01. Januar 2016

Altes Bad – neu definiert

Knauf_Aqualon_4 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert

Sanierungen und Erweiterungen haben aus ­einem alten Kurbad in Bad Säckingen die »Aqualon Therme« gemacht, ein gesundheitsförderndes Zentrum mit ganzheitlichem Ansatz. Alle Umbauarbeiten wurden im Trockenbau angelegt, Decken und Wände in diesen hoch beanspruchten Bereichen mit Zementbauplatten umgesetzt.

Die »Aqualon Therme« liegt unmittelbar am Nordufer des Rheins in Bad Säckingen (Landkreis Waldshut). Die Heilkraft des Natrium-Chlorid-Thermalwassers, das aus zwei Thermalquellen entnommen wird, ist seit Jahrhunderten anerkannt, vermutlich nutzten bereits die alten Römer die Quellen der Stadt.  
Die Badewelt des Aqualon besteht aus vier Becken mit insgesamt knapp 600 m2 Wasserfläche, die an 365 Tagen im Jahr genutzt werden können. Ange­boten werden darüber hinaus Fitness-, Wellness- und Therapieleistungen. Die in den 1970er-Jahren errichtete Therme wurde 2007 von der Stiftung Bad Zur­zach übernommen, als Aqualon Therme GmbH weitergeführt und saniert. Die gemeinnützige »Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden« setzt sich für das umfassende, in vielerlei Weise herausfordernde Gebiet der ­Gesundheitsförderung ein. Zu ihren Dienstleistungen gehört der Betrieb von Rehabilitationskliniken, Ambulatorien und Therapiezentren, Angebote der ­Traditionellen Chinesischen Medizin ­sowie Gesundheits- und Wellness-­Angebote wie die Aqualon Therme in Bad Säckingen.

Veränderte Ansprüche
Die Therme war in die Jahre gekommen und wirkte, wie viele Bäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren, zwar sehr funktional, aber nicht mehr zeitgemäß. Bei der ursprünglichen Errichtung spielten andere Aspekte eine Rolle als heutzutage: Im Vordergrund standen Funktionalität und medizinische Aspekte, während man heute stark auf Wohlfühlatmosphäre und Wellness-Umgebung setzt, die sich aus ganz unterschiedlichen Ansätzen speisen. Diese differenzieren sich in Fitness, Gesundheit, Kosmetik sowie Schönheit und die entsprechenden Bereiche, die nicht ­zuletzt auch eine architektonische Ästhetik verlangen. Bereits in der Mitte der letzten Dekade wurde mit Erweiterungen und Sanierungen der Aqualon Therme begonnen. Bis Ende 2013 werden alle Erweiterungen und Umbauten abgeschlossen sein - durch eine neue Eingangshalle, eine weitere Sauna im Außenbereich und ­einen Indoor-Bereich für Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin.
Bei der Sanierung 2011 wurde neben dem großen Thermalbecken im Erdgeschoss ein »Day Spa« errichtet, in dem die Besucher vielseitige Angebote zu Wellness und Pflege finden. Außerdem kam die über 1000 m2 große Fitness-Welt, das »Fitness Plus«, mit eigenem, 120 m2 großen Member-Spa im Untergeschoss hinzu.  

