01. Januar 2016

Nachhaltig Bauen

Ruetz_4 Ausbau und Fassade - Nachhaltig Bauen

Erst war es ein Forschungsobjekt, jetzt steht der erste Prototyp: ein Hochhaus in Holz-Hybrid-Bauweise. Der »Life-Cycle-Tower« (LCT) steht für eine nachhaltige Serienfertigung im Baukastensystem. Das Stuckateurunternehmen Haussmann aus Weingarten war der Spezialist für den Trockenbau und die Dämmung.

Der »Life-Cycle-Tower One« ist 24 ­Meter lang, 13 Meter breit und 27 Meter hoch. Das Hochhaus mit seinen acht Stockwerken ist in einer Holz-Hybrid-Bauweise entstanden, aus einer Kombination von viel Holz mit Beton. Dadurch ist das Gebäude in allen Lebenszyklen, von der Entstehung über die Nutzung bis hin zum Rückbau, besonders nachhaltig. Die Zahl »One« im Namen deutet darauf hin, dass damit eine Serie beginnt. In Zukunft sollen nach diesem Prinzip weitere Häuser entstehen - bis zu einer Höhe von 100 Metern und mit bis zu 30 Stockwerken. Das LCT – so die Kurzbezeichnung – ist als Prototyp auch Demonstrationsobjekt für ein neues Bausystem. Der zweite LCT ist schon im Bau und entsteht im Montafon.
Das Haus wurde Ende 2012 im Indus­triegebiet von Dornbirn eröffnet und dient als Bürogebäude. Vorausgegangen ist ein mehrjähriges Forschungsprojekt für innovative Konzepte für Holz-Hybrid-Hochhäuser. Bauherr ist die Cree GmbH, eine Tochterfirma der Bauunternehmung »Rhomberg Gruppe« aus Bregenz. Der Name steht für »Creative Resource & Energy Efficiency«, also dem kreativen Umgang mit den Wertstoff­reserven und der Energieeffizienz. Der Vorarlberger Architekt Hermann Kaufmann war bei der Entwicklung und dem Design federführend.

Trockenbau war unverzichtbar
Das LCT zeichnet sich durch seine Nachhaltigkeit und eine sehr gute CO2-Bilanz aus. Als Baustoff sollte Holz die Hauptrolle zugewiesen bekommen. Dies entspricht auch der Bautradition in diesem österreichischen Bundesland. Der Trockenbau war nur für untergeordnete Bereiche vorgesehen, zum Beispiel für die Toiletten. Erst als die Anforderungen für den Brandschutz und die Luftdichtheit nachträglich erhöht wurden, ­gewann der Trockenbau an Bedeutung. So erhielt die Haussmann GmbH als Stucka­teurunternehmen zur Fassadendämmung auch den Auftrag für die Trockenbauarbeiten. »Wir werden dort für unsere hochwertigen Stuckateur­arbeiten geschätzt. Auch der Bauleiter weiß um unsere Leistungsfähigkeit und fachliche Kompetenz. Wir wurden deshalb angefragt und konnten auch preislich mithalten«, kommentiert Eberhard Ruetz, Geschäftsführer der Haussmann GmbH. Das Stuckateurunternehmen ist zwar jenseits der Grenze im oberschwäbischen Weingarten beheimatet, doch nach Dornbirn ist es nur wenig mehr als eine Stunde Fahrzeit. Zwischen dem Stuckateurunternehmen und der Firma Rhomberg besteht schon seit Jahren ­eine gute Geschäftsbeziehung.
»Unser Betrieb hat alle Trennwände in dem Tower gebaut«, so Ruetz. Im Einzelnen sind dies:
• Brandschutzverkleidung für die Versorgungsleitungen von unten nach oben durch alle Etagen mit Schachtwänden
• Verkleidung der horizontal verlegten Versorgungsleitungen von der Wandseite zum Treppenhaus
• Abgehängte Decken unter den quer liegenden Heizungs- und Sanitärleitungen
• Vertikale Abschottung, als Brandschutzschott gefertigt und mit Durchdringungen im Rastermaß für die Be- und Entlüftung sowie Beheizung des Großraumbüros oder der Einzelbüros
• Verkleidung der Außenwände innen mit Formteilen, die auf dem Frästisch vom Trockenbauunternehmen selbst hergestellt wurden
• Zwischenwände mit erhöhten Schallschutzanforderungen (Rw= 60 dB, Brandschutz EI 90), ausgeführt als Doppelständerwand mit zusätzlicher Gipsplatte im Wandhohlraum
• Einbau vom Lehmbauplatten mit Latentwärmespeicher PCM – versuchsweise in einem Büroraum

Die Rasterbauweise begünstigt Vorfertigung
Das strenge Raster und die absolute Maßhaltigkeit im Rohbau war eine gute Basis für die Vorfertigung der Formteile. »Alles hat gepasst und wir mussten nichts nacharbeiten. Die Herstellung kam einer industriellen Serienfertigung sehr nahe«, erläutert Ruetz. In Deutschland ist diese Art der Ausführung der Schallschutzwände nicht üblich. Dabei ist für Ruetz die Ausführung der Doppelständerwand mit der Gipsplatte im Wandhohlraum nicht unbekannt. In der Fachgruppe Trockenbau im baden-württembergischen Fachverband der Stuckateure wurde dieser Lösungsweg für einen besseren Schallschutz schon vor Jahren gegangen, erinnert sich Ruetz, der auch Vorsitzender dieser Fachgruppe ist.
Neben dem Trockenbau kam das Stucka­teurunternehmen auch bei den Dämm- und Verputzarbeiten des Treppenhauses zum Zuge. Ursprünglich war geplant, auch diesen Teil des Gebäudes in Holz zu bauen. Die gesetzlichen Vorschriften zum Brandschutz ließen aber die Verwendung von brennbaren Baustoffen in diesem Bereich nicht zu. Deshalb wurde das aussteifende Treppenhaus, an das die Büroflächen angehängt wurden, aus Ortbeton ausgeführt. Auch wegen des Brandschutzes kam hier nur ein mineralisches Wärmedämm-Verbundsystem in Betracht.

Referenzobjekt fürs Eigenmarketing
Eberhard Ruetz zeigte sich auch persönlich vom Konzept des Projektes beeindruckt. Der effiziente Umgang mit Wertstoffen und Energie ist zukunftsweisend. Damit ist das LCT auch ein beeindruckendes Referenzobjekt – ideal auch für das Eigenmarketing und die Pflege von Netzwerken. Ruetz organisierte Besichtigungstouren unter anderem für Planer und Architekten. Außerdem konnte er einen Projektverantwortlichen für einen Vortrag auf der Regionalmesse »Haus Plus« des Netzwerks »HandwerkProRavensburg« gewinnen. Das Objekt stieß dabei auf großes Interesse, insbesondere der Vortrag auf der Regionalmesse. Eberhard Ruetz sagt dazu voller Stolz: »Wir ernteten damit Anerkennung und Schulterklopfen. Aber das war schon immer ein Kennzeichen unserer Firma, dass wir Pioniere im Trockenbau sind.«

pd

Das Onlinelexikon »Wikipedia« enthält einen Artikel zum »Life Cycle Tower«. Dort gibt es einen Überblick über das Projekt und eine Auflistung der zahl­reichen Auszeichnungen.
Im YouTube-Kanal »creebyrhomberg« gibt es Videos zur Vorfertigung, zum Brandschutz und zum Bauablauf.

Abbildungen: 1+2: Norman A. Müller/Cree; 4: Architekten Hermann Kaufmann/Cree; 3+5: Dolt                Ausgabe: 9/2103

  1. Ruetz_1 Ausbau und Fassade - Nachhaltig Bauen
  2. Ruetz_2 Ausbau und Fassade - Nachhaltig Bauen
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