01. Januar 2016

Konzept im Wandel der EnEV

Energiesparen: Ja, bitte! Aufwendige Technik: Nein, danke! Viele Bauherren wünschen sich für ihr Einfamilienhaus ein energetisches Konzept nach diesem Prinzip. Ein Einfamilienhaus in Süddeutschland demonstriert schon seit sechs Jahren, wie es funktionieren kann.

In Franken wurde bereits 2006 ein Einfamilienhaus erstellt, dessen ausge­wogenes Energiekonzept konventionelle Wege genutzt hat. Das Ganze wurde als Versuch angelegt, energetische Leis­tungsfähigkeit ohne aufwendige Technik sowie ­ohne kontrollierte Be- und Entlüftung zu erreichen. Eine erneute Bewertung des Gebäudes nach EnEV 2009 zeigt, dass das Konzept Bestand hat: Mit einem Jahresprimärenergiebedarf von 42,5 kWh/(m²a) und der energe­tischen Qualität der Gebäudehülle (spezifischer Transmissions­wärmeverlust HT) von 0,27 W/(m²K) steht das Haus in energetischer Hinsicht um 30 Prozent besser da als ein nach EnEV 2009 erstellter Neubau und entspricht der ­aktuellen Einstufung als KfW-Effizienzhaus 70 (KfW-EH 70).
Das Haus mit Satteldach im dörflichen Umfeld ist traditionsbewusst gebaut: gemauert, gedämmt, verputzt und gestrichen. Das Entwurfskonzept des ­Architekten Reinhold Jäcklein ist geprägt durch die Lage des Grundstücks, durch Bauvorgaben der Gemeinde und dem Wunsch des Bauherrn nach einem energieeffizienten und kos­tengünstigen Haus. Gefordert waren eine offene Grundrissgestaltung und der Einbau ­einer Flächenheizung im Wandbereich. Die Basis für energieoptimiertes Bauen hat der Architekt im Entwurf gelegt. Die Ausrichtung des Baukörpers nach der Sonne, die Anordnung der ­Nebenräume im Norden sowie die kompakte Bauweise stehen dafür.

Optimale Abstimmung des Systems
Im Dialog mit dem Bauherrn und dem Energieberater aus dem Tübinger Ingenieurbüro ebök haben die Architekten ein Energiekonzept entwickelt und umgesetzt. ­Folgende Maßnahmen wurden nach Auswertung diverser ­Gebäude- und Anlagenkonzepte kombiniert:
• Außenwände in Porenbeton, 360 mm dick
• nachweislich wärmebrückenfreie Ausführung durch Thermografie-Auf­nahme
• Hoch wärmegedämmte Außenwände, an Kellerdecke und Dach ist an den Außenwänden ein Knauf WDVS mit 120 mm ausgeführt, Kelleraußen­wände aus ­Porenbeton sind mit einer 100 mm dicken Perimeterdämmung versehen, das Dach mit einer 35 mm dicken Aufsparrendämmung, 200 mm dicken ­Zwischensparrendämmung ­sowie einer 50 mm dicken Unter­sparrendämmung
• Zweischeiben-Wärmeschutzver­glasung
• Luftdichte Gebäudehülle (nachge­wiesen über Blower-Door-Test)
• Heizung: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit solarer Heizungsunterstützung, optimierter Betrieb, Umwälzpumpe leistungsgeregelt, Flächenheizung
• Warmwasser: zentrale Warmwasser-bereitung über Solaranlage sowie über Luft-Wasser-Wärmepumpe, ­bivalenter Solarspeicher (1000 Liter)
• Flächentemperierung im Wandbereich

Das gewählte Gebäude- und Anlagenkonzept wurde über verschiedene ­Berechnungsvarianten verifiziert. Die Entscheidung des Bauherrn fiel auf eine Außenluft-Wärmepumpe, unterstützt durch eine Sonnenkollektorfläche. Die Heizungsauslegung wurde mit Vorlauf/Rücklauftemperatur 35/28 gewählt. Es erfolgte ein hydraulischer Abgleich des Heizwärmesystems, damit wurde garantiert, dass jede Heizfläche entsprechend der im Raum erforderlichen Wärmeleis­tung mit Heizwasser durchströmt wird. Der jährliche Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser bewegt sich zwischen 6200 bis 7000 kWh.

Flächentemperierung im Wandbereich
Der geringe Energieverbrauch wird erzielt mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Insgesamt sind auf einer Wohnfläche von 180 m² zwölf Flächenheizkörper im Format von 145 bis 214 cm Länge und 75 bis 135 cm Breite montiert, die durch großflächige Abgabe von Strahlungswärme die Behaglichkeit im Raum fördern. Die Elemente sind leicht zu befestigen und in die Putzschicht zu integrieren. Geputzt wurde in zwei Lagen nass-in-nass mit Knauf MP 75 G/F. Der Putz zeichnet sich durch seine Verar­beitungskonsistenz, schwindfreies Abbinden und Wärmeleitfähigkeit aus. Die plastische Mörtelkonsistenz und das Spritzbild bei maschineller Verarbeitung sorgen für eine vollständige, blasenfreie Einbettung des Temperiersystems. Das schwindfreie Abbinden ermöglicht das Einputzen von Systemen mit großen Rohrdurchmessern. Notwendig wurden hier Putzdicken von 30 bis 40 mm.

Fazit
Durch den 2006 ausgeführten erhöhten Wärmeschutz der Gebäudehülle (WDVS + Untersparrendämmung) sowie wärmebrückenfrei ausgeführte Anschlüsse wurde eine verbesserte Ausgangsbasis für den Heiz­wärmebedarf des Hauses geschaffen. Wie eine Berechnung auf Grundlage der Verbesserung der Gebäudehülle, also mit 180 mm Dämmung und Dreifach-Verglasung, zeigt, würden sich der Jahres-Primärenergiebedarf auf 40,29 kWh/m²a und der Transmissionswärmeverlust HT auf 0,239 W/(m²K) verbessern. Wäre zudem eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vor­gesehen, könnte das Gebäude als KfW-Effizienzhaus 55 deklariert werden, mit einem Jahresprimärenergiebedarf von 32 kWh/m²a.

Helga Hofmann/Bernd Liczewski

Abbildung: 2 - 3: Knauf Gips KG/Blome; 1,4,5: Knauf