14. Juni 2010

CO2-Gebäudesanierung: Aufstocken statt kürzen

Offensichtlich plant die Bundesregierung, die Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm zu halbieren. Demnach stünden im kommenden Jahr nur noch 400 Millionen Euro zur Verfügung. »Bei Investitionen anzusetzen, ist jedoch der völlig falsche Ansatz, insbesondere dann, wenn durch Investitionszuschüsse beziehungsweise Zinserleichterungen private Investitionen ausgelöst werden, die die staatliche Förderung um ein Vielfaches übertreffen«, kritisiert Prof. Dr. Karl Robl, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Nachdem der Haushalt 2011 ohnehin nur noch die Hälfte der ursprünglichen Summe für die energetische Gebäudesanierung vorgesehen hatte, sei das ein weiterer, schwerer Schlag gegen den Klimaschutz.


Die Kürzung der energetischen Gebäudesanierung wie auch die geplanten Abstriche bei der Städtebauförderung treffen laut Bundesvereinigung Bauwirtschaft insbesondere diejenigen Unternehmen mit ihren Beschäftigen, die im Hochbau tätig sind.


»Wir appellieren an den Bauminister, alles dafür zu tun, nicht in die investiven Ansätze seines Haushaltplanes einzugreifen. Die Bauwirtschaft hat die Wirtschafts- und Finanzkrise aufgrund der Konjunkturprogramme verhältnismäßig gut verkraftet. Es kann nicht sein, dass man die rund drei Millionen Beschäftigten nun im Nachhinein dafür bestraft«, sagte Robl.


Kritik der Gewerkschaft

»Wer die CO2-Gebäudesanierung um mehr als zwei Drittel kappt, der leistet den umweltpolitischen Offenbarungseid. Gleichzeitig ist dies ein Bugschuss für die Beschäftigung im Handwerk und für den Mittelstand insgesamt«, sagt Klaus Wiesehügel. Der Bundesvorsitzende der Umwelt-Gewerkschaft IG BAU forderte die Bundesregierung auf, diesen Sparplan unverzüglich auf Eis zu legen.


Aufstocken statt kürzen

Zu den Plänen der Bundesregierung, die Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm um 50 Prozent zu kürzen, sagt Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena): »Statt zu kürzen sollte die Bundesregierung die Förderung für Gebäudesanierungen aufstocken. Die Internationale Energieagentur hat gerade erst vor einem sprunghaften Anstieg des Ölpreises gewarnt, falls die Offshoreförderung eingestellt werden sollte. Die Menschen müssen vor hohen Energiepreisen geschützt werden. Der beste Schutz sind Investitionen in Energieeffizienz. Jeder Euro, der in bessere Heizungen, Dämmung und Fenster fließt, zahlt sich volkswirtschaftlich mehrfach aus – nicht nur durch weniger Energiekosten, sondern auch durch mehr Steuereinnahmen und Sozialbeiträge. Für die zum Erreichen der Klimaschutzziele nötige Sanierungsrate braucht es rund fünf Milliarden Euro pro Jahr, nicht bloß 400 Millionen wie jetzt geplant.«


Gebäude seien der Schlüssel für den Klimaschutz. 40 Prozent der gesamten Endenergie in Deutschland werden für Heizen und Warmwasser verbraucht. In den nächsten 20 Jahren müssten 50 Prozent des Gebäudebestands ohnehin saniert werden. Kohler: »Diese Sanierungswelle ist entscheidend. Wenn wir hier nicht die energieeffiziente Technik einsetzen, die uns zur Verfügung steht, dann kann Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen. Wer wie Deutschland bei Energieeffizienz eine marktführende Rolle innehat, muss auch beim Klimaschutz eine internationale Führungsrolle übernehmen.«


Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung Deutschlands Treibhausgasemissionen bis im Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Bis 2050 sollen die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent senken, um die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen.