01. Januar 2016

Brandschutz ohne Grenzen

Die europäische Harmonisierung der Brandschutzprüfungen und -klassifizierungen hat zu einer Verschärfung der ­nationalen Anforderungen an Baustoffe und Bauteile geführt. Eine neue, nicht brennbare Gipsfaser-Platte erreicht die Baustoffklasse A1.

Der »alte Kontinent« wächst zusammen — die Definitionen von europaweit einheitlichen Anforderungen an Produkte und Verfahren sorgen für eine direkte Vergleichbarkeit und gewährleisten den freien Handel innerhalb des euro­päischen Binnenmarktes. Teilweise sind diese Anpassungen mit erheblichen Konsequenzen für die nationalen ­Märkte verbunden. Das zeigt sich deutlich im baulichen Brandschutz. Hier führt die europäische Harmonisierung der Brandschutzprüfungen und der -klassifizierungen in Kombination mit neuen Prüfverfahren zu einer erheb­lichen Verschärfung der ­nationalen Anforderungen an Baustoffe und Bauteile.

Verschärfung der Anforderungen
Früher wurden in den einzelnen Ländern Europas die Brandschutzeigenschaften von Baustoffen und Bauteilen nach ­nationalen Prüfanforderungen nachgewiesen — in Deutschland waren die DIN 4102 und ihre zugehörigen Teil­normen maßgebend. Zukünftig wird ­europaweit ausschließlich nach ­europäischen Prüf- sowie Klassifizierungsnormen geprüft und klassifiziert, um anschließend ­national die Verwendung zu regeln.
Die europäische Harmonisierung führt zu einer Verschärfung der Prüfbedingungen. Da europaweit einheitliche und vergleichbare Prüf­ergebnisse generiert werden sollten, ist eine neue Temperaturerfassung und somit -steuerung definiert worden. Daraus resultiert eine Verschärfung der Prüf­bedingungen mit deutlich erhöhten Anforderungen an Baustoffe und Bauteile. Im Ergebnis können Bauteile, die bislang aufgrund von nationalen Regelungen eingesetzt wurden, nicht mehr so angewendet werden wie früher. Systeme wie Decken, Wände oder Schachtwände verlieren bei einer Prüfung nach ­europäischen Standards ihre nationalen Nachweise, weil sie die verschärften Bauteilanforderungen nicht erfüllen.
Markus ­Möllenbeck, Produktmanager bei ­Fermacell: »Aufgrund neuer ­Prüfungsnormen für Baustoffe und Bauteile ist die Nachweisführung auf einem höheren Niveau. Für einige Länder sind diese europäischen Prüfverfahren eine Herausforderung.«

Anforderungen an die Baustoffklasse
Infolge der europäischen Harmonisierung gibt es eine neue Definition der Baustoff-Klassifizierung. Wie in Deutschland wird auch auf europäischer Ebene ­zwischen einem »brennbaren« und »nichtbrennbaren« Bereich unterschieden. Dabei ist der Kategorie »nichtbrennbar« die Klasse A1 und A2 zugewiesen, die Klasse »brennbar« wird in die fünf Stufen B, C, D, E und F unterteilt.
Die nichtbrennbaren Klassen unterscheiden sich dadurch, dass es sich bei den A2-Baustoffen um nichtbrennbare Materialen handelt, die über einen definierten geringen Anteil organischer ­Bestandteile verfügen. Beim Nachweis der Baustoffklassen wird auf unterschiedliche Prüfverfahren zurückgegriffen. Für die Klasse A1 gilt unter anderem ein Ofentest (EN ISO 1716), bei dem ein Leistungsmerkmal dadurch ­definiert ist, dass während der Prüf­dauer von 30 Sekunden eine Entflammung von 0 Sekunden auftreten darf. Dieses schließt auch eventuell auf­tretende Pyrolysegase ein, die sich nicht entzünden dürfen. In vielen Ländern führt die Umstellung von der nationalen Baustoffklassifizierung auf das euro­päische System zu einer Verschärfung der Einsatzmöglichkeiten. So werden europaweit für den Ausbau von öffentlichen Gebäuden zunehmend Baustoffe mit der Baustoffklasse A1 gefordert.
Beispielhaft kann hier die Baustoff­zuordnung in Italien benannt werden, wo bislang die nationale Baustoffklasse »Class 0« der höchsten Anforderung entsprach und nun auf das europäische System umgestellt wurde. Dies hat zur Folge, dass Italien für öffentliche ­Gebäude — insbesondere bei Gebäude­abschnitten der Flucht- und Rettungswege — Baustoffe mit der höchsten Baustoffklasse A1 nach EN13501-1 ­fordert. Somit finden Produkte, die zuvor der »Class 0« entsprachen, in diesen Bereichen keine Anwendung, wenn sie nicht der Baustoffklasse A1 entsprechen. Dies betrifft insbesondere im Trockenbau die Gipswerkstoffplatten, die derzeit im Markt sind und der Baustoffklasse A2 zugeordnet werden.

Neue nichtbrennbare Gipsfaserplatte
Das Unternehmen Fermacell hat auf diese ­Situation reagiert: Im Herbst 2011 hat der Hersteller von Gipsfaserplatten die neue Brandschutzplatte »Firepanel A1« in den Markt eingeführt, die die ­hohen europäischen ­Anforderungen erfüllt. Den Duisburger Experten ist es ­damit gelungen, ihre Brandschutzkompetenz auszubauen. Firepanel A1 besitzt alle bekannten Eigenschaften der Fermacell Gipsfaserplatten, bietet jedoch noch bessere Brandschutzeigenschaften für den Baustoff und das Bauteil.
Die Neuentwicklung des Gipsfaser­plattenherstellers wird nach DIN EN 15283-2 gekennzeichnet und ist in die höchste europäische Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1 sowie national nach DIN 4102-1 als nichtbrennbar eingestuft. Prüfzeugnisse über Feuerwiderstandsklassen F 60 [EI 60] bis F 120 [EI 120] im Trenn- und Schachtwand­bereich ­sowie im Deckenbereich von ­nationalen und internationalen Mate­rialprüfanstalten liegen dem Unter­nehmen vor. Die Platten werden in den Dicken 10 mm, 12,5 mm und 15 mm in den Markt eingeführt. Ein breites, systemkom­patibles Zubehörprogramm aus Fugen-, Fein- und Gipsflächenspachtel sowie Fugenkleber, Schnellbauschrauben und Gewebeband sowie verschiedenen Werkzeugen ergänzt das System.

Platteneigenschaften
Erreicht wird die Nichtbrennbarkeit gemäß der höchsten europäischen Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1 (national nach DIN 4102-1) durch den Austausch eines bestimmten Anteils von Papierfasern durch nichtbrennbares ­Material. Die Investition in eine neue Anlagen-/Produktionstechnik war dabei entscheidend.  Die Firepanel A1 ­besteht aus natürlichen Rohstoffen, die unter Zugabe von Wasser und ohne weitere Bindemittel unter hohem Druck zu ­stabilen Platten gepresst, getrocknet, beidseitig oberflächenhydrophobiert und auf die benötigten Formate zugeschnitten werden. Dabei reagiert das Wasser mit dem Gips und durchdringt und umhüllt die Fasern. Dies sorgt für hohe ­Stabilität und ist zudem verantwortlich für die Nichtbrennbarkeit.
Die Platten können überall dort eingesetzt werden, wo für den baulichen Brandschutz Platten der Baustoffklasse A1 gefordert werden. Aufgrund ihrer Materialzusammen­setzung ist die Firepanel A1 gleich­zeitig eine Feuerschutz-, Bau- und Feuchtraumplatte mit beid­seitig homogenen Platteneigenschaften. Das Fehlen von Leimen schließt jede Geruchsbeläs­tigung aus und erhöht die Diffusionsfähigkeit der homogenen Plattenstruktur.  Das Eco-­Insitut hat die Firepanel A1 zertifiziert und bestätigt, dass der ­Einsatz dieser neuen Brandschutzplatte ­toxikologisch und ökologisch unbedenklich ist. Schalldämmtechnisch verhält sich die Firepanel A1 wie klassische Gipsfaserplatten, die über gute schalldämmende Eigenschaften ver­fügen.

Verarbeitung
Die Verarbeitung von Firepanel A1 ist einfach: Wie bei den klassischen ­Fermacell-Gipsfaserplatten gewohnt, wird die erste Lage mit Schnellbauschrauben auf der Unterkonstruk­tion befestigt. Die äußeren raumseitig angeordneten Lagen werden mit Klammern oder Schrauben in der darunter liegenden Platte unterkonstruktions­neutral befestigt. Bei mehrlagigen Kons­truktionen werden die Plattenstöße der ersten unteren Lage dicht gestoßen. ­Eine Fugenverspachtelung ist nicht ­erforderlich, so dass Zeit gespart wird. Der vertikale Plattenstoß auf der Sichtseite kann bei mehrlagigen Konstruktionen auch im Feld erfolgen. Vorteile sind auch in der Anwendung zu finden. Die schlanken Konstruktionen bieten wertvollen Raumgewinn.
Beispielhaft bietet Fermacell folgende verschiedene Konstruktionen mit der neuen Firepanel A1 an:
• Trennwand EI 90 mit einer beidseitigen doppelten Lage aus 2 x 10 mm ­Firepanel A1 auf einer Unterkons­truktion aus CW75-06, Mineralwolle ist nicht erforderlich.
• Trennwand EI 120 mit einer beidseitigen doppelten Lage aus 2 x 12,5 mm Firepanel A1 auf einer Unterkons­truktion aus CW75-06, Mineralwolle ist nicht erforderlich.
• Schachtwand EI 90 mit einer Beplankung aus 3 x 12,5 mm Firepanel A1 auf einer Unterkonstruktion aus CW75-06, Mineralwolle ist nicht ­erforderlich.
• Schachtwand EI 60 mit einer Beplankung aus 2 x 15 mm Firepanel A1 auf einer Unterkonstruktion aus CW75-06, Mineralwolle ist nicht erforderlich.
Informationen zur neuen Brandschutzplatte Firepanel A1 stehen unter www.fermacell.de zum Download bereit.

Abbildungen: Fermacell                                                                                                         Ausgabe: 3/2012