01. Januar 2016

Sanierung eines Kulturdenkmals

Caparol_Rathaus-1 Ausbau und Fassade - Sanierung eines Kulturdenkmals

Fachwerk-Sanierung auf hohem Niveau: Das historische Rathaus in Burg­kunstadt wurde vor Kurzem in seine ursprüngliche Form wiederhergestellt.

Das Rathaus von Burgkunstadt ist eines der schönsten Fachwerk-Rathäuser in Süddeutschland. Es gilt als das Hauptwerk des bedeutendsten Meisters des ­barocken Fachwerkbaus in Franken, Jörg Hoffmann aus Zeil am Main. Mit einer umfassenden und denkmalgerechten Sanierung ist es gelungen, das altehrwürdige Gebäude in seiner ursprüng­lichen Form für die Nachwelt zu erhalten und durch einen Anbau so zu erneuern, dass es heutigen Anforderungen entspricht.

Seit mehr als 320 Jahren prägt das Bauwerk mit seinem steilen Giebeldach und dem mit Wetterfahne bekrönten Türmchen als Wahrzeichen die reizvolle Silhouette der Kleinstadt am Obermain in Landkreis Lichtenfels. Im Jahre 1689 wurde das reich verzierte Fachwerk­geschoss von Baumeister Hans ­Gebelein und Zimmermann Jörg Hoffmann auf die über 900 Jahre alten Grundmauern der ehemaligen »Altenburg ob Kunstadt« gesetzt.

Burg und Grafensitz
Mauersockel und Baugrund ­haben eine bewegte ­Geschichte: Erstmals erwähnt wurde die Burg »Kun­stadt« im Jahr 1059 als Sitz des Grafen, dem Vorgänger des späteren bischöflich-bamber­gischen Ministerialen. In Kriegen mehrfach zerstört, sind die beiden jetzigen Sockelgeschosse im ­Zuge der letzten frühmittelalterlichen Umwehrung zu ­einem quadratischen »Burghaus« umgestaltet worden, das später der Sitz des Kastellans werden sollte. Ende des 15. Jahrhunderts wurde unter Verwendung alten Steinmaterials nach Westen ­erweitert und es erfolgte eine ­Nutzungsänderung des Baukörpers in ein Brauhaus samt Darren.

Kulturdenkmal
Der Kunsthistoriker Georg Dehio schreibt in seinem »Handbuch der ­Deutschen Kunstdenkmäler«: »Die An­lage der ältesten Rathäuser ist überall gleichartig: ein frei am Markte stehender, zweistöckiger, stark gestreckter Rechteckbau, der nichts enthält als zwei Säle, ein jeder ein ganzes Stockwerk für sich in Anspruch nehmend. Der untere ist Kaufhaus für die feineren, schutz­bedürftigeren Waren (...), der obere in wechselnder Verwendung Bürgersaal, Gerichtssaal, Festsaal für Tanz und ­Gelage (...). Während dieser einfachste Typus für kleinere Städte noch längere Zeit genügte, traten mit dem wachsenden Umkreis der städtischen ­Verwaltungstätigkeit neue Bedürfnisse ein (...)«. In Burgkunstadt war dies erst in den 1970er-Jahren der Fall, bedingt durch die Bayerische Gemeinde-Gebiets­reform. Glücklicherweise erkannte der Stadtrat die Bedeutung des Fachwerk-Rathauses als Kulturdenkmal und ­beschloss, das historische Bauwerk nicht einem ­reinen Zweckbau zu opfern, sondern es zu erhalten und zeitgemäß zu erweitern.

Alt und Neu
Den in den Jahren 1974/1975 durch­geführten Planungswettbewerb entschieden die Nürnberger Architekten »Scherzer + Scherzer + Partner« für sich. Ihr Entwurf sah vor, den historischen Altbau in seiner städtebaulichen ­Wirkung zu erhalten und einen zwei­geschossigen Neubau terrassenförmig hangabwärts zu entwickeln, um die Fernwirkung des hoch aufragenden Altbaus nicht zu beeinträchtigen. Für den Altbau war ursprünglich lediglich eine Innenrenovierung geplant ­gewesen. Weil aber Untersuchungen ­ergeben ­hatten, dass die Holzsäulen in der Eingangshalle teilweise vermorscht waren und den statischen Erforder­nissen nicht mehr standhielten, war die Auswechslung aller Erdgeschoss-­Stützen unvermeidlich. Auch bei der ­Erneuerung des aufgesetzten Fachwerkgeschosses ­traten Schäden an Holz­balken und Fachwerk zutage, und schließlich ­musste die morsche Nord-Ost-Ecke mit ihren Fachwerk-Schnitzereien völlig ­restauriert werden.
Doch trotz dieser Totalrenovierung, die von 1978 bis 1980 erfolgte, wurden ­Ende 2000 am gesamten Gebäude, insbesondere aber an den Bauteilen des zweiten Geschosses und des Daches, ­erhebliche konstruktive Schäden fest-gestellt und in den Innenräumen eine hohe Schadstoffbelastung gemessen.

Schäden am Schmuckfachwerk
An der West- und Südfassade hatten sich einzelne Gefache gelockert und drohten aus der Fachwerkwand zu ­fallen. Außerdem waren durch Feuchtigkeitseinwirkung die Schwellen, ­Ständer und Riegel im Bereich der Zapfanschlüsse zum Teil stark zerstört. Die deckend ausgeführten Lasur­anstriche der gesamten Holzoberflächen waren aufgrund ihrer Schichtdicke nicht mehr dampfdiffusionsoffen und zeigten sich kraqueliert, aufgeschüsselt und ­abgewittert. Unter den Anstrichen ­ergaben Holzfeuchtemessungen doppelt so hohe Feuchtewerte wie an farbfreien Stellen. Die Holzteile waren ausge­wittert und pilzbefallen, und die mit Kitt verschlossenen Fehlstellen waren durch Holzbewegung und Bindemittelabwanderung rissig geworden und ­lösten sich ab. Dies hatte ein Eindringen von Regenwasser zur Folge und führte zu den erheblichen Bauschäden.

Sanierung des Holzfachwerks
Auf Grundlage des festgestellten ­Schadensbildes erfolgte in enger ­Abstimmung mit der Denkmalpflege die Planung der umfangreichen Instand­setzungsmaßnahmen am Fachwerk und an der Bausubstanz. Für die Sanierungsarbeiten an den Holzbauteilen fand der beauftragte Innungs-Malerbetrieb Friedmann aus Scheßlitz in der Firma Caparol einen geeigneten Partner. ­Gemeinsam mit Caparol-Fachberater Robert Schmid und in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz legte man das Vorgehen und die geeigneten Produkte fest. Vorbereitend musste zunächst das Fachwerk mechanisch gereinigt und auf­bereitet sowie schadhaftes Altholz ­erneuert werden. Zum Verfüllen der ­Risse und Vertiefungen in den nicht maßhaltigen Holzbauteilen kam die ­Histolith Sanopas-Holzrisspaste von ­Caparol zur Anwendung. Das Material besteht aus Leinöl, Naturfasern sowie natürlichen Füllstoffen und besitzt im Bezug auf Härte, Elastizität und ther­mischem Verhalten holzähnliche Eigenschaften, wobei das ölhaltige Binde­mittel der Paste das Eindringen von Wasser im Rissbereich verhindert. Anschließend wurde das gesamte Schmuckfachwerk mit Histolith Leinölfarbe in den vom Denkmalschutz festgelegten Farbtönen gestrichen. Die Farbtöne der Histolith Farbtonkarte ­basieren auf rein anorganischen ­Pigmenten und sind in Zusammenarbeit mit Landesdenkmalämtern und Diözesen entstanden. Sie beruhen teilweise auf restauratorischen Befunden an histo­rischen Bauwerken.
Bei den Sanierungsarbeiten der Innenräume wurde festgestellt, dass die Holzteile durch die lösemittel- und schwermetallhaltigen Lacke, mit denen in den 1970er-Jahren renoviert worden war, stark mit Schadstoffen belastet waren. Daher mussten im Zuge der Sanierungsarbeiten die Wände und Decken abgebeizt und gereinigt werden.

Innen und Außen
Für die farbliche Neufassung der Oberflächen wählte man Histolith Bio-­Innensilikat, eine wasserdampfdurchlässige, löse­mittelfreie und nicht brennbare Mineralfarbe für innen. Das sichtbare Innenfachwerk, die Deckenbalken sowie Türen und Türrahmen wurden granitgrau mit Capacryl PU-Satin, einem aromaten­freien Lack mit hoher Kratz- und Stoßfestigkeit, beschichtet. Sicherheitshalber ließ man auch die Holzteile des 1978 zeitgleich mit der Sanierung des Altbaus errichteten Rathausanbaus untersuchen. Leider wurden auch hier die Grenzwerte um das ­zwanzigfache überschritten. Da die ­Kosten eines Neubaus die Kosten für ­eine Entkernung und Sanierung nur unwesentlich überschritten, entschieden sich die Verantwortlichen für den Abbruch und Neubau des Anbaus aus der 1970er-Jahren.

Eigenständiger Charakter
Auch für die Planung des neuen Anbaus galt die Vorgabe, sich architektonisch dem historischen Altbau unterzuordnen. Alt- und Neubau sind durch ein offenes Treppenhaus verbunden. Diese Fuge ­bildet die Schnittstelle, sie bezieht sich auf den Altbau und ­bewahrt dennoch einen eigenständigen Charakter.
Das Ziel der denkmalgerechten Sanierung und des Umbaus war es, das Fachwerk-Rathaus als bedeutendes Kulturdenkmal zu erhalten und dessen ­Wertigkeit zu betonen. Nach Abschluss der aufwen­digen Arbeiten erstrahlt das Bauwerk in neuem Glanz. Das Burgkunstadter Rathaus ist keine museale Hülle oder Kulisse im Stadtbild, sondern ist nun bestens gerüstet für die Zukunft.

Abbildungen: Carapol/Duckek                                                                                 Ausgabe: 6/2012

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  4. Caparol_Rathaus-4 Ausbau und Fassade - Sanierung eines Kulturdenkmals
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