01. Januar 2016

Gut gedämmt mit Holz

Eine Schulsporthalle im hessischen Erbach/Ober-Ramstadt wurde vor zwei Jahren ener­getisch saniert. Das Besondere an diesem Projekt war, dass der Baukörper ­sowohl von innen als auch von außen mit natürlichen Holzfaserplatten ausgestattet wurde.

Bis in die späten 1970er-Jahre wurden Schulen und Turnhallen ebenso wie ­viele andere öffentliche Zweckbauten weitgehend ohne Rücksicht auf ihren Energiebedarf geplant. Betonarchitektur galt als chic und war erschwinglich; an eine vernünftige Wärmedämmung dachte damals so gut wie niemand. Seitdem hat sich vieles geändert.
Die Zeiten, in denen man in Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen ohne Rücksicht auf Verluste heizte, sind ­spätestens seit der zweiten Ölkrise 1979/80 vorbei. Seither erklimmt der Preis für fossile Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas regelmäßig neue Höhen. Heute sorgen bei unzureichend gedämmten öffentlichen Gebäuden vor ­allem die Betriebskosten für Ärger, ­namentlich der Einsatz öffentlicher ­Gelder für die Beheizung in den Wintermonaten sowie gegebenenfalls für die Klimatisierung im Sommer. Allerdings fehlt vielen Kommunen das Geld, um ihre maroden Schulsport- und Mehrzweckhallen anlagentechnisch fit zu machen und zeitgemäß zu dämmen.

Verschärfte Anforderungen
Seit die Energieeinspar-Verordnung für den Energiebedarf privater und öffent­licher Gebäude verbindliche Anforderungen enthält, hat sich das Problem verschärft. Viele Städte und Kommunen sehen sich in der Kostenfalle: Zum einen fehlt ihnen der finanzielle Spielraum für umfassende energetische Sanierungen, weil es vielfach an hinreichenden Instandhaltungsrücklagen mangelt, um das von der EnEV geforderte Energiebedarfsniveau sicher zu erreichen; zum anderen kommen die Kämmerer gerade deswegen nicht umhin, unnötig hohe Ausgaben für das Beheizen von Gebäuden und den Kauf dafür erforderlicher Brennstoffe einzuplanen. Die paradoxe Folge ist, dass längst überfällige Instandsetzungs- und Dämmmaßnahmen, die den Heizenergieverbrauch nach­haltig verringern würden, auf vermeintlich bessere Zeiten verschoben werden – wohl wissend, dass das »Vertagen« des Problems weder eine Verbesserung des baulichen Zustands noch eine Verringerung des Energiebedarfs und Brennstoffverbrauchs bewirkt.
 
Objekte des öffentlichen Bedarfs
Fest steht auch, dass für viele Veranstaltungen eine angemessen große ­Halle in gebäudetechnisch einwand­freiem Zustand unverzichtbar ist. Die Gemeinde ist somit im Zugzwang, ­bedarfsgerechte Räumlichkeiten bereitzustellen. Zum öffentlichen Leben eines funktionierenden Gemeindewesens gehören diese fraglos mit dazu. Wo Schulsporthallen zugleich Mehrzweckhallen sind und regelmäßig zu sozialen Begegnungsstätten werden, sind heute aber weitaus strengere Maßstäbe an die Bauausführung anzulegen als noch in den 1970er-Jahren.
»Statisch einwandfreie Baukörper, eine zeitgemäße Wärmedämmung ebenso wie eine funktionierende Gebäudetechnik sind bei heutigen Neubauvorhaben eine Selbstverständlichkeit. Diesem Anforderungsniveau müssen auch ältere Schulsporthallen genügen und sind deshalb umsichtig und fachmännisch auf Vordermann zu bringen«, fordert Guido Kuphal, Geschäftsführer von Inthermo aus Ober-Ramstadt.

So wird gedämmt
Wie die energetische Sanierung einer frequentierten Schulsporthalle mit ­besonders klimaschonenden Dämm­stoffen gelingt, zeigt das Beispiel in der Stadt Erbach im hessischen Odenwald. Hier wurde von Anfang Juni bis Mitte Oktober 2010 im Auftrag des Odenwaldkreises die in den 1970er-Jahren errichtete Sporthalle der Schule am Sportpark mit öffentlichen Geldern umfassend modernisiert. »Das Besondere an diesem mutig geplanten Instand­setzungsprojekt ist, dass der Baukörper sowohl von innen — auf der Hallenseite — als auch von außen — an der Fassade des Sanitärbereichs — mit natürlichen Holzfaserplatten ausgestattet wurde«, berichtet Schreinermeister Erich Kunkelmann, der für den zur Caparol-Firmengruppe zählenden Bauzulieferer In­thermo die technische Einweisung der Handwerker vor Ort geleitet hat.
»Wir haben die Schulsporthalle in ­Erbach innen auf einer Fläche von 325 Quadratmeter mit der Holzfaserdämmplatte
HFD-Exterior Massiv in 140 mm Dicke ­gedämmt«, sagt Malermeister Hermann ­Weyrich, der ­Geschäftsführer des gleich­namigen ­Malerbetriebs in Michelstadt ist. Im ­Zuge der Applikation haben die Bauhandwerker rund 5000 Kilo ­Klebe- und ­Armiermörtel verarbeitet ­sowie zirka 360 Kilo grau eingefärbten Siliconharzputz mit 3 mm Körnung auf die ­gedämmten Außenwände des ­WDVS-ummantelten ­Sanitärbereichs auf­gebracht.

Von innen und von außen
Wie es zu dieser kombinierten Innen- und Außendämmung der Schulsport­halle kam, erläutert der mit der Sanierung betraute Architekt Christoph Vogt aus Michelstadt: »Wir wollten die Sporthalle dämmen, ohne den Charakter des Gebäudes zu überdecken. An den Hallenaußenwänden sollte die klassische Sichtbetonoptik erhalten bleiben, weshalb nur eine Innendämmung in Frage kam. Zusätzlich wurde der ­komplette Sanitärbereich, der die ­Hygiene- und Umkleideräume umfasst, auf der Außenwand mit dem passenden ­WDVS von Inthermo ummantelt.«
Die dämmende Funktion fiel wiederum der Holzfaserplatte HFD-Exterior Massiv zu, die vom Malerbetrieb Weyrich auf einer Fläche von 120 Quadratmeter montiert und ­systemgerecht verputzt wurde.

Beachtliches Ergebnis
Der Effekt der beidseitigen Holzfaserdämmung ist frappierend: Im Winter ist ein bemerkenswerter Rückgang des Heiz­energieverbrauchs zu verzeichnen, was die finanziellen Aufwendungen der Kommune für den laufenden Betrieb ­erfreulich senkt. Im Sommer wirkt das Hallenklima wesentlich ausgeglichener als früher, was auf die temperatur- und feuchteregulierende Funktion der diffusionsoffenen Holzfaserdämmplatten zurückzuführen ist. Temperaturspitzen werden durch die Innendämmung deutlich abgemildert, so dass man auch an warmen Sommertagen in der Halle Sport treiben kann. Zudem hat die Dämmmaßnahme die akustischen Nachhallzeiten verkürzt, weshalb man sich jetzt wesentlich besser auf Sport und Spiel konzentrieren kann als im vormals ungedämmten Zustand.  

Abbildungen: 2-5: Weyrich                                                                              Ausgabe: 9/2012