27. Oktober 2008

Zahlungsmoral in Deutschland trotz Finanzkrise gut


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Das Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen hat sich im 3. Quartal 2008 nur geringfügig verschlechtert. Laut einer Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B Deutschland bezahlten aber immer noch knapp 79 Prozent aller Firmen in Deutschland ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß. Die im Rahmen des Duntrade-Programms jährlich ausgewerteten 500 Millionen Rechnungen belegen, dass trotz der Finanzkrise die Liquidität der Unternehmen in den letzten drei Monaten gesichert war. Die beste Zahlungsmoral herrscht in der Pharmabranche. Unternehmen in Bayern zahlen am pünktlichsten und in Berlin am schlechtesten


»Unsere Zahlen verdeutlichen, dass die deutsche Wirtschaft solide aufgestellt ist und über ausreichend Liquidität verfügt, um die Finanzkrise zu überstehen und weiterhin Wachstum zu erzeugen«, erläutert Thomas Dold, Geschäftsführer D&B Deutschland.


Auch die Auswertung des Zahlungsverhaltens einzelner Branchen verdeutlicht, dass das Wachstum in vielen Bereichen immer noch stabil ist. In 10 von 15 untersuchten Branchen verbesserte sich die Zahlungsmoral gegenüber dem 2. Quartal. An der Spitze liegt, wie in den Monaten zuvor, die Pharmabranche. Etwas mehr als 94 Prozent aller Pharmaunternehmen bezahlen ihre Rechnungen bis zum vereinbarten Ziel. Auch die Banken zählen trotz Finanzkrise weiterhin zu den pünktlichen Zahlern. Sie konnten sogar ihr Zahlungsverhalten um einen Prozentpunkt verbessern. Das größte Problem ist derzeit das mangelnde Vertrauen der Banken untereinander, das die Liquidität einzelner Institute mehr einschränkt als die schlechte wirtschaftliche Lage der Finanzbranche.


Die Möbelindustrie ist erneut die Branche mit den anteilmäßig meisten ernsthaften Beanstandungen. 1,65 Prozent aller Unternehmen dieser Branche zahlen ihre Rechnungen mehr als 105 Tage verspätet oder gar nicht. Auf Platz 2 und 3 rangieren die Touristikbranche und das Baugewerbe. Neben der Touristikbranche verzeichneten die Unternehmen der Automobilbranche den stärksten Zuwachs an ernsthaften Beanstandungen im Zahlungsverhalten, verglichen mit dem vorangegangen Quartal.


Bayern vor Baden-Württemberg und Sachsen
Unternehmen aus Bayern zahlen ihre Rechnung am pünktlichsten. Über 81 Prozent aller Zahlungen leisteten die Bayern vereinbarungsgemäß, dicht gefolgt von Baden-Württemberg. Sachsen rückte mit 79 Prozent auf Platz 3 und liegt damit an der Spitze der ostdeutschen Bundesländer. Am anderen Ende der Liste rangieren die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Berlin bleibt weiterhin das Schlusslicht. Hier zahlen nur etwa 71 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen fristgerecht. Diese Zahl ist in den letzten 12 Monaten kontinuierlich gesunken. Berlin weist damit deutlich die schlechteste Zahlungsmoral aller Bundesländer auf.


Die in Berlin ansässigen Unternehmen können damit weiterhin nicht vom Hauptstadtstatus profitieren. Ebenso schwer haben es die angrenzenden Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zum großen Teil vom Tourismus abhängig und ohne eine breite Basis an Industrie sind die Unternehmen im Nordosten Deutschlands und deren Zahlungsmoral viel stärker von aktuellen Einflüssen, wie hohen Energiepreisen oder schlechterem Konsumklima, betroffen als der Rest der Republik.


Die D&B Studie dokumentiert die Kraft der deutschen Wirtschaft und das solide Wirtschaftswachstum Deutschlands. Trotz Bankenkrise, hoher Energiepreise und des Einsetzens einer konjunkturellen Abkühlung zeigt sich das Zahlungsverhalten der deutschen Unternehmen weitgehend stabil. Das spricht dafür, dass die Unternehmen über ausreichend Liquidität verfügen und weiterhin von Banken Kredite erhalten, sofern die Bonität stimmt.

 

Branche

vereinbarungsgemäß bezahlte Rechnungen in Q3/2008 in %

Änderung Q2/Q3 in %

Pharma

94,71

0,26

Banken

87,74

1,10

Verlage

82,06

-0,42

Handel

81,63

1,01

Maschinenbau

81,62

0,34

Behörden

79,33

1,49

Lebensmittel

79,02

1,55

GESAMT

78,86

-0,14

Möbel

77,54

-0,01

Versicherungen

76,70

4,12

Handwerk

76,64

-0,61

Baugewerbe

75,09

-0,05

Auto

74,95

0,78

Telekommunikation

74,21

-0,28

Transport

73,44

0,60

Touristik

73,09

3,31

 

Bundesland

vereinbarungsgemäß bezahlte Rechnungen in Q3/2008 in %

Veränderung Platzierung zu Q2/08

Q2/08 in %

Änderung Q2/Q3 in %

Bayern

81,64

0

81,71

-0,07

Baden-Württemberg

81,17

0

80,92

0,25

Sachsen

79,15

1

78,96

0,19

Niedersachsen

78,64

1

78,66

-0,02

Schleswig-Holstein

78,62

-2

79,03

-0,41

Rheinland-Pfalz

78,35

0

78,26

0,09

Hessen

78,18

1

77,92

0,26

NRW

77,97

1

77,91

0,06

Thüringen

77,91

-2

78,12

-0,21

Sachsen-Anhalt

77,41

0

77,18

0,23

Saarland

77,22

1

76,62

0,60

Hamburg

76,45

-1

77,01

-0,56

Bremen

75,97

0

75,60

0,37

Mecklenburg-Vorpommern

74,71

0

75,30

-0,59

Brandenburg

73,97

0

73,83

0,14

Berlin

71,85

0

72,38

-0,53