01. Januar 2016

Perfekt gedämmte Fassaden

Weber_WDVS-6 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden

Die Möglichkeiten der Fassadendämmung sind vielfältig. Doch wo liegen die ­Vorteile einzelner Systeme und welche Möglichkeiten der Oberflächengestaltung gibt es? Eine Übersicht verschafft Klarheit.

Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise, der CO2-Diskussion und der Anforderungen durch die Energie­einsparverordnung (EnEV) kommt der Wärmedämmung von Gebäuden eine stetig wachsende Bedeutung zu. Wie die Praxis zeigt, sorgt eine Fassadendämmung bei Neu- wie auch Altbauten für effizienten Wärmeschutz. Eine an der Außenseite des Gebäudes angebrachte Dämmung hält die Wärme im Haus. Die Wände können die Raum­wärme aufnehmen, so dass die Wärmespeicherfähigkeit des Mauerwerks umfassend genutzt wird. Bis zu 40 Prozent  der Heizenergie lassen sich auf diese Weise einsparen.
Ganz gleich, ob es um einen Neubau oder die energetische Sanierung von Altbauten geht: Die Möglichkeiten der Fassadendämmung sind vielfältig und verlangen umfangreiches Hintergrundwissen. Was für Systeme gibt es und für welchen Anwendungsbereich sind sie besonders geeignet? Welche Dämm­lösungen sind mit Blick auf die Leis­tungsfähigkeit, die Funktionalität und den Werterhalt eines Gebäudes zu ­bevorzugen? Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der passenden Oberflächenbeschichtung.

Dämmen mit WDVS
Bei einem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) ist es entscheidend, dass die einzelnen Bestandteile perfekt auf­ei­nander abgestimmt sind. Nur so kann die volle Leistungsfähigkeit erzielt werden. Der Markt bietet inzwischen eine Vielzahl verschiedener Dämmstoffe. ­Daher gilt es, zunächst die Anforderungen zu klären: Geht es bei einem Bauvorhaben vor allem um maximale Leis­tung und geringe Aufbauhöhen oder legt der Bauherr eher Wert auf die Verwendung wohngesunder Baustoffe?
Neben den weitverbreiteten Klassikern Polystyrol und Mineralwolle haben sich in den vergangenen Jahren neue innovative Hochleistungsschäume am Markt etabliert. Bei dem Wärmedämm-­Verbundsystem »Weber Therm plus ­ultra« beispielsweise kommt Resol-Hartschaum zum Einsatz, der mit seinem Wärmeleitwert von 0,022 W/mK über eine Dämmleistung verfügt, die fast doppelt so hoch ist wie bei herkömm­lichen WDV-Systemen.

Schlanke Fassaden
Ein hoher Dämmwert führt bei Neu­bauten zu umfangreichen Vorteilen und deutlich größerer Gestaltungsfreiheit. So ermöglicht ein WDV-System auf der Basis von Resol-Hartschaum filigrane Gebäudekonstruktionen von hoher ­Attraktivität, die zugleich ein Maximum an Dämmleistung bieten. Darüber ­hinaus werden wertvolle Wohn- und Grundstücksflächen optimal genutzt.
Bis zu acht Prozent beträgt der Raum­gewinn im Vergleich zu konventionellen Systemen.
Auch bei energetischen Sanierungsmaßnahmen zahlen sich schlanke Fassaden aus. Denn Umbaukosten für die Anpassung von Dachüberständen und diversen Detailanschlüssen sind gering oder entfallen komplett. Zudem bleiben Tür- und Fensterleibungen schlank, so dass die Gebäudecharakteristik nicht beeinträchtigt wird und weiterhin ein aus­reichender Lichteinfall gewährleistet ist. Letztendlich können auch Gebäude energetisch aufgerüstet werden, bei ­denen es mit Hilfe konventioneller Dämmstoffe bislang unmöglich war, die geforderte beziehungsweise gewünschte Dämmleistung zu erzielen.

Handliches Format
Sogar eine Dämmung auf Passivhaus-Niveau ist mit einem solchen System ohne Weiteres möglich. Bereits eine Dämmschicht von 16 Zentimetern senkt den Heizwärmebedarf eines Altbaus auf unter 15 kWh/(m2a), was einem Verbrauch von 1,5 Litern Heizöl pro Quad-ratmeter entspricht. Um einen solchen Effekt mit konventionellen Dämmstoffen zu erzielen, wäre eine Schichtstärke von rund 30 Zentimetern erforderlich. Als Untergrund für ein Resol-Hartschaum-System eignen sich Beton und Mauerwerk. Es kann bis zur Hochhausgrenze von 22 Metern eingesetzt ­werden. Geklebt und verdübelt werden die Dämmplatten nach den gleichen Kriterien wie herkömmliche WDVS. ­Dabei erweist sich das handliche Format von 120 x 40 cm sowie das ­geringe Gewicht als vorteilhaft. Resol-Hartschaum bietet einen guten Brandschutz der Baustoffklasse B1, ein Dämmstoff­wechsel in Fenster- und Türstürzen ist nicht erforderlich. Das Material ist gesundheitlich unbedenklich und zu 100 Prozent FCKW- und H-FCKW-frei. Bei fachmännischer Verarbeitung besitzen Resol-Hartschaum-Platten eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer.

Konkurrenzlos effizient
Die neueste Errungenschaft auf dem WDVS-Markt sind Vakuum-Isolationspaneele, kurz VIP genannt. Sie werden vorwiegend dort eingesetzt, wo mit ­geringen Aufbaustärken effizient ­gedämmt werden muss. Dabei handelt es sich im Prinzip um mikroporöse ­Materialien, die unter Vakuum in eine gas- und luftdichte Folie eingeschweißt werden. Diese ein bis fünf Zentimeter dicken Paneele erreichen einen Rekordwärmeleitwert von 0,007 W/mK und sind damit im Vergleich zu anderen Dämmstoffen konkurrenzlos effizient. Die VIPs sind empfindlich gegen mechanische Beschädigungen und deshalb im Baustellenbetrieb aufwendig zu handhaben. Sobald die dünne Außenfolie ­beschädigt wird, geht das Vakuum verloren und die Dämmleistung verringert sich. Eine praktikable Lösung stellt die Integration der VIPs in EPS-Platten dar. Doch an den Stoßkanten solcher ­Elemente befindet sich nur das ungeschützte Paneel. Die Folge sind zahl­reiche systembedingte Wärmebrücken, welche die Gesamt-Dämmleistung einer Vakuum-Fassadendämmung deutlich mindern.

Schutz vor Beschädigungen
Solche Schwächen bisheriger Vakuum-Lösungen wurden bei Systemen wie »Weber Therm Lock Plate« beseitigt. ­Zusätzlich zur Einbettung in EPS sind die Vakuum-Paneele mit einem Ab­stand zum Rand vor Beschädigungen ­geschützt. Dadurch können die Dämmplatten in den Randbereichen ­geschnitten und verdübelt werden. Durch eine spezielle Verlegetechnik wird der ­Bildung von Wärmebrücken konsequent vorgebeugt.
Die Dämmplatten werden in zwei ­Ebenen aufgebracht, wobei sich die ­integrierten VIP stets überlappen. Die erste Ebene besteht aus den sogenannten Plates, die direkt auf das Mauerwerk geklebt und verdübelt werden. Auf die Plates werden dann in einem zweiten Schritt die Lock-Platten aufgebracht, die das System verschließen. Auf diese Weise erreicht das Gesamtsystem einen Wärmeleitwert von 0,015 W/mK und ist damit leistungsfähiger als sämtliche ­anderen Formen von Fassadendämmungen. Trotz des Aufbaus auf zwei Ebenen bleibt die Fassade schlank. Abhängig vom Objekt genügt bereits eine Schichtstärke von zehn Zentimetern, um auf Passivhaus-Niveau zu dämmen.

Nachhaltig und brandsicher
Mineralische WDV-Systeme eignen sich vor allem für Projekte, bei denen Wert auf eine nachhaltig-ökologische Bauweise gelegt wird. Alle Komponenten bestehen aus natürlichen Rohstoffen. Mineralische Systeme sind diffusions­offen und sorgen für einen optimalen Feuchteschutz und eine extrem schnelle Bauaustrocknung. Zudem gehören sie zur Baustoffklasse A und sind nicht brennbar. Im Vergleich verschiedener WDV-Systeme punkten mineralische ­Lösungen durch ihre Umweltverträglichkeit. So wurden die mineralischen ­Systeme »Weber Therm A 100« und ­»Weber Therm A 200« von Saint-Gobain Weber vor Kurzem als erste WDVS mit dem bekannten Umweltsiegel »Blauer Engel« ausgezeichnet. Die Auszeichnung bezieht sich auf übliche Dämmstärken von mindestens 140 Millimetern.
Mineralwolle-Dämmplatten verfügen über Wärmeleitwerte zwischen 0,041 und 0,033 W/mK und können bis zu ­einer Gebäudehöhe von 100 Metern eingesetzt werden. Als Schlussbeschichtung empfiehlt sich ein mineralischer Oberputz, der mit den Dämmplatten ­einen optimalen homogenen und ­diffusionsoffenen Konstruktionsaufbau ergibt. Lediglich im Sockelbereich muss das Dämmmaterial gewechselt werden. Hier haben sich Platten auf der Basis von Polystyrol bewährt. Die Leistungsfähigkeit eines WDVS hängt vor allem von den verwendeten Dämmstoffen ab. Eine passende Oberflächenbeschichtung garantiert eine langfristig ansprechende Fassade. Schwül-feuchte Sommer­monate und milde, verregnete Winter bieten Algen und Pilzsporen beste ­Lebensbedingungen. Ein ganz entscheidender Faktor ist die Wahl der Oberflächenbeschichtung.

Hydrophob und biozid
Hydrophobe – sprich wasserabweisende – Fassadenoberflächen galten lange Zeit als optimale Lösung gegen den un­schö­nen Bewuchs. Wie jedoch die Praxis gezeigt hat, bleibt die Feuchtigkeit ­gerade auf diesen Oberflächen besonders lange stehen. Entsprechend wird der Algen- und Pilzbefall befördert. Als Schutz dagegen wird vielen organischen Fassadenputzen eine biozide Filmkonservierung beigemischt. Die Biozide werden jedoch durch das Regenwasser ausgewaschen, die Fassadenoberfläche verliert mit der Zeit ihre Schutzwirkung. Die ausgespülten Biozide sind eine ­gravierende Belas­tung für Grund- und Fließgewässer.
Umweltschonender und dauerhafter als Oberflächen mit biozider Filmkonservierung sind mineralische Putze. Durch ­einen hohen ph-Wert bieten sie einen natürlichen Schutz vor Bewuchs. Vor ­allem aber sind mineralische Putzoberflächen hydrophil, das heißt: die Feuchtigkeit wird aufgenommen und erst später wieder abgegeben. Dementsprechend ist die Oberfläche bereits nach kurzer Zeit wieder trocken.

Hydrophil und mineralisch
Bei pastösen Putzen lässt sich eine ähnliche Wirkung über den so genannten »top-dry-Effekt« erzielen, wie er in den pastösen Putzen der »Weber pas top«-Produktreihe zum Einsatz kommt. Dabei dehnen Oberflächeneffekte die Tropfen und erhöhen dadurch die Verdunstungsfläche. Gleichzeitig zieht die ausgeprägte Kapillar­aktivität das Wasser von der oberen Putzlage. Algen und Pilzen wird so auf natürliche Weise das Wasser und damit die Lebensgrundlage entzogen. Anders als bei biozid eingestellten Fassaden­systemen kann bei Weber pas top keine biozide Filmkonservierung ausge­waschen werden. Dies schont das Grundwasser und verhindert ein Nachlassen der schützenden Wirkung.

Fazit: Zukunftsorientiert investieren
Ein WDV-System ist eine langfristige ­Investition. Neben den reinen Baukosten sollten daher dem Bauherrn vor allem die Einsparpotenziale bei künftigen ­Energie­kosten aufgezeigt werden. ­Mineralische Systeme mit dem Blauen Engel bieten bauphysikalisch optimale Eigenschaften. Sie sind zudem besonders wartungsarm und anwendungs­sicher. Die Hochleistungsmaterialien ­Resol-Hartschaum und Vakuum-Iso­­lationspaneele bestechen durch ihren schlanken Systemaufbau und eignen sich besonders für Gebäude, bei denen die Fassadenoptik weitgehend erhalten bleiben soll.

Georg J. Kolbe, Leiter Produktmarketing Fassade/Wand, Saint-Gobain Weber         

Abbildungen: Saint-Gobain Weber                                                                                           Ausgabe: 7-8/2012                              

  1. Waermeleitwerte-2011_05 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  2. Weber_WDVS-1 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  3. Weber_WDVS-2_Freisteller Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  4. Weber_WDVS-3 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  5. Weber_WDVS-4 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  6. Weber_WDVS-5 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden
  7. Weber_WDVS-6 Ausbau und Fassade - Perfekt gedämmte Fassaden