29. April 2010

Ein Drittel der kleinen Unternehmen will expandieren

Laut einer aktuellen Studie sind europäische Unternehmer wieder zuversichtlich. Fast ein Drittel (30 Prozent) der kleinen Unternehmen sind in diesem Jahr auf Wachstum ausgerichtet. Zwei Drittel (63 Prozent) davon planen, im zweiten Halbjahr zu wachsen. Die zweite »DNA of an Entrepreneur«-Umfrage des Spezialversicherers Hiscox wurde unter knapp 1.000 Inhabern kleiner Unternehmen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden durchgeführt. Die Studie ergab auch, dass drei von fünf (58 Prozent) Befragten optimistisch in Bezug auf das nächste Jahr sind.


Mit dem Ende der Rezession glaubt mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten, dass 2010 ein gutes Jahr ist, um ein kleines Unternehmen zu gründen. Fast ein Fünftel (19 Prozent) identifiziert Lücken auf dem Markt, die durch Unternehmensschließungen verursacht wurden, als zentrale Möglichkeit, vom wirtschaftlichen Abschwung zu profitieren.


Deutsche Unternehmer klagen über mangelnde Unterstützung
Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Unternehmer in Deutschland sind optimistisch in Bezug auf das kommende Jahr. Trotzdem ist mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmen besorgt, dass neu gegründete Unternehmen nicht genug Unterstützung erhalten. Fast drei Viertel (73 Prozent) sind sogar überzeugt, dass staatliche Bürokratie eine Bedrohung für ihre Ambitionen darstellt. Als die wichtigsten Hindernisse für die Unternehmensgründung wurden genannt:

  • nachteiliges Steuersystem (71 Prozent)

  • starre arbeitsrechtliche Regelungen (65 Prozent)

  • Belastung durch Sozialleistungen und Beiträge zur Sozialversicherung (66 Prozent)

  • mangelnde Unterstützung durch die Regierung (54 Prozent)


Mit diesen Zahlen steht Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze: Unternehmer in den anderen befragten Ländern sind jeweils nur etwa zu einem Drittel der Ansicht, dass der Staat Unternehmen nicht ausreichend fördert (28 – 37 Prozent).


Auch bei der Frage, inwieweit das Bildungssystem zukünftige Unternehmertalente fördert, treten deutliche Unterschiede zwischen den europäischen Ländern auf: In Großbritannien sagt ein Drittel (31 Prozent) der befragten Unternehmer, dass Schulen und Universitäten individuelle Ideen und Pläne unterstützt, in Deutschland dagegen nur ein Fünftel (19 Prozent). In den Niederlanden waren es 24 Prozent und in Frankreich 28 Prozent.


Risikofreudigkeit lässt nach
Die Umfrage ergab auch, dass die Rezession die Risikofreudigkeit der Unternehmer verändert hat: nur ein Drittel der Unternehmenslenker (36 Prozent) sagt von sich selbst, dass sie keine Probleme damit haben, Risiken einzugehen. Im Vergleich zur ersten Studie 2008* bedeutet dies einen Rückgang um vier Prozent.


Auch hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den Ländern: Weniger als zehn Prozent (8 Prozent) der Unternehmer in Deutschland nehmen gerne gewisse Risiken in Kauf, im Vergleich zu 38 Prozent in Frankreich und 29 Prozent in den Niederlanden und Großbritannien.


Als am wenigsten risikobereite Unternehmer im europäischen Vergleich gaben mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten in Deutschland an, dass sie ihre Firma am liebsten führen würden, ohne irgendwelche Risiken einzugehen. Nur elf Prozent in Frankreich sowie 15 Prozent in den Niederlanden und Großbritannien sind derselben Meinung.


Robert Dietrich, Vorstandsvorsitzender Hiscox, erläutert: »Kleine und mittelgroße Unternehmen besitzen in Deutschland einen hohen Stellenwert und ihr Optimismus, den diese Umfrage identifiziert, ist insofern auch ein Indikator für die Stimmung in der gesamten Wirtschaft. Gerade in Deutschland zeigt sich jedoch, dass besonders im Bildungsbereich noch große Defizite gesehen werden, die nicht gerade positiv für das Unternehmertum sind.«


* Die Umfrage wurde von The Survey Shop im Auftrag von Hiscox unter 1.150 Geschäftsführern von kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, den Niederlanden, USA, Frankreich und Großbritannien zwischen dem 27. Mai und dem 27. Juni 2008 durchgeführt.