27. Mai 2010

Bau droht Facharbeiter-Mangel

Nach Ansicht der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) droht den Deutschen Baubetrieben in den kommenden Jahren ein dramatischer Verlust an personellem Know-how. »Die Lücke zwischen Beschäftigten, die in den Ruhestand gehen, und Jugendlichen, die auf dem Bau eine Lehre beginnen, wird immer größer. Die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse liegt jährlich bei rund 11.300, obwohl rund 18.000 neue Facharbeiter Jahr für Jahr benötigt werden. Die Bauwirtschaft tut eindeutig zu wenig, um hier gegenzusteuern«, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Dietmar Schäfers. Während 1995 noch 36 Prozent der Baubetriebe ausgebildet hätten, seien dies im vergangenen Jahr nur noch 21 Prozent gewesen.


Die Betriebe müssten ihre Ausbildungsbereitschaft dringend erhöhen. Zudem werde das Potenzial arbeitsloser Fachkräfte nicht ausreichend für Neueinstellungen genutzt.


»Gleichzeitig muss der Bau durch bessere Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote attraktiver gemacht werden. Bis heute verweigern die Arbeitgeberverbände entsprechende tarifvertragliche Regelungen. Zur Attraktivität der Baubranche gehören aber auch gute Arbeitsbedingungen und tariftreue Löhne«, so Dietmar Schäfers. Gut ausgebildete Fachkräfte seien die wichtigste Ressource für den Bau in der Zukunft. Schäfers forderte die Bauwirtschaft auf, das gemeinsam mit der IG BAU erarbeitete, zukunftsfähige »Leitbild Bau« in die Praxis umzusetzen.


Mit Nachdruck warnte der stellvertretende IG-BAU-Bundesvorsitzende Arbeitgeber davor, unter dem Vorwand eines angeblichen Arbeitskräftemangels in Deutschland auf »Billig-Arbeitnehmer« aus dem Ausland zu setzen. Schäfers: »Das wird zum Bumerang. Wer so denkt, legt die Axt an eine leistungsfähige und innovative deutsche Bauwirtschaft. Dann werden ausländische Firmen mehr und mehr die Aufträge bei uns abarbeiten«. Mit halbherzigen Billiglösungen und Klageliedern könne die Zukunftsfähigkeit der deutschen Bauwirtschaft nicht gesichert werden.