06. Mai 2010

Bauwirtschaft fürchtet Rückschlag im Jahr 2011

Die Bauwirtschaft beurteilt das Jahr 2010 durchweg positiv. Allerdings geht die Bundesvereinigung Bauwirtschaft davon aus, dass es im Bauhauptgewerbe schlechter als in den Bereichen Ausbau und Dienstleistungen laufen wird. Mit Sorge blickt die Bauwirtschaft auf die Entwicklung im Jahr 2011, denn sie als nachgelagerte Branche die Kraft der Rezession dann erst mit voller Wucht zu spüren bekommen. Diese Einschätzungen äußerte Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, anlässlich der Frühjahrs-Pressekonferenz seines Verbandes am 6. Mai in Berlin.


»Die vergleichsweise gute Lage der Bauwirtschaft ist der Tatsache geschuldet, dass in 2009 noch so manches Projekt fertigzustellen war und in 2009 und 2010 die Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen I und II zum Tragen gekommen sind. In 2011 wird es aber beides nicht mehr geben«, begründete Schneider seine Sorge bezüglich der Entwicklung im Jahr 2011. Er beklagte, dass die Streichung des so genannten Zusätzlichkeitskriteriums im Bundestag als Gegengeschäft für die Zustimmung der Länder zum so genannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz dazu führe, dass bereits in diesem Jahr sämtliche Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen beendet werden, ohne dass neue hinzukommen. 2011 würden darüber hinaus die »normalen« kommunalen Investitionsvorhaben drastisch zusammengestrichen. »Wir werden daher im kommenden Jahr einen deutlichen Rückgang der öffentlichen Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Euro erleben«, sagte Schneider. Gleichzeitig wächst die Industrie noch nicht in dem Maße, als dass sie wieder ausreichend in Produktionsstätten und Gebäude investieren wird. Der Wirtschaftsbau wird in der Folge weiter zurückgehen, im besten Fall vor sich hindümpeln.


Daher ruht die Hoffnung der mittelständischen Bauwirtschaft auf dem Wohnungsbau, der zu knapp 90 Prozent und damit deutlich höher als der öffentliche Bau (69 Prozent) und der Wirtschaftsbau (65 Prozent) von den Unternehmen des deutschen Bau- und Ausbauhandwerks realisiert wird.


»Im vergangenen Jahr haben zum ersten Mal die Baugenehmigungen leicht angezogen, so dass wir im Wohnungsneubau zumindest eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu erwarten haben«, sagte Schneider. Allerdings werde die energetische Sanierung des Gebäudebestandes 2011 ins Stocken geraten. Denn bereits für dieses Jahr seien die Haushaltsansätze für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW zu niedrig gewesen. Dafür wurden entsprechende Mittel aus 2011 vorgezogen. »Mit dem Ergebnis, dass wir in 2011, statt der eigentlich erforderlichen 2,2 Milliarden nur 0,8 Milliarden Euro zur Verfügung haben«, kritisierte Schneider die Sparpolitik der Bundesregierung.


Schneider weiter: »Alles in allem bedeutet das, dass 2011 das eigentliche Krisenjahr für die deutsche Bauwirtschaft werden wird.«


Er forderte daher die Bundesregierung auf, bei allen unbestrittenen Sparanstrengungen nicht die Investitionen zu kürzen und auch dafür zu sorgen, dass Städten und Gemeinden weiterhin genügend Mittel für ihre Projekte zur Verfügung stünden. »Der Staat darf bei Investitionen beziehungsweise bei investiven Anreizen gerade nicht sparen, werden doch durch letztere private Investitionen, die um ein Vielfaches höher sind, ausgelöst und damit Steuern in die öffentlichen Kassen zurückgespült.«


Schneider rechnete vor, dass bei einer Investition von 50.000 Euro in die Gebäudesanierung, rund 15.000 Euro Steuern sowie rund 12.000 Euro Sozialversicherungsbeiträge fällig würden. Damit – so Schneider – finanziere sich das Gebäudesanierungsprogramm quasi selbst, da die staatliche Förderung über Zuschüsse einen Multiplikatoreffekt von fünf bewirke.