01. Januar 2016

Chance nutzen — Boden sanieren

Knauf-Boden-7 Ausbau und Fassade - Chance nutzen — Boden sanieren

Wer bei der Fußbodensanierung nur an neue Oberbeläge denkt, verschenkt großes Potenzial. Moderne Bodenkonstruktionen bieten von der energetischen bis zur altersgerechten und barrierearmen Sanierung ausgereifte Lösungen.

Darf´s noch ein wenig mehr sein? An der Wurst- oder Käsetheke langen wir gerne noch einmal zu. Dass es auch im Boden und vor allem auch bei der Fußbodensanierung »etwas mehr sein kann«, wissen die wenigsten Bauherren. Hier liegt eine große Chance für Unternehmen, die im Bereich ­Sanierung und Modernisierung aktiv sind. Neben einer neuen Oberflächengestaltung der Wand mit neuer Farbe, liegt der Boden gleich an zweiter Stelle der Modernisierungs-Wunschliste von Bauherren. Oft weiß der Bauherr aber nicht um die heutigen Möglichkeiten, was ­alles in seiner neuen Bodenkonstruktion stecken kann. In den letzten Jahren hat sich technisch sehr viel in diesem Bereich getan.
Besonders bei den Themen »Energetische Sanierung« und »Altersgerechter Umbau« kann der Boden eine tragende Rolle spielen. Beim Energiethema geht es nicht nur darum, ein Haus vom Keller bis zum Dach warm einzupacken, ­sondern auch über ein energieeffizientes Heizsystem nachzudenken. Solche Niedertemperatursysteme geben die Wärme (oder im Sommer die Kälte) gleichmäßig über Flächen ab – der ­Boden ist hierfür das ideale Medium.
In Kombination mit regenerativen ­Energiequellen/Wärmepumpen und ­einer geringeren notwendigen Raumlufttemperatur kann durch ein neues Heizsystem bis zu zwölf Prozent Energie eingespart werden. Es hat sich in den letzten Jahren technisch viel getan, so dass auch energieeffiziente Systeme nachträglich eingebaut werden können.

Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit
Durch Nachrüstung einer Fußboden­heizung und beispielsweise gleich­zeitigem Angleichen unterschiedlichen Raumniveaus schlägt der Bauherr gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Neben dem Energiethema verdrängen wir ­gerne, dass in gut 50 Jahren mehr als jeder dritte deutsche Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird. Häuser ohne Stolperfallen, mit größeren Raumauf­teilungen und anderen Hilfsmitteln ­ermöglichen uns dann eine möglichst uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in den eigenen vier Wänden.
Durch ­Angleichen von unterschiedlichen Raumniveaus oder auch das Anarbeiten an eine bodengleiche Duschwanne im Badbereich trägt auch der Boden zu dieser Sicherheit bei. Für geringere Höhenunterschiede bis 15 mm werden Spachtelmassen verwendet, bei größeren Höhenunterschieden kommen Leichtausgleichmörtel zum Einsatz.

Welches System passt zu mir?
Je nach Möglichkeiten und Anforderungen der Bodensanierung kommen ­unterschiedliche Systeme in Frage. Die vorhandene Bausubstanz muss genau unter die Lupe genommen werden und die neue Nutzung erfragt werden:
• Wie wird die Nutzung sein? Belastung durch Regale, Flächen…
• Welche Aufbauhöhe ist vorhanden? Soll/kann der alte Boden erhalten ­bleiben oder nicht…?
• Ist das Gewicht einer neuen Bodenkonstruktion beschränkt? Bei Holz­balkendecken oft ein Schwachpunkt…
• Sind größere Unebenheiten vor­handen? Sollen auch neue Leitungen ­verlegt werden…?
• Ist zusätzlicher Komfort gewünscht/ gefordert? Trittschallverbesserung, Brandschutzertüchtigung…?
• Welche Oberbeläge? Kantenlänge ­Fliesen, Parkettart usw. erfragen…
Wenn diese Punkte abgeklopft wurden, wird sehr schnell klar, ob ein trockenes Fertigteilestrich-System, ein nasses Dünnschicht-System oder eine ­Mischung aus beiden eingesetzt werden kann.

Schnelligkeit ist Trumpf
Wünscht der Bauherr eine besonders schnelle Sanierung auf statisch nicht viel mehr belastbaren Decken wie ­Holzbalkendecken, kommen Fertigteil­estriche zum Einsatz. Fertigteilestriche aus Gipsfaser sind um bis zu ein Viertel leichter als konventionelle Estriche und können nach einem Tag mit Ober­belägen verlegt werden. Bei einer ­energetischen Bodensanierung wird der Fertigteilestrich auf eine Fußboden­heizung der Bauart B aufgelegt. Bei ­diesem Heizsystem liegen die Heizrohre bündig in der Dämmstoff-Systemplatte, die Wärme wird von den sie umgebenden Wärmeleitblechen gleichmäßig über die Fertigteilestrich-Elemente an die Raumluft abgegeben. Hierfür wird eine Aufbauhöhe ab 43 mm benötigt.
Diese Variante lohnt sich auch bei Teilsanierungen. Wenn beispielsweise zunächst nur in eine Badsanierung ­investiert werden kann und beim ­Umbau ein enger Zeitplan eingehalten werden soll. Im Beispielobjekt ­verschwanden unebener Untergrund und neue Leitungen in der Schicht des Leichtausgleichmörtels Knauf Epo-Leicht. Darauf wurde eine Trittschalldämmung aus Holzfaser verlegt. Als Heizestrich kamen Uponor Siccus (25 mm) plus Fertigteilestrich Knauf Brio 23 (23 mm) zum Einsatz. Diese neu eingebrachte Bodenkonstruktion ließ auch großformatige Fliesen bis 60 cm Kantenlänge zu.
Ist noch weniger Platz vorhanden und ist trotzdem ein schneller Baufortschritt gewünscht, kommt ein anderes ­Fertigteilestrich-Heizsystem zum ­Einsatz. In eingefräste 28 mm oder 32 mm dünne Fertigteilestrich-Elemente ­werden Heizrohre eingelegt und mit Füllmasse ­gefüllt. Je nach Oberbelag ­werden die Gifafloor UB Klima-Elemente mit Gipsspachtelmasse vollflächig verspachtelt und sind nach Trocknung ­belegreif.

Dünner geht’s nimmer – Spachtelmassen-Systeme
Die »Flunder« unter den Warmwasser-Fußbodenheizsystemen für die ­Sanierung ist aber ein nasses System. Eingesetzt wird es vor allem, wenn der alte tragfähige Boden erhalten bleiben soll und deshalb nur sehr geringe ­Aufbauhöhen zur Verfügung stehen. Technisch lösbar ist dies durch spezielle Verbundkonstruktionen. Auf den sorgfältig grundierten Untergrund werden Noppenfolien aufgeklebt, Heizrohre eingelegt und mit ­spannungsarmer Spachtelmasse ver­gossen – sogar auf vorhandenen Fliesen kann verlegt werden. ­Diese schlanken dünnschichtigen Fußbodenheizungen – als System mit Knauf ­Alphadur 430 (gipsbasiert) auf Uponor Minitec – benötigen gerade mal 16 mm Aufbauhöhe. Besonders wichtig ist bei dieser Variante den Altuntergrund vorher auf Unebenheiten zu prüfen und gegebenenfalls durch Spachtelmassen auszu­gleichen. Die Heizestrichschicht soll die Wärme gleichmäßig an den Raum ab­geben ­können, dickere Estrichschichten beispielsweise am Rand verringern die ­Effizienz dieser Dünnschicht-Systeme.
Im Gegensatz zu ­Fertigteilestrichen benötigen diese ­Nassmörtel-Systeme je nach Aufbauhöhe eine Trocknungszeit von ­zirka sieben Tagen, um die not­wendige Beleg­reife von 0,3 CM-Prozent zu erreichen.

