28. Juni 2010

Bauindustrie: Umsatz bleibt hinter Erwartungen zurück

Umsätze und Auftragseingänge im Öffentlichen Bau bleiben trotz der beiden Konjunkturprogramme hinter den Erwartungen zurück. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in der neuesten Ausgabe seines Aktuellen Zahlenbildes mitteilt, ist die öffentliche Baunachfrage im April 2010 um nominal 6,1 Prozent zurückgegangen (Januar bis April 2010: +3,4 Prozent). Zwar lagen die Umsätze im Öffentlichen Bau in April um nominal 2,1 Prozent über dem Vorjahresniveau, das Umsatzplus fiel jedoch enttäuschend aus, zumal mit dem Abbau des witterungsbedingten Produktionsstaus aus dem harten Winterquartal gerechnet werden konnte. Für den Hauptverband ist dies ein Indiz dafür, dass viele Städte und Gemeinden mit Blick auf die angespannte kommunale Finanzsituation und die Streichung des »Zusätzlichkeitskriteriums« aus dem Zukunftsinvestitionsgesetz ihre Investitionspläne für 2010 noch einmal überdacht haben.


Trotz der schwachen öffentlichen Baunachfrage ist jedoch den Unternehmen des Bauhauptgewerbes ein neuerlicher Einbruch der Baunachfrage erspart geblieben: Dank der Nachfrageimpulse aus dem Wirtschaftsbau und dem Wohnungsbau lagen die Auftragseingänge im gesamten Bauhauptgewerbe im April doch noch um nominal 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau (Januar bis April 2010: +6,7 Prozent). Weniger erfreulich ist dagegen, dass der erhoffte »Baufrühling« in den Umsätzen noch nicht angekommen ist: Trotz der aufgestauten Produktion aus dem Winterquartal sind die Umsätze im April noch einmal um nominal 2,8 Prozent zurückgegangen (Januar bis April 2010: –12,5 Prozent).


Der Wirtschaftsbau profitierte weiter vom Stimmungsumschwung in der gewerblichen Wirtschaft: Im April lagen die Auftragseingänge um nominal 5,8 Prozent über dem Vorjahresniveau, in den ersten vier Monaten sogar um 9,1 Prozent. Für die nähere Zukunft bleibt der Hauptverband jedoch weiterhin skeptisch, vor allem weil das Volumen der Baugenehmigungen im Wirtschaftsbau nach wie vor deutlich zurückgeht. Auf die Umsätze hatte jedoch die positive Auftragsentwicklung noch keine Auswirkungen: Die im Gewerblichen Bau tätigen Unternehmen mussten im April noch einmal ein Umsatzminus von nominal 11,3 Prozent verkraften (Januar bis April 2010: –19,9 Prozent).


Dagegen scheint sich der Wohnungsbau langsam, aber sicher von der Talsohle zu lösen: Im April konnten die Unternehmen ein Auftragsplus von nominal 7,6 Prozent verbuchen, für die ersten vier Monate von 9,8 Prozent. Erstmals schlug sich dieser Erholungsprozess auch in steigenden Umsätzen nieder: Immerhin überstiegen die Wohnungsbauumsätze im April das Vorjahresniveau um nominal 3,1 Prozent (Januar bis April 2010: –7,4 Prozent). Der Hauptverband sieht sich deshalb in seiner Auffassung bestätigt, dass nach der geplatzten Immobilienblase in Spanien und bei den anhaltenden Problemen im Segment Gewerbeimmobilien viele Investoren den Wohnungsbau als Investitionsfeld mit niedrigen, aber relativ sicheren Renditen wiederentdeckt haben.