23. Juni 2010

Baugewerbe: Umsatz 2010 stabil, dann Einbruch

Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, zog anlässlich der ZDB-Sommerpressekonferenz am 23. Juni in Berlin ein durchwachsenes Fazit der von seinem Verband prognostizierten Entwicklung am Bau: »Insgesamt wird der Umsatz im Bauhauptgewerbe in 2011 auf 80 Milliarden Euro und damit um 2 Prozent zurückgehen. Für 2010 erwarten wir nach wie vor einen Umsatz von 81,6 Milliarden Euro sowie etwas weniger als 700.000 Beschäftigte. Bewahrheitet sich die prognostizierte Umsatzentwicklung für 2011, so muss mit einem weiteren Rückgang von einem Prozent der Arbeitsplätze gerechnet werden. Dies könnte einen Abbau von rund 7.000 Arbeitsplätzen auf dann nur noch 690.000 bedeuten.«


Bei den einzelnen Bausparten zeigt sich ein höchst unterschiedliches Bild: Während der Wohnungsbau sowohl in diesem (mit +0,5 Prozent) wie auch im kommenden Jahr mit +2 Prozent eine leichte Tendenz nach oben zeigt, wird der Wirtschaftsbau in diesem Jahr mit –8,3 Prozent noch einmal deutlich verlieren und 2011 auf diesem Niveau verharren. Im öffentlichen Bau verläuft die Entwicklung genau umgekehrt: Aufgrund der Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen wird der Umsatz in 2010 mit 6,8 Prozent noch einmal deutlich anziehen und 2011 dann mit minus 7,4 Prozent wieder auf sein annähernd ursprüngliches Niveau zurückzukehren.


Trotz der leicht positiven Tendenz im Wohnungsbau geht von diesem ein deutliches Risiko für die weitere Entwicklung am Bau aus. Zwar nährt die Entwicklung der Baugenehmigungen die Hoffnung auf leichte Besserung – bereits in 2009 konnte auf Basis der Baukosten ein Zuwachs von 6 Prozent für neue Wohngebäude verzeichnet werden – aber bereits im April hat sich dieser Trend wieder abgeschwächt.


»Um diesem positiven Trend Nachhaltigkeit zu verleihen, müssen die Rahmenbedingen für den Wohnungsbau dringend verbessert werden – trotz aller Sparzwänge. Hierzu gehören in erster Linie die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung, eine Verstetigung der CO2-Gebäudesanierungsprogramme auf höherem Niveau wie auch eine Förderung von Maßnahmen zum Bestandsersatz. Um der energetischen Sanierung einen wesentlich stärkeren Impuls zu geben, hatten wir die Einführung einer Klimaschutzabschreibung analog der Denkmalschutzabschreibung gefordert. Diese ist unverändert notwendig«, sagte der ZDB-Präsident.


Denn all diese Maßnahmen setzen investive Anreize und aktivieren privates Kapital in erheblichem Umfang für Investitionen in den Wohnungsbau, die die lahmende Binnenkonjunktur stärken und sich, das haben Studien ergeben, auch für den Staat rechnen.


Loewenstein kritisierte vor allem die »Rotstiftpolitik der Bundesregierung«, nämlich die Förderung der energetischen Gebäudesanierung wie auch die Städtebauförderung zu halbieren, der öffentliche und private Investitionen in Höhe von knapp 5 Milliarden Euro zum Opfer fallen werden.


Neben den vorhandenen konjunkturellen Risiken belasten Finanzierungsrisiken weiterhin die betriebswirtschaftliche Entwicklung der Bauunternehmen. Zwar lässt sich die Frage, ob Unternehmen grundsätzlich ein Problem haben, überhaupt Kredite zu bekommen, ganz überwiegend verneinen, dennoch hat sich die Kreditversorgung der Bauunternehmen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.


Waren es im Vorjahr rund 36 Prozent der befragten Unternehmen, die eine schwierigere Situation wahrgenommen haben, sind es in diesem Jahr knapp 40 Prozent. Der überwiegende Teil der Bauunternehmen nämlich 57 Prozent gab jedoch eine unveränderte Situation an.


Von den verschlechterten Möglichkeiten der Kreditaufnahme sind kleine Unternehmen besonders betroffen. Während gut 48 Prozent der Bauunternehmen mit bis zu 1 Millionen Euro Jahresumsatz eine schwierigere Situation wahrnehmen, sind es bei Unternehmen mit einem Umsatz von 10 bis 50 Millionen Euro lediglich 23 Prozent. Aber auch 45 Prozent der großen Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 50 Millionen Euro, nehmen eine verschlechterte Finanzierungssituation wahr. »Dennoch können wir für die Bauwirtschaft insgesamt nicht von einer Kreditklemme sprechen.« So das Fazit Loewensteins zu der aktuellen KfW-Unternehmerbefragung.


Die weitere Entwicklung der Bauwirtschaft wird vor allem auch durch die Kürzungen und Einschnitte in die Investitionshaushalte der öffentlichen Hand, vor allem der Städte und Gemeinden, belastet. Laut einer aktuellen Difu-Studie besteht in deutschen Städten und Gemeinden ein Investitionsrückstand von rund 84 Milliarden Euro. Die Kommunen hoffen, in diesem Jahr – auch mit den Mitteln aus den Konjunkturpaketen – rund 27 Prozent des Rückstands abtragen zu können. D.h. im Umkehrschluss, dass der kommunale Investitionsstau dann immer noch bei 61 Milliarden Euro liegt.


»Würde die öffentliche Hand tatsächlich beginnen, diesen Investitionsstau abzubauen, wäre uns um die konjunkturelle Zukunft der Bauwirtschaft nicht bange. So aber stehen wir mit Blick auf 2011 vor einem weiteren Krisenjahr«, befand der ZDB-Präsident abschließend.