Dünn und leise – Spachtelmassen­systeme auf Dämmung
Wenn Lärmbelästigung über Trittschall verringert werden soll, gibt es im Dünnschichtbereich die Möglichkeit, sich vom Altuntergrund zu lösen und mit Trennlage und Trittschall-Dämmung aus Holzfaser unter der dünnschichtigen Fußbodenheizung zu arbeiten. Das ­System ist dann mit einer Heizestrichschicht Knauf Nivellierestrich 425 auf Uponor Minitec von zirka 32 mm auszuführen. Plus Trennlage und 10 mm Knauf Holzfaserdämmplatte WF wird ­eine System-Höhe von zirka 43 mm ­erreicht. Auf Massivdecken kann so eine wesentliche Verbesserung von 18 dB ­erreicht werden.
Für den Bauherren ­bedeutet diese ­Lösung ein Komfort-­Paket, das gleich drei Wünsche erfüllt: Eine energie­sparende Fußbodenheizung kann auch bei geringer Aufbauhöhe nachgerüstet werden, bei zusätzlicher Trittschall­dämmung werden die Nerven geschont und auf den neuen ebenen Untergrund können viele Oberbeläge verlegt ­werden.

»Ein Stück Bodensanierung« anbieten
Wichtig ist in allen beschriebenen Fällen eine gute gewerkeübergreifende ­Zusammenarbeit. Nutzen Sie die ­Chance, es Ihrem Kunden so einfach wie möglich zu machen und arbeiten Sie mit Heizungsbauern in Ihrer Region zusammen. Er ist für die Verlegung des Fußbodenheizsystems und dessen ­Funktionsfähigkeit zuständig.
Sie sorgen für einen vorbereiteten ­Untergrund und die Tragschicht auf der Fußbodenheizung. Bieten Sie gemeinsam »ein Stück ­Bodensanierung« an ­(energieeffizient, leise und modern). Wenn Sie auch als Energieberater tätig sind, spielen Sie das Ass aus, dass ­mehrere Fördertöpfe gleichzeitig angezapft werden können.
Tipp: Bei einer Sanierung kann die ­Fördermöglichkeit über die KfW für ­energieeffiziente Sanierung mit der des ­altersgerechten Umbaus kombiniert werden. Siehe www.kfw.de , beispielsweise Programme 155/455 zum altersgerechten Umbau. Wer jetzt in ener­getische und altersgerechte Sanierung investiert, baut für die Gegenwart und die Zukunft. Um Energie und Geld zu sparen und nachhaltig den Wert seiner Immobilie zu steigern. Es darf also ­etwas mehr sein – mehr Komfort auch bei der Altbausanierung von Fußböden!  

Antje Toelsner, Knauf Gips KG
Marktmanagement Bodensysteme









Tipp

Wie das beschriebene Bodensystem Knauf Nivellierestrich 425 auf Uponor Minitec eingebaut wird, zeigt auf www.youtube.com der Film „Fußbodenheizung mit Uponor Minitec System.flv“.
 


Knauf Nivellierestrich 425 wird auf der dünnschichtigen Fußbodenheizung Uponor Minitec vergossen. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Einfräsungen der Knauf GIFAfloor UB Klima Elemente werden gefüllt. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Vorher: Auf der alten Dielung wird neu aufgebaut. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Ausgleichen mit Knauf EPO-Leicht. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Knauf Holzfaserdämmplatte WF wird zur Trittschalldämmung eingesetzt. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Knauf Brio wird auf Uponor Siccus verlegt und im Falz verklebt und verschraubt. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

Auch großformatige Fliesen sind bei einer Badsanierung auf Knauf Brio möglich. (Foto: Knauf Gips KG/Bernd Ducke)

 

Abbildungen: Knauf Gips KG/Bernd Ducke                                                                                     Ausgabe: 2/2012         

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