05. Juli 2021

Räume in Szene setzen

Nahezu alle Flächen im Haus sind in einem strahlenden Weiß gehalten und reflektieren die gesetzten Lichtakzente. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips

Anzeige

Licht kann in Szene setzen, Licht kann betonen, Licht kann Struktur verleihen. Beeindruckend sind dabei häufig bauliche Lösungen, die Licht dezent und gezielt einsetzen, um Stimmungen zu erzeugen und durch Räume zu führen. Ein Beispiel für den kunstvollen Umgang mit dem Stilmittel Licht in Kombination mit Trockenbaulösungen zeigt der Ausbau eines Wohnhauses.

Das Wohnhaus, entworfen vom Büro Berschneider + Berschneider Architekten BDA + Innenarchitekten, Pilsach, ist geprägt von klaren, leicht versetzt angeordneten Baukörpern. Die auf diese Weise locker und einladend wirkende Bauskulptur bietet eine Wohnfläche von rund 800 Quadratmetern, verteilt auf Unter-, Erd- und Obergeschoss. Die klare Linienführung außen spiegelt sich im Inneren wider: lange Fluchten, leicht wirkende Einbauelemente und ein insgesamt zurückgenommenes Raumdesign. Um diesen aufgeräumten Charakter zu schaffen, wurde die gesamte Haustechnik hinter Vorsatzschalen, abgehängten Deckenkonstruktionen und Installationswänden versteckt. Sie alle wurden, genauso wie sämtliche Trennwände im Haus, in Trockenbauweise errichtet. So entstand eine gelungene Kombination aus Ein- und Ausbauten. 
 
Nischen als Gestaltungselement
In viele der Trennwände sind zusätzlich Nischen in unterschiedlichsten Größen integriert – sowohl ein Funktions- als auch ein Gestaltungsmerkmal der Räume. Die in verschiedenen Maßen eingebauten rechteckigen und quadratischen Nischen mit umlaufenden Laibungsverkleidungen haben in der Regel eine Tiefe von 100 Millimetern. Lediglich im Elternbad sind sie 150 Millimeter tief ausgebildet, um mehr Ablagefläche zu erhalten. Wände und Nischen in den Feuchträumen wurden mit dafür speziell imprägnierten Ausbauplatten erstellt. Eine weitere Besonderheit stellt der Kamin im großzügigen Wohn- und Essbereich dar. Er wurde auf insgesamt acht Metern Höhe vierseitig mit entsprechenden Feuerschutzplatten beplankt. So fügt er sich optisch quasi als Wand nahtlos in das Raumensemble ein.
 
Das außergewöhnliche Wohnhaus ist geprägt von ruhigen, leicht versetzt angeordneten Baukörpern. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips
Lange Fluchten, leicht wirkende Einbauelemente prägen das insgesamt zurückgenommene Raumdesign. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips Wie Textmarker, die Wörter in einem Text hervorheben, folgen und unterstreichen die Lichtbänder die Raumlinien. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips
Der großzügige Wohn- und Essbereich wird durch den Kamin separiert. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips
Vom Kinderzimmer bis zur Küche: Licht als wesentliches Gestaltungsmittel akzentuiert und „führt“. Foto: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips
Lineare Lichtführung
Riesige Fensterfronten – insbesondere auf der Südwest-Seite – fluten das Innere mit viel natürlichem Licht. Zusätzlich sorgen leuchtstarke wie energiesparende LED-Spots für eine gleichmäßige, direkte Beleuchtung. Im wahren Wortsinn wegweisend jedoch ist die indirekte Beleuchtung: In nahezu allen Räumen folgen dazu lange Lichtbänder entlang der Decken, Wände oder Nischenausschnitte den Raumlinien und unterstreichen diese wie Textmarker, die Wörter in einem Text hervorheben. Sämtliche Lichtbänder im Haus sind mit speziellen LED-Profilelementen hergestellt. Selbst geschwungene und runde Formen, wie etwa eine große Lichtvoute im Erdge-schoss mit einem Radius von 1.500 Millimetern, konnten mittels biegsamer Profilausführungen realisiert werden.
 
Eine große Lichtvoute entfaltet im Wellnessbereich eine angenehme Lichtwirkung.	Fotos: Berschneider + Berschneider/Saint-Gobain Rigips
Weiße Flächen in Perfektion
Strahlendes Weiß dominiert nahezu alle Flächen im Haus, was die gesetzten Lichtakzente wundervoll reflektiert. Die Spachtel- und Finisharbeiten mussten daher absolut präzise ausgeführt werden – jede kleinste Unebenheit würde das eindrucksvolle Wechselspiel aus Licht, und Fläche stören. Das Ergebnis überzeugt: Traumhaft sanft streichelt das Licht die weißen Flächen, die im harmonischen Bezug zu dem hellen Holzboden stehen, der im gesamten Haus verlegt ist. Die Temperierung der Räume erfolgt über Fußbodenheizung. Ausnahmen bilden der große Wohnraum im Erdgeschoss und Bereiche im Obergeschoss, wo zusätzlich Klimadecken eingebaut sind.
Brigitte Wagner-Rolle
 
Artikel als Pdf herunterladen: