11. August 2009

Für Altersvorsorge und Wohneigentum wird mehr gespart

Die Sparer bleiben in der Krise gelassen. Im Vorjahresvergleich gewinnen die Sparziele »Altersvorsorge« und »Wohneigentum« deutlich an Bedeutung. Das Sparziel »Kapitalanlage« hat sein Tief im Herbst 2008 offenbar nachhaltig überwunden. Gleichwohl gibt es erste Anzeichen dafür, dass die wirtschaftlichen Turbulenzen das künftige Sparverhalten beeinflussen. Das zeigt die zum 36. Mal im Sommer 2009 von TNS Infratest (Bielefeld) im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen durchgeführte repräsentative Umfrage zum Sparverhalten der Bundesbürger.


Interviewt wurden dabei über 2.000 Bundesbürger im Alter von 14 Jahren und mehr. Die Umfrage wird drei Mal im Jahr durchgeführt.


Mit einem Zuwachs gegenüber der Sommerumfrage 2008 um 7 Prozentpunkte auf 62,1 Prozent rangiert das Sparziel »Altersvorsorge« nach wie vor auf Platz 1. Das Sparziel »Konsum/Anschaffungen« steht mit 58,5 Prozent und einem Plus von knapp 4 Prozentpunkten an zweiter Stelle. Das Sparziel »Wohneigentum« legte im Vorjahresvergleich um 8 Prozentpunkte auf 49,3 Prozent zu. Mit größerem Abstand folgt auf Platz 4 das Sparziel »Kapitalanlage« mit 35,6 Prozent und einem Anstieg von 2 Prozentpunkten.


»Die große Verunsicherung, die im Sommer und Herbst 2008 spürbar war, hat zu keinem nachhaltigen Vertrauensverlust in die Finanzwirtschaft geführt«, erklärte dazu der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder. »Die Gemüter haben sich beruhigt. Altersvorsorge und Wohneigentum bleiben als Sparmotiv Klassiker. Konsumverzicht ist zumindest derzeit noch kein Thema.«


Allerdings ist nach Angaben des Verbandes der Anteil der Haushalte, die überhaupt sparen, im Vorjahresvergleich um 1,5 Prozentpunkte auf 44,1 Prozent gesunken. Entsprechend ist der Anteil der Nicht-Sparer von 53,4 Prozent auf aktuell 55,1 Prozent gestiegen.


Auf die Frage nach dem künftigen Sparverhalten haben 7,5 Prozent der Befragten angegeben, mehr zu sparen, was deutlich unter dem Vorjahreswert von 8,8 Prozent liegt. Parallel dazu ist allerdings auch der Anteil der Bundesbürger, die künftig weniger sparen wollen, gesunken – und zwar von 16,5 Prozent auf 15,5 Prozent. 68,5 Prozent wollen künftig gleich viel sparen – ein seit Jahren bekanntes Niveau, das ebenfalls keine alarmierende Entwicklung zeigt.


»Die Sparer«, sagt Zehnder, »beginnen sich jedoch auf schwierigere Zeiten einzurichten.« Wer mehr sparen will, nennt hauptsächlich das Motiv »berufliche Veränderungen/Einkommensänderung«. Gegenüber der Sommer-Befragung 2008 ist der aktuelle Wert um 5,7 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent gestiegen. Bei denjenigen, die weniger sparen wollen, stieg der Wert binnen Jahresfrist sogar um 10,7 Prozentpunkte auf 14,7 Prozent. Zehnder: »Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Angst vor Jobverlust oder Einkommenseinbußen wächst.«


Der aus der Untersuchung abgeleitete Sparklima-Index des Verbandes wird als Saldo aus den Prozent-Anteilen derjenigen, die künftig mehr sparen wollen, und derjenigen, die künftig weniger sparen wollen, berechnet.


Nach der Abwärtsentwicklung des Sparklima-Index im Jahr 2008 (von –4,3 auf –8,1) und einem leichten Anstieg im Frühjahr 2009 auf –7,7 ist der Index im Sommer 2009 wieder auf –8,0 gefallen. Geprägt wird diese Entwicklung von einem Rückgang in Westdeutschland, während Ostdeutschland noch einen Anstieg verzeichnen konnte. Trotzdem liegt der Sparklima-Index in Ostdeutschland mit –11,6 immer noch deutlich niedriger als in Westdeutschland mit –7,1.

09-08-11%20Sparmotive1_klein Ausbau und Fassade - Für Altersvorsorge und Wohneigentum wird mehr gespart


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