der Fläche der Rohdecke verteilt. »Die Prob­leme«, so Marco Disch, Bauleiter der ausführenden Firma Heinrich Schmid GmbH aus Freiburg, »begannen bereits beim Neubau des Gebäudes. Es gab damals einen Wassereinbruch. Der Bau wurde nicht richtig ausgetrocknet. Bei der Fertigstellung war alles feucht. Durch fehlende Abdichtungen wurden die Konstruktionen laufend mit Feuchtigkeit belastet. Die verbauten Metallprofile waren verrostet, die verbauten Gipsplatten aufgeweicht und vergammelt.« Nur zehn Jahre nach der Über­gabe musste das gesamte Studio bis auf den Rohbau entkernt und neu ausgebaut werden. Die Gesamtinvesti­tion der Sanierung belief sich auf 320000 Euro.

Knapper Zeitrahmen
Die Sanierung erfolgte in Trockenbauweise: Trotz aufwendiger, zum Teil ­geschwungener Wandkonstruktion, konnte eine schnelle Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sichergestellt ­werden. Nur dreieinhalb Monate ­standen für die Sanierung des zirka 1750 m² großen Objekts zur Verfügung. Für die Trockenbauweise sprach bei dem Objekt auch die Unabhängigkeit bei der Raumaufteilung. Sie bietet dem Betreiber die Option, spätere Umbauten flexibel und ohne großen Aufwand durchzuführen. Der Auswahl der eingesetzten Baustoffe galt also größte Sorgfalt. Dabei standen die zu erwartenden späteren Belastungen im Vordergrund. So wurden die Trainingsbereiche sowie alle Räume, die nicht direkt mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, mit Fermacell Gipsfaser-Platten und Estrich-Elementen ausgeführt. Durch ihre ­Faserarmierung sind sie gut für Einsatzbereiche geeignet, in denen hohe Ansprüche an die mechanische und sta­tische Belastbarkeit gestellt werden.

Stabil und diffusionsfähig
Sämtliche Nassbereiche wurden mit wasserfesten, zementgebundenen Leichtbeton-Bauplatten ausgebaut. Eingesetzt wurde Fermacell »Powerpanel H2O« für den Wandbereich sowie das Estrich-Element »Powerpanel TE«. Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasfasergewebe armierten Leicht­beton-Platten mit Sandwichstruktur sind diffusionsfähig (Wasserdampf­diffusionswiderstandszahl von µ= 56), schimmelpilzresistent und widerstandsfähig gegen Wasser. Eine große Stabilität ermöglicht belastbare Konstruktionen, die einen Untergrund für Fliesen bilden und zudem kratz- und schlag­resistent sind. Hinzu kommen gute Schalldämmwerte: So erreicht Power­panel H2O bei einlagiger ­Beplankung und entsprechender Hohlraumdämmung Werte von 47 dB, bei zwei­lagiger Ver­arbeitung 55 dB.
Diese Materialeigenschaften ermög­lichen eine Verarbeitung der Wandplatten in sämtlichen Feuchtigkeits-Beanspruchungs-Klassen. Die Wandplatten sind für den Einbau in privaten Sanitär-räumen oder Wellness-Bereichen ­(Klasse A0) ebenso geeignet wie für Konstruktionen in Saunen oder anderen öffentlichen und gewerblichen Nass­räumen (Klasse A) und halten auch ­chemischen Beanspruchungen in Großküchen (Klasse C) stand. Das ­Gleiche gilt für das Powerpanel TE ­Estrich-Element.

Herstellung großer Wand-Radien
Die Powerpanel Wandplatten und ­Estrich-Elemente bieten hinsichtlich ­ihrer ­Verarbeitung und der freien ­Grundrissgestaltung sämtliche Vorteile des trockenen Innenausbaus. So konnte mit den in unterschiedlichen Radien ­geschwungenen Wänden eine ausgefallene Raumgestaltung realisiert werden. Die Herstellung der verschieden großen Radien gelingt mit unterschiedlichen Techniken. Wegen der Wasserfestigkeit von Powerpanel H2O konnte das übliche  Verfahren, bei dem die Platten vor dem Biegen angefeuchtet werden, nicht angewandt werden. Die Platten wurden trocken direkt über der Unterkonstruk-tion aus CW-Ständerprofilen und UW-Anschlussprofilen gebogen und befes-tigt. Wegen der materialbedingten Stabilität kommt es dabei auf Kraft an.
Der Einsatz von zwei Mitarbeitern hat sich bewährt. Marco Disch: »Einer drückt die Platte fest auf die Unterkonstruktion, während der andere schraubt.«
Die großen Wandflächen mit einem ­Radius von zirka 11,30 m ließen sich einfach realisieren. Hier wurde Power­panel H2O im Format von 2600 x 1250 mm horizontal auf der Unterkonstruk­tion mit einem Abstand von 31,3 cm abweichend von der normalen Klebe­fuge, mit 3 – 5 mm großer Fuge montiert. Die Verklebung der vertikalen und horizontalen Fugen erfolgte mit Zwei-Komponenten PU-Kleber.

Herstellung kleiner Wand-Radien
Aufwendiger war die Ausführung der engen Radien von 3 m und 2,50 m. Nach Montage der Unterkonstruktion im Abstand von 20 cm wurden die Wandbauplatten in 20 cm breite ­Streifen geschnitten. Die Herstellung der Zuschnitte erfolgte mit einer Handkreissäge. Die schmalen Zuschnitte konnten einfach an die kleinen Radien angepasst werden. Sie wurden horizontal auf den Profilen verschraubt. Die Befestigung wurde im vertikalen Stoßbereich mit drei Schrauben, auf den Profilen jeweils mit zwei Schrauben ausgeführt. Das Verkleben der vertikalen und horizontalen Stöße untereinander mit Zwei-Komponenten PU-Kleber gewährleistet eine hohe Fugen-Stabilität.

Oberflächenbearbeitung
Sämtliche Powerpanel Platten wurden auf Profilen mit feuchtraumgeeignetem Korrosionsschutz nach DIN EN 13964 sowie mit Powerpanel-Schrauben, die ebenfalls den Anforderungen an den Korrosionsschutz entsprechen, verarbeitet. Eine optimierte Gewindeergonomie sorgt für das schnelle Eindringen der Schrauben ohne aufwen­diges Vorbohren und garantiert sicheren Halt in der Unterkonstruktion. Power­panel H2O ­verfügt über eine sehr glatte Oberflächenqualität. Für viele Anwendungen dürfte es ausreichen, im Wandbereich lediglich Schraubenköpfe und Stoßfugen zu verspachteln. Im vorliegenden Fall wurde die Konstruktion zur Ausbildung der Rundungen beidseitig mit dem kunststoffvergüteten, ­zementären Powerpanel Feinspachtel in ­mehreren Arbeitsgängen verspachtelt und geschliffen. Damit konnte die Oberflächenqualität (Q4) erfüllt werden.

Große Bodenunebenheiten
Schnell und einfach ließen sich die ­Estrich-Elemente auf den Bodenflächen des Fitness-Centers verlegen. Zuvor war eine Vorbereitung des Untergrundes erforderlich. Die Rohdecken des Bauwerks wiesen Höhenunterschiede von bis zu 15 cm auf. Darüber hinaus waren in vielen Bereichen Installationsleitungen auf der Betondecke verlegt. Durch Einsatz der gebundenen Schüttung von Fermacell, die für Schütthöhen bis zu 2000 mm geeignet ist, konnten die ­Niveauunterschiede ausgeglichen und ein vollflächig ebener Untergrund für die Verlegung der Estrich-Elemente ­erzeugt werden. Als Bauwerkschutz wurde zuvor zwischen Rohdecke und gebundener Schüttung zusätzlich eine Schweißbahn eingebracht.
Die eingesetzte Schüttung besteht aus recyceltem Polystyrol in einer Korngröße von 2 bis 8 mm sowie einem ­zementären Bindemittel und verfügt über hohe Festigkeit – mit entsprechendem Estrichaufbau können Verkehrs-­lasten zwischen 1 kN/m² und 5 kN/m² aufgebracht werden – bei gleichzeitig großer Wasserunempfindlichkeit. Sie sorgte zum einen für einen ebenen ­Untergrund, zudem konnten damit ­Installationen auf der Bodenoberfläche fest justiert werden, so dass sie sich bei anschließenden Belastungen nicht mehr verschieben.
Die Verlegung der Powerpanel Estrich-Elemente erfolgte im schleppenden Verband. Dabei wurden die Bodenplatten im Bereich des Stufenfalz – die Ele-mente bestehen aus zwei werkseitig verklebten Platten, die um 50 mm versetzt angeordnet sind – zunächst verklebt und anschließend mit speziellen Stahlklammern miteinander im Falz verklammert. Bereits 24 Stunden nach der Verlegung war eine vollständige ­Belastung der Konstruktion möglich.