Hohe Anforderungen
Alle Baumaßnahmen – Day Spa, »Fit­ness Plus« und das dazugehörende Member Spa – wurden komplett im hochwertigen Trockenbau umgesetzt. Um den besonderen Anforderungen zu genügen, müssen Wände und Decken im öffentlichen Bereich hohe Schlag- und Stoßfestigkeit aufweisen. In den Duschen, Bädern und Umkleiden ist ­eine außerordentlich hohe Feuchte­belastung zu berücksichtigen. Aufgrund dieser Anforderungen ­wurden Zementbauplatten ausgeschrieben und in der Beratungsphase als »Aquapanel Cement Board Indoor« konkretisiert.
Die rein mineralische und faserfreie Bauplatte hat sich in Nass- und Feuchträumen sowie im sportlichen Umfeld bewährt. Sie liefert alle Vorteile des Trockenbaus (schnell, leicht, einfach zu montieren sowie durch Ritzen und Brechen einfach zu bearbeiten) und ist zu 100 Prozent wasserbeständig, stabil sowie biegsam und erfüllt hohe Ansprüche an den Brandschutz. In ­Duschen und ­Sanitärbereichen bietet Aquapanel ­Cement Board Indoor einen geeigneten ­Untergrund für Fliesen oder Farban­striche. Die Platte ist komplett anorganisch, nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und so stabil und robust wie die Stein-auf-Stein-Bauweise. Auch bei permanenter Wassereinwirkung behalten sie, im Unterschied zu anderen Plattentypen, ihre Festigkeit und Stabilität und verhindern mit ihrem pH-Wert 12 die Bildung von Schimmelpilzen.

Schlag- und Stoßfestigkeit
In punkto Stoßfestigkeit erreicht die ­zementgebundene Bauplatte auch im Vergleich mit anderen Trockenbaumaterialien gute Ergebnisse. Sie bewährt sich in vielen beanspruchten Einsatz­bereichen und belegt ihre Robustheit durch Tests zur ­Brinellhärte, Ballwurf­sicherheit und hartem Stoß: Eine Wandkonstruktion, einlagig beplankt mit Aquapanel ­Cement Board Indoor, erzielt im Test ­einen Härtewert H von ≥ 42 N/mm2. Deckenkonstruktionen mit der zementgebundenen Bauplatte sind ballwurf­sicher nach DIN 18032-3:1997-04 und stoßfest nach EN 13964, Anhang D Klasse 1A.

Hohe Beanspruchung durch Wasser
Die Montage der wasserbeständigen Zementbauplatten erfolgte an sämt­lichen Wänden und Decken in den Nass- und Feuchträumen – Duschen, Umkleiden und WCs, auf korrosions­geschützten Unterkonstruktionen und mit Aquapanel Maxi-Schrauben, die ­eine korrosionsbeständige ­Beschichtung tragen und die in einem Salzsprühtest 720 Stunden korrosionsfrei bleiben. An den Decken kamen zirka 400 m2 Aquapanel-Platten zum Einsatz, an den Wänden etwa 900 m2. Die ­Beplankung erfolgte einlagig. Nur in den Duschen wurden zirka 100 m2 Wand doppelt beplankt, um eine noch höhere Stoßbelas­tung als bereits möglich aufzunehmen. Ebenfalls beplankt wurde die Trennwand ­zwischen dem neuen Day Spa und dem Thermalbecken im Erdgeschoss, um das Spa vor der hohen Luftfeuchtigkeit zu schützen. Die Wandhöhen variieren zwischen 2,60 m im Unter­geschoss und bis zu 3,50 m im Erd­geschoss im Day Spa.

Montage bogenförmiger Wände
Die beauftragte Firma, Michael Fenske Gipsergeschäft aus Laufenburg, montierte die Zementbauplatten an Decken und Wänden nach Anweisung des Herstellers auf die bereits genannten Unterkonstruktionen. Im Bereich der Erlebnisdusche des Member Spas wurden die Paneele bogenförmig ausgeführt. Auch dafür ist die robuste Zementbauplatte geeignet, da sie gewünschte Rundungen und Wölbungen bis zu ­einem Meter Radius zulässt. Das ­Biegen der ­Zement­bauplatten erfolgte ohne Vorbereitungen direkt auf der Baustelle. Die gebogenen Platten ­wurden auf die vorbereitete Unterkonstruktion montiert: Der äußere Flansch der stegseitig ­gestanzten UW-Profile war zuvor im Bereich der Stanzung mit der Blechschere eingeschnitten worden. Die UW-Profile wurden dann den ­gewünschten Radien angepasst und die CW-Profile mit den gestanzten UW-Profilen durch ­Crimpern verbunden. Im Bereich der Rundungen wurde der sonst übliche Ständerachsabstand von 625 mm auf 312,5 mm halbiert.

Abgehängte Decken
Die Montage der Deckenplatten ­erfolgte auf einer Unterkonstruktion aus Abhängern, einem Trag- und einem Grundprofil: Abhänger = 750 mm, Tragprofil CD 60/27/06 = 312,5 mm und Grundprofil CD 60/27/06 = 1000 mm. Darauf wurden die Platten – entlang der Traglattung, quer zur Grundlattung und ohne Kreuzfugen – mit Aquapanel Maxi Schrauben befestigt. Nach Verspachtelung der Fugen und der Schraubköpfe sowie dem Eintrag des Fugenbandes konnte die Grundierung und das Finish aufgetragen werden.

Abdichtungen
In den Duschen und Dampfbädern ­dieser öffentlich genutzten Räume ­wurden sicherheitshalber besondere Maßnahmen zur Abdichtung ergriffen. In allen hoch beanspruchten Bereichen wurden die Fugen mit Epoxidharz ­geschlossen. Auf die Wände wurde nach der Grundierung eine zweikompo-nen­tige, zementäre Abdichtung aufgebracht, die sogar für drückendes Wasser geeignet ist. Die Innenecken wurden mit Dichtbändern versehen, alle rohrführenden Öffnungen mit Manschetten abgedichtet. Die Böden wurden versiegelt und mit Dichtbahnen versehen. Die Fliesen wurden mit wasserdichtem Dünnbettkleber ­angebracht. Alle Abdichtungen in den Duschen erfolgten durch den Platten­leger Finkbeiner Fliesen und Natur­steine, Bad Säckingen.

Oberflächengestaltungen
Decken und Wände wurden in Q4-­Qualität fertiggestellt. Bei den Decken erfolgte dies durch Auftrag des Flächenspachtels »Q4 Finish« direkt nach der Grundierung. Der Auftrag in einem Arbeitsgang betrug maximal
2 mm, der anschließend geschliffen ­wurde. Der Vorgang wurde wiederholt, um eine feine Oberfläche zu erreichen. Im Unterschied zu den Decken wurde an den Wänden beim ersten Auftrag des Flächenspachtels das ­Gewebe vollflächig eingelegt, dann auch in zwei bis drei Durchgängen die Wandflächen verspachtelt und geschliffen, bis zur glatten Q4-Oberfläche. Alle Wände der Dampf- und Duschbäder wurden komplett gefliest, in den Dampfbädern als optisch ansprechende Lösung mit 1 x 1 cm Glasmosaik.

Robust und nicht brennbar
In die Decken wurden vom Trocken­bauer Lüftungsauslässe geschnitten, was aufgrund der stabilen Material­eigenschaften problemlos möglich ist. Auf die gleiche Weise erfolgten später die Ausschnitte für Einbau-Downlights und Einbauflächenleuchten durch den Elektriker. Die Brandschutzanforderungen wurden durch den Einsatz der nicht brennbaren Baustoffe wie zum Beispiel der Zementbauplatten erfüllt. Aufgrund der ­hohen Rohdichte des ­Mate­rials ist ein sehr guter Schallschutz vorhanden. 2013 wird der Umbau der Aqualon Therme abgeschlossen sein, durch einen neuen Halleneingang sowie der Ergänzung durch einen TCM-/Ayurveda-­Bereich. Das Beispiel »Aqualon« zeigt durch die gelungene Sanierung und Neubelebung des gesamten Komplexes auch einen achtsamen ­Umgang mit Ressourcen auf.

Abbildungen: 1: Fenske; 4-6: Knauf Reinsch; 2+3: Knauf/Architektenbüro Leykum                                        Ausgabe: 9/2013

  1. Knauf_Aqualaon_Fenske Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert
  2. Knauf_Aqualon_2 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert
  3. Knauf_Aqualon_3 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert
  4. Knauf_Aqualon_4 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert
  5. Knauf_Aqualon_5 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert
  6. Knauf_Aqualon_6 Ausbau und Fassade - Altes Bad – neu definiert