01. Januar 2016

Fit mit Vakuumdämmung

Weber-Muehle-2 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung

Beim Umbau einer alten Mühle zum Passivhaus setzte der Planer Dirk Böhme auf ein besonders schlankes Vakuum-Wärmedämm-Verbundsystem. Das historische ­Gebäude ist vom energetischen Standpunkt her gesehen wieder fit für die Zukunft.

Es war eine spannende Herausfor­derung für das Planer-Team um Dirk Böhme: Aus einer alten Wassermühle in der ­Gemeinde Teichland wenige Kilo­meter nördlich von Cottbus sollte ein komfortables Mehrfamilienhaus ent­stehen, das heutigen Ansprüchen an Wohnkomfort bis hin zum Passivhausstandard genügt. Neben Wohnraum galt es auch Platz für gewerbliche Nutzflächen zum Verkauf regionaler Produkte im Erdgeschoss zu schaffen.
Einfach war die Aufgabe der Sanierung nicht. Das Gebäude im idyllischen Landschaftsschutzgebiet nahe zum Spreewald stand lange leer und war in entsprechend schlechtem baulichem ­Zustand. Nur ein Mühlrad neben dem Haus war vom alten Glanz des histo­rischen Gebäudes übrig geblieben. Ein Abriss kam für die Besitzer jedoch nicht in Frage, gefordert war vielmehr die Entkernung des alten Gemäuers. Diese erfolgte gründlich. »Stehengeblieben sind nur die Außenwände«, berichtet Böhme. Mit einer Wandstärke von bis zu 65 Zentimetern wiesen diese allerdings ein beträchtliches Volumen auf.

Neue Lösungswege
Das ehrgeizige Ziel war es, nach der ­Sanierung zumindest ab dem ersten Stockwerk Passivhausstandard zu er­reichen. Das Erdgeschoss wurde aus­genommen, da sich darin lediglich Nebenräume befinden. Bauen im Passiv­hausstandard bedeutet nach der Defi­nition des Passivhaus Instituts, dass der Heizenergiebedarf bei höchstens 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen darf. Die Primärenergie-kennzahl für Restheizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Haushaltsstrom darf 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten und der Luftwechsel bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal und ausgeschalteter ­Lüftungsanlage nicht größer als 0,6/h sein. Das erfordert unter anderem eine luftdichte Gebäudehülle, eine gute ­Dämmung der Außenwände, ein gut isoliertes Dach, die Vermeidung von Wärmebrücken sowie hochwertige ­Fenster.
Die Dämmung der alten Wassermühle mit einem herkömmlichen Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) hätte bei diesem anspruchsvollen Baustandard dazu geführt, dass die vorhandenen Mauern nochmals bis zu 30 Zentimeter dicker geworden wären. Aus diesem Grund entschied sich Böhme dafür, Neuland zu betreten und an den Außenwänden das seit Frühjahr 2010 verfügbare Vakuum-WDVS »Weber­therm Lock Plate« von Saint-Gobain Weber zu verwenden. Im Sockel- und Perimeterbereich kommt bei dem ­Gebäude außerdem EPS-­Dämmung mit einer Stärke von zehn Zentimetern zum Einsatz. Mit der Schweizer GmbH aus Cottbus fand er einen geeigneten ­Partner für die Ausführung.

Vakuumdämmung überzeugt durch geringe Aufbauhöhe
Der Dämmstoffkern von Webertherm Lock Plate ist mit einem Wert von 0,007 W/mK leistungsfähiger als herkömm­liche WDVS. Abhängig vom Objekt genügt eine Schichtstärke von zehn Zentimetern, um Passivhaus-Niveau zu erreichen. In Maust kam man mit einem Drittel der Aufbauhöhe aus.
Die Industrie hat aus den Erfahrungen mit Prototypen von Vakuumpaneelen gelernt. Diese waren teilweise dem ­rauen Alltag auf der Baustelle nicht ­gewachsen, es gab viel Ausschuss durch Schäden beim Transport und vor der Verarbeitung. Aus diesem Grund ist der Vakuum-Kern von Lock Plate von einer Hülle aus Polystyrol umgeben, die ihn beim Transport und auf der Baustelle vor ­Beschädigungen schützt. Darüber hinaus können die Dämm­platten in den Randbereichen geschnitten und ver­dübelt werden, ohne dass der ­Vakuum-Kern beschädigt wird. Die Vakuum-­freien Bereiche sind auf den Platten ­gekennzeichnet und für die verarbeitenden Betriebe gut zu er­kennen.
Die Vakuum-Dämmplatten wurden ­fertig konfektioniert auf die Baustelle geliefert. Dazu war es notwendig, die Gestaltung der Fassade zu kennen. Bei der Mauster Wassermühle besteht diese aus Fensterbändern mit Lochfassade und geschlossenen Feldern dazwischen. Horizontal wird die Fassade außerdem durch Raffstores über die gesamte ­Länge des Fensterbandes gegliedert. Weitere Akzente setzen dunkel ein­gefärbte strukturierte Putzflächen.

Vorbereitung sorgt für den Erfolg
Auf Basis der Planungen erstellte Saint-Gobain Weber mithilfe einer speziellen Software einen Verlegeplan für die einzelnen Paneele. Insgesamt stehen beim Lock Plate-System vier verschiedene Plattenformate zur Verfügung, die ­möglichst gleichmäßig auf der Fassade verteilt werden. Kleinere Imperfektionen im Mauerwerk ließen sich durch den vakuumfreien Randbereich noch vor Ort ausgleichen und nachschneiden. Die Fallrohr- oder Jalousiebefestigungen wurden bei der Erstellung des Verlegeplans berücksichtigt und konnten ebenfalls problemlos integriert werden. »Sämtliche Durchdringungen müssen im Vorfeld exakt geplant werden«, erläutert Projektleiter Holger Peschke von der Schweizer GmbH Cottbus. »Um sicher zu gehen, dass das Vakuum auch bei künftigen Fassadenarbeiten keine ­Schäden nimmt, haben wir dem Bauherrn nach Abschluss der Arbeiten ­einen Revisionsplan übergeben. Daraus sind sämtliche vakuumfreie Zonen ­ersichtlich.«
In einigen dieser Zonen wurden von den Fachhandwerkern Dauergerüstanker ­angebracht. Sie dienen dazu, später Gerüste zu befestigen, wenn zum Beispiel die Fassade neu gestrichen wird oder Arbeiten am Dach fällig sind. 45 solcher Anker waren für die Fassade der ehemaligen Wassermühle notwendig. »Je nach Gerüsthersteller werden unterschiedliche Systemmaße verwendet«, erläutert Holger Peschke. »Wir haben daher bei der Systemverlegung weitere Befestigungsmöglichkeiten eingeplant und im Revisionsplan verzeichnet.« Nach dem Gerüstaufbau wurde zur Vorbereitung der Sanierungsarbeiten zunächst der lose Altputz von den ­Wänden abgeschlagen, das vorhandene Ziegelmauerwerk gereinigt und teil­weise ausgebessert. Diese Flächen ­wurden dann mit einem mineralischen Leichtunterputz egalisiert.

Vermeidung von Wärmebrücken
Die hohen Anforderungen der Energieeinsparverordnungen lassen sich nur mit einer wärmebrückenarmen Dämmung erreichen. Dies gilt insbesondere dann, wenn in der Sanierung Passivhausstandard erreicht werden soll. Aus diesem Grund werden die Dämmplatten bei Webertherm Lock Plate mithilfe ­einer patentierten Verlegetechnik auf zwei Ebenen verlegt. Die erste Ebene besteht aus den sogenannten »Plates«. Sie ­enthalten die Segmente mit ­Vakuum-Paneelen mit Aussparungen für die Verarbeitung. Diese Plates werden direkt auf der Wand verklebt und müssen verdübelt werden. In den Aussparungen werden anschließend die Lock-Platten aufgebracht, die das ­System verschließen. Die Dämmplatten sind so konstruiert, dass sich die im ­Polystyrol integrierten Vakuum-Isola­tionspaneele überlappen. Das verhindert Wärmebrücken, trotz zweier Ebenen bleibt die Fassade sehr schlank. »Dieser modulare Aufbau und der Verlegeplan haben sich bewährt. Der Bauablauf ­gestaltete sich problemlos«, so Böhme. Die Fenster wurden mit umlaufenden Jalousie­anlagen ausgestattet. Ebenso wie in der Dachzone kamen hier Passplatten aus Resol-Hartschaum zum Einsatz.

Armierung schützt vor Schäden
Nach dem Verlegen der Dämmelemente wurde die komplette Fassade mit einem 8 x 8 mm starken Gewebe und einer ­Armierungsschicht von 7 bis 8 mm Dicke armiert. In besonders beanspruchten Bereichen trugen die Stuckateure außerdem eine zweite Armierungsschicht auf. Die Deckschicht bildet ein Silikonharzputz mit zwei Millimeter Körnung. Der ­pastöse Putz mit Marmor-Strukturkorn ist witterungsbeständig und zeichnet sich durch eine geringe Verschmutzungsneigung aus.
Auch der obere ­Abschluss der Gebäude­hülle war Teil der Sanierungsmaß­nahme. Das Mansardendach des Hauses wurde im Rahmen der Sanierung komplett neu gedeckt und bei dieser Gelegenheit mit einer zeitgemäßen Dämmung versehen. Um die notwendige Dämmstärke für den Passiv­hausstandard zu erreichen, wurden ­zudem die Pfetten verstärkt.
Nicht nur die innovative Außenhülle ist Teil des Konzepts, auch die Haustechnik trägt dazu bei, dass das Haus in Zukunft als energiesparendes und behagliches Passivhaus funktioniert. Die bisher zum Heizen genutzten Öfen mussten einer modernen Wandflächenheizung ­weichen, die unter Putz eingebracht wurde. Eine Lüftungsanlage mit ­Wärmerückgewinnung und dezentralen Lüftungsgeräten trägt ebenfalls dazu bei, den Heizbedarf niedrig zu halten. Eine 90 Meter tiefe Geothermiesonde deckt den restlichen Wärmebedarf der sieben Wohneinheiten.

Barrierefreiheit für Zukunftssicherheit
Doch Energieeffizienz alleine macht ein Gebäude nicht völlig zukunftssicher. »Im Rahmen der Sanierung ist das ­Gebäude auch barrierefrei gestaltet worden«, ­betont Böhme. Es verfügt über einen Aufzug, zudem kommen die ­Woh-nungen komplett ohne Schwellen aus. Angesichts des demographischen Wandels ist dies eine wichtige Maß­nahme, um die Wohnungen auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gut vermieten zu können. Zur guten Vermietbarkeit trägt natürlich auch die Lage ­inmitten der Teichlandschaft bei. Den Blick auf das Mühlrad neben dem Haus können die Bewohner übrigens immer noch ­genießen, es wurde natürlich trotz ­Sanierung erhalten.              

Georg Kolbe
Leiter Produktmarketing Fassade/Wand, Saint Gobain-Weber

Abbildungen: Saint-Gobain Weber                                                                                                    Ausgabe: 2/2012

  1. Weber-Muehle-1 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  2. Weber-Muehle-10 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  3. Weber-Muehle-2 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  4. Weber-Muehle-3 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  5. Weber-Muehle-4 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  6. Weber-Muehle-5 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
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  8. Weber-Muehle-7 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  9. Weber-Muehle-8 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung
  10. Weber-Muehle-9 Ausbau und Fassade - Fit mit Vakuumdämmung