Bodengleiche Duschen
Um Schwachstellen auszuschließen, die sich oftmals durch einen Mix von nicht systemkonformen Elementen ergeben, entschied sich die Heinrich Schmid GmbH dafür, die Konstruktion der ­bodengleichen Duschen mit dem ­Bodenablaufsystem Powerpanel TE auszuführen. Der Einbau von sieben Abläufen ermöglicht die geforderte Durch­laufleistung von 1,2 l/sek. und ­gewähr-leistet auch bei Vollbetrieb, dass das Wasser schnell und zuverlässig abläuft.
Das in drei unterschiedlichen Größen verfügbare Element (500 x 500 mm, 1000 x 1000 mm, 1200 x 1200 mm) besteht aus dem gleichen Trägermate­rial wie die Estrich-Elemente. Es wird mit den Fußbodenelementen verklebt und verschraubt beziehungsweise verklammert. Der kraftschlüssige Verbund zwischen Estrich- und Ablauf-Element sorgt für eine homogene Fußbodenkonstruktion in Nassräumen. Auch hier bot der Einsatz der gebundenen Schüttung Vorteile: Die Ablaufgarnitur ließ sich einfach in die schnell abbindende und stabile Masse einbetten. Damit ­waren die Rohre sicher vor Belastungen durch die Bodenbeanspruchung geschützt.

Abdichtungen
Nach Fertigstellung der Konstruktionen stand eine belegfertige Oberfläche zur Verfügung, die weitgehend gefliest, teilweise aber gestrichen werden sollte. Da die Flächen einer Dauerbelastung durch Wasser ausgesetzt sind, wurde zuvor mit der systemkompatiblen Fermacell Flüssigfolie eine vollflächige Abdichtung der gesamten Konstruktion ausgeführt. Die weichmacher- und lösemittelfreie Kunstharz-Dispersion dichtet ­sicher ab und ist einfach zu verarbeiten: Die Masse wurde nach dem Grundieren in zwei Schichten satt und flächig aufgetragen. Eckbereiche und Durchdringungen wurden mit dem zum System gehörenden Dichtband geschlossen. Das mit Elastomer beschichtete Vlies ist ­ elastisch, alterungsbeständig und reißfest. Es wurde nach dem ersten Auftrag der Flüssigfolie in den feuchten Untergrund gedrückt und anschließend ­beschichtet. Das Dichtband kann mit ­Fliesenklebern, lösemittelfreien ­Beschichtungen und Silikondichtstoffen kombiniert werden.
Rohrdurchführungen an Wasserarma-turen wurden mit der Fermacell Wanddichtmanschette wasserfest abgedichtet. Sie musste nur über das Rohrende gestülpt und vollflächig in die erste Schicht der frisch aufgetragenen Flüssigfolie gedrückt werden. Im zweiten Arbeitsgang wurde sie komplett mitbeschichtet. Nach dem Austrocknen der Abdichtung (Trocknungszeit zirka zwei Stunden) konnten die vorbehandelten ­Untergründe verfliest werden. Dafür wurde der Fermacell Flexkleber, ein -mineralischer, polymervergüteter ­Fliesenkleber, eingesetzt. So konnten trotz eines engen Zeitrahmens die ­Arbeiten termingerecht fertiggestellt werden.

Abbildungen: 1-4: Fermacell/Amruth; 5+6: Schmid Gmbh/Disch                                                    Ausgabe: 3/2013

  1. Fermacell_Fitness_1 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit
  2. Fermacell_Fitness_2 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit
  3. Fermacell_Fitness_3 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit
  4. Fermacell_Fitness_4 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit
  5. Fermacell_Fitness_5 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit
  6. Fermacell_Fitness_6 Ausbau und Fassade - Im zweiten Anlauf: rundum fit