29. Juni 2010

Liell bleibt an der Spitze der Kalkindustrie

Michael Liell, Geschäftsführung Rheinkalk (Wülfrath), bleibt Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie (BVK). Er wurde bei der Jahrestagung am 18. Juni in Hamburg ebenso einstimmig bestätigt wie sein Stellvertreter Moritz Iseke, geschäftsführender Gesellschafter der Kalkwerke Oetelshofen (Wuppertal). Nach dem Krisenjahr 2009 bessert zeigt sich die wirtschaftliche Lage der Kalkindustrie im laufenden Jahr deutlich verbessert. Ihr altes Niveau kann sie aber noch nicht erreichen.


»Gerade in diesen politisch und wirtschaftlich besonders herausfordernden Zeiten ist es für die Kalkindustrie von entscheidender Bedeutung, durch einen starken Verband in Berlin und Brüssel vertreten zu sein, um die industriepolitischen Notwendigkeiten für den Standort Deutschland und die Kalkindustrie darstellen zu können«, so der wiedergewählte Vorsitzende Liell. »Als Vertreter eines weltweit operierenden Kalkproduzenten weiß ich sehr genau, dass wir die Standortbedingungen in Deutschland nicht weiter verschlechtern dürfen, wollen wir auch weiterhin Industriebetriebe in Deutschland haben«, so Liell weiter.


Der Vorsitzende stellte auch die aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor.


Bei den ungebrannten Produkten setzte sich die im Herbst 2008 begonnene Talfahrt in 2009 fort. Bereits 2008 hatte die Kalkindustrie einen Rückgang um 6 Prozent zu verkraften. Mit einem Gesamtabsatz von zirka 19 Millionen Tonnen ist er noch einmal um 11 Prozent niedriger als im Jahr 2008.


Fast die Hälfte dieses Absatzes ging in das Baugewerbe, insbesondere in den Bereich Straßen- und Wegebau. Der Absatzrückgang für dieses Segment war mit weniger als 10 Prozent geringer als in den anderen Bereichen. Wie sich aber gerade der Straßen- und Wegebau nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme und den desolaten Haushalten der Länder und Kommunen entwickelt, bleibt abzuwarten.


Auch wenn die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen gesteigert werden konnten, wurde das negative Gesamtergebnis durch den Einbruch im Industriesektor – und speziell in der Eisen- und Stahlindustrie – verursacht. Hier wurden mehr als 28 Prozent weniger Kalksteinprodukte verkauft als noch im Jahr 2008.


Beim Absatz von Düngekalken in der Land- und Forstwirtschaft liegt das Ergebnis mit 1,3 Millionen Tonnen um 14,1 Prozent unter den Zahlen von 2008.


Noch dramatischer ist das Ergebnis 2009 bei den gebrannten Produkten. Bereits 2008 wurden mit 2,4 Millionen Tonnen 3 Prozent weniger Branntkalk in die Eisen- und Stahlindustrie geliefert. 2009 konnten nur noch weniger als 1,8 Millionen Tonnen geliefert werden. Dies ist ein Absatzrückgang von fast 27 Prozent. Im gesamten Bereich Industrie sank die Menge auf 2,4 Millionen Tonnen, was einen Rückgang von 27,8 Prozent bedeutet. Jede vierte Tonne ist damit weggebrochen.


Die Verwendungen im Umweltschutzbereich haben sich unterschiedlich entwickelt. Bei der Wasserbehandlung gab es ein Minus von 9,7 Prozent auf 451 Tt. Bei der Luftreinhaltung gab es dagegen ein leichtes Plus auf 857 Tt. Insgesamt hat sich dieser Bereich mit –1,2 Prozent moderat entwickelt.


Noch im vergangenen Juni ist die Kalkindustrie davon ausgegangen, dass sie nicht nur kurzfristig mit einem deutlich niedrigeren Absatzniveau rechnen müsse. Die ersten vier Monate des Jahres 2010 zeigen, dass die Achterbahnfahrt weitergeht.


Bei den gebrannten Produkten konnte die Kalkindustrie – trotz des langen Winters – von Januar bis April insgesamt 2,03 Millionen Tonnen absetzen. Dies ist ein Zuwachs von 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Absatz an die Industrie ist von 0,715 Millionen Tonnen auf 1,04 Millionen Tonnen angestiegen. In beiden Bereichen hat die Kalkindustrie von der Konjunktur bei ihren wichtigen Abnehmern, der Eisen- und Stahl- sowie der Chemieindustrie profitiert. Auch der Umweltschutzsektor konnte mit 0,45 Millionen Tonnen einen Zuwachs verzeichnen. Weiter abwärts ging es dagegen in den Bereichen Baustoffindustrie und Baugewerbe.


Die deutsche Kalkindustrie schaut positiv in die nahe Zukunft. Die Kalkindustrie forderte die Bundesregierung aber sehr deutlich auf, – auch im Rahmen des