01. Januar 2016

Mehr als nur Energie sparen

Weber_1 Ausbau und Fassade - Mehr als nur Energie sparen

Wärmedämm-Verbundsysteme sollten nicht nur Energieressourcen schonen, sondern hinsichtlich der verwendeten Materialien auch umweltfreundlich sein. Der Wohnungsverein ­Hagen setzt bei der Sanierung von 31 Gebäuden auf eine Lösung mit natürlichen Rohstoffen.

Wie viel Energie lässt sich einsparen? Noch vor wenigen Jahren war das die Kernfrage beim Einsatz von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS). ­Inzwischen kommen weitere Anforderungen hinzu. So zeugen Auszeichnungen wie der »Bundespreis Ecodesign« des Bundesumweltministeriums oder der »Preis für Produktinnovationen« des BAKA Bundesarbeitskreises für Altbausanierung von einem neuen Bewusstsein, das zusätzlich die Verwendung möglichst natürlicher und umweltfreundlicher Materialien in den Fokus rückt. Mit »Weber Therm A 100 und A 200« erhielten im vergangenen Jahr ­sogar erstmals zwei WDVS das Umweltsiegel »Blauer Engel«. Die ausgezeichneten Systeme basieren auf mineralischen Rohstoffen und zeichnen sich durch vielfältige bauphysikalische Vorteile aus. Hinsichtlich der Verarbeitung unterscheiden sie sich kaum von herkömm­lichen Lösungen, wie ein Anwendungsbeispiel aus Hagen zeigt.

Umweltfreundliches Sanierungskonzept
Der Wohnungsverein Hagen eG hat vor Kurzem insgesamt 31 seiner Mehrfamilienhäuser umfassend energetisch ­saniert. Die Gebäude stammen aus den Jahren 1959 bis 1968. Entsprechend waren die rund 12500 m2 Fassadenfläche lediglich mit einem gestrichenen Altputz versehen. Auch Dachböden und Keller verfügten über keine Dämmung, so dass diese Gebäudeteile ebenfalls zum Bestandteil des Sanierungskonzeptes wurden. Der Fokus lag aber auf den Fassaden, für die der Eigentümer ausdrücklich eine möglichst umwelt­schonende Lösung forderte.
Die Entscheidung fiel auf das vollmineralische WDVS Weber Therm A 100. Es besteht vom Kleber bis zum Oberputz aus natürlichen, mineralischen Roh­stoffen und basiert auf Mineralwoll-Dämmplatten mit einem Wärmeleitwert von 0,035 W/mk. Dieser homogene ­diffusionsoffene Systemaufbau ermöglicht einen optimalen Feuchtigkeitshaushalt. Mit der Baustoffklasse A1 ist ein maximaler Brandschutz gegeben.

Untergrundvorbereitung und Sockelabschluss
In Hagen wurde das System von der MFT GmbH verarbeitet. Der Zehn-Mann-Betrieb aus Hemer (NRW) ist auf derartige Anwendungsfälle spezialisiert. Auch dort verzeichnet man eine wachsende Nachfrage nach natürlichen ­Lösungen: ­»Mineralische WDVS sind in den vergangenen Jahren zunehmend Bestandteil von Ausschreibungen geworden«, so Jarek Wasiuta, Geschäftsführer von MFT. »Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in Zukunft verstärken wird.« Als Untergrund für ein minera­lisches WDVS eignen sich Beton und Mauerwerk. Bei den Hagener Mehr­familienhäusern brachte das MFT-Team das System direkt auf den Altputz auf. Hierfür musste die bestehende Oberfläche zunächst gesäubert werden. Es galt Hohlstellen zu entfernen und mit einem passenden Leicht-Unterputz auszugleichen. Unebenheiten von mehr als 10 mm wurden mit dem Klebe- und Armierungsmörtel Weber Therm 300 bearbeitet. Darüber hinaus installierten die MFT-Mitarbeiter ein ­Abschlussprofil als ­Trennung von ­Fassaden- und Sockel­putz. Die Sockeldämmung erhielt die gleiche Stärke wie die Fassadendämmung und wurde im ­weiteren Verlauf mit Schutzmaß­nahmen in den erdberührten ­Bereich eingebunden.

Aufbringen der Dämmplatten
Nach Installation des Sockelprofils brachten die Fachhandwerker die Dämm­platten in einer Dicke von 140 mm mithilfe des Klebe- und Armierungsmörtels auf. Für eine sichere ­Verklebung wurden die Platten im Streifen-­Wulst-Verfahren beschichtet, so dass nach dem Andrücken mindes­tens 50 Prozent der Fläche mit dem ­Untergrund verbunden waren. Beginnend am Sockel wurden die Dämmplatten fugendicht gestoßen und im Verbund geklebt. An den Gebäude- und Fensterecken ergänzte man Panzereckwinkel. Anschließend wurde eine ­Armierungsschicht aus dem system­eigenen Universalmörtel aufgetragen und plangezogen. Das Armierungs­gewebe drückte man gleichmäßig und faltenfrei in den Mörtel ein. Anders als beispielsweise bei EPS-Systemen er­folgte die Verdübelung direkt im ­Anschluss durch das Gewebe. Zur Vorbereitung für das Oberflächen-Finish wurde der Armierungsmörtel noch mit einem Straßenbesen aufgeraut.

Aufwertung durch Listelputz-Technik
Sieben Tage später folgte das Oberflächen-Finish mit dem eingefärbten mineralischen Edelkratzputz Weber Top 204 mit 3 mm Körnung. Um eine optimale Haftung zu erzielen, wurde die Fassadenfläche teilweise am Vortag vorgenässt. Der Auftrag des Edelkratzputzes erfolgte maschinell in 10 mm Dicke plus Kornstärke. Nach aus­reichender Erhärtung wurde die Oberfläche mit einem Edelputzkratzer ­spezial in gleichmäßig kreisenden ­Bewegungen gekratzt. Auf diese Weise wurde eine individuelle, kräftige Struktur erzeugt, die im Zusammenspiel mit Licht, Schatten und Farbe für ein lebendiges Erscheinungsbild sorgt.
Zur Ausbildung von Fensterleibungen, Faschen und Putzbändern trugen die MFT-Mitarbeiter den mineralischen Filz- und Faschenputz Weber Star 261 dünnschichtig auf den Armierungs­mörtel auf. Um die Fassadengestaltung aufzuwerten, wurden die Putzflächen mithilfe der Listelputz-Technik veredelt. Kratzputz-Bossen sorgen für eine ­horizontale ­Gliederung und verbinden den Sockelbereich optisch mit der ­Fassade. An den ­Gebäudeecken wurden ­Glattputz-Bossen ausgeschnitten.

Natürlicher Algenschutz
Die mineralische Fassadenoberfläche setzt nicht nur optische Highlights. Der eingesetzte Edelkratzputz Weber Top 204 verfügt durch ein leichtes Absanden über einen gewissen Selbstreinigungseffekt und ist wenig anfällig für Algen- und Pilzbefall.  Zudem ist der Edelkratzputz wie alle mineralischen Putze hydrophil und bietet durch sein gutes Feuchtigkeitsmanagement den Mikroorgansimen wenig Angriffsfläche. Die neueste Entwicklung von Weber, die Aqua Balance-Technologie, greift diese günstigen Eigenschaften, die minera­lische Putze von Natur aus mitbringen, auf und verstärkt sie.

Energiebedarf sinkt um die Hälfte
Die Sanierungsmaßnahmen zeigen ­Wirkung: Die Gebäude in Hagen ­präsentieren sich heute als modernes und nachhaltiges Wohnquartier mit hochwertigem Erscheinungsbild sowie moderaten Energiekosten für die Mieter. Wie erste Beispielrechnungen zeigen, hat sich der jährliche Energiebedarf durch den Einsatz des mineralischen WDVS halbiert: Von 150 kwh/m² sank der Verbrauch auf 75 kwh/m². Der Einsatz wohngesunder Baustoffe, der durch die Verwendung eines »Blauen Engel«-Systems nachvollziehbar belegt wird, kommt auch bei den Mietern gut an. Entsprechend profitiert der Wohnungsverein Hagen auch auf lange Sicht von einer hohen Attraktivität und Vermietbarkeit seiner Immobilien.

Abbildungen: Saint-Gobain Weber                                                                                          Ausgabe: 6/2013

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