01. Januar 2016

Die »gute Stube« von Baden-Baden

Schmid_8 Ausbau und Fassade - Die »gute Stube« von Baden-Baden

Der Bénazetsaal im Kurhaus Baden-Baden war sieben Monate eine Baustelle. Wo sonst über 1000 Gäste dinieren, tanzen und feiern, wirkten die Leute vom Bau. Nach einem radikalen Rückbau entstand der Saal in neuer Pracht. Thomas Schmid, Stuckateur- und Gipsermeister, erhielt den Auftrag für den Trockenbau. Es war technisch und terminlich eine Herausforderung.

Der Bénazetsaal gilt als die »gute Stube« Baden-Badens. Hier trifft man sich beim Grand-Prix-Ball während der »Großen Woche« auf der Galopprennbahn in ­Iffezheim – ein Event mit internationalem Flair. Hier werden im Dezember die »Sportler des Jahres« präsentiert. Seit 1998 ist das ZDF live mit dabei. 2011 konnten Magdalena Neuner und Borussia Dortmund die Auszeichnung entgegennehmen. Auch Basketballer Dirk ­Nowitzki erhielt die Auszeichnung. ­Wegen des verspäteten Saisonstarts der nordamerikanischen Basketball-Liga konnte er nicht persönlich vor Ort sein. Er wurde aus Dallas live dazugeschaltet und freute sich trotzdem über den Titel.
Wäre er in Baden-Baden dabei gewesen, hätte er sich über das neue Raumerlebnis im Bénazetsaal freuen können. Denn das Schmuckstück im weltberühmten Kurhaus-Casino Baden-Baden präsentiert sich komplett neu gestaltet: In knapp siebenmonatiger Bauzeit wurde der von 1912 bis 1917 erbaute Saal im Obergeschoss des linken Kurhaus-Seitenflügels komplett neu gestaltet. Ingesamt wurden rund 8,2 Millionen Euro dafür investiert. Das Geld kam zum Großteil vom Land Baden-Württemberg als Bauherr.
Nach Renovierungen in den 1950er- und Anfang der 1980er-Jahre war diese Neugestaltung die dritte große Erneuerung in der rund 100-jährigen Geschichte dieses Saales. Der Saal bietet damit für die großen glanzvollen gesellschaftlichen Ereignisse in der internationalen Bäderstadt einen prächtigen Rahmen.
Die finanzielle Investition ging etwa zur Hälfte in die Licht-, Ton- und Lüftungstechnik sowie in die baulichen Maßnahmen ein. Gestalterisch wurden die Proportionen des Raumes neu festgelegt. Ziel war es, den Raum großzügiger erscheinen zu lassen und die Proportionen harmonischer zu gestalten. Zur neuen Raumwirkung leistete der Trockenbau einen wesentlichen Beitrag.

Gnadenloser Schlusstermin
Mit dem Trockenbau wurde die Gipser Schmid GmbH aus Baden-Baden beauftragt. Das Unternehmen von Thomas Schmid hatte schon bei früheren Aufträgen für die Bäder- und Kurverwaltung seine Leistungsfähigkeit und Termintreue bewiesen. Darauf kam es auch bei der Sanierung des Bénazetsaals an. Unverrückbar war die offizielle Wiedereröffnung für den 30. August 2011 festgesetzt. Schon drei Tage später war der Saal für den Grand-Prix-Ball 2011 gebucht. Thomas Schmid konnte Anfang März 2011 mit den Trockenbau-Arbeiten beginnen, die im Mai abgeschlossen sein sollten. Der Zweischichtbetrieb mit 20 Fachkräften sollte einen zügigen Baufortschritt gewährleisten. Doch es kam anders. Die Vorgewerke wurden nicht pünktlich fertig und Schmid ­musste wieder auf Einschichtbetrieb umstellen.
Tatsächlich verzögerte sich der Abschluss der Trockenbau-Arbeiten – Auftragssumme: zirka 375000 Euro – bis in den August hinein, also kurz vor der Eröffnung. Das führte zu einem Zeitdruck, der zum Endtermin weiter zunahm. Komplexe Bauvorhaben sind für die Beteiligten manchmal spannender als ein Thriller. An die besonderen Baustellenbedingung, mussten sich die Stuckateure erst gewöhnen. In dem großen Raum waren viele Gewerke gleichzeitig am Werk. Während auf der einen Seite noch abgebrochen wird, wird auf der anderen schon gebaut. Viele Menschen auf der Baustelle sorgten für großen Trubel und einen entsprechenden Lärmpegel.

Technische Herausforderung
Für die Sanierung wurde der Saal komplett entkernt, um dann technisch, baulich und optisch vollständig neu gestaltet zu werden. Lediglich die markante Tonnendecke mit den Stuckkassetten blieb erhalten. Sie wölbte sich über eine emsige Baustelle, in der täglich 30 bis 40 Handwerker und Mitarbeiter aus 35 Firmen und Büros zu Gange waren. Um die Decke vor Verschmutzung zu schützen, wurde sie mit einer Folie abgedeckt.
Die Aufgabe des Trockenbaus war es, Wände, Säulen und Brüstungen zu verkleiden sowie abgehängte Decken einzubauen. Kopfzerbrechen bereitete dem Stuckateur dabei die Detailausführung. Dafür gab es keine exakten Pläne.
Der Architekt verließ sich auf die Kompetenz des Fachunternehmers, der ­Lösungsvorschläge ausarbeitete. Wichtig dabei war, dass die Kommunikation funktionierte.
Vor allem der Einbau der 31 Meter langen abgestuften Decken an den Längsseiten war eine Herausforderung. Sie dienten als Gehäuse für die Installationen für Lüftung und Licht und konnten wegen der vielen Stahlträger, unter denen sie angebracht sind, nicht direkt abgehängt werden. Mit Weitspannträgern hatte Schmid eine flexible Lösung parat. Insgesamt bauten seine Mitarbeiter Weitspannträger mit einer Gesamtlänge von 1,4 Kilometer ein. Daran konnte nun die Unterkonstruktion für die Decke befestigt werden. Wo es ging, setzte Schmid Formteile ein, die teilweise in der eigenen Werkstatt gefräst und geklebt wurden.
Wichtig war, dass nach der Fertigstellung ein stimmiger Gesamteindruck entstand, dass zum Beispiel die Kanten von Abtreppungen und Brüstungen auf einer Linie lagen. Nur wenn der Trockenbau hier exakt ausgeführt wurde, stimmten die Fluchten. Ausgeführt wurden die Oberflächen vom Stuckateur in der Qualität Q2. Für das Finish in Q3 sorgte dann ein Malerunternehmen mit Vlies und Spachtelgängen.
Mit dem Ergebnis war Thomas Schmid sehr zufrieden. Er lobte die Leistung und das Engagement seiner Mitarbeiter: »Diese Präzision – das ist Champions League. Sie können stolz auf sich sein.«
Mit dem Endergebnis war auch der Auftraggeber zufrieden. Die Abnahme verlief ohne Beanstandungen und die zeitliche Verzögerung der Vorgewerke konnte aufgeholt werden, so dass der Eröffnung für den geplanten Zeitpunkt nichts im Weg stand. Die Feuertaufe erhielt der Bénazetsaal mit dem Grand-Prix-Ball 2011. Danach folgte Veranstaltung auf Veranstaltung, darunter auch die Gala »Sportler des Jahres« mit großer Öffentlichkeitswirkung.

pd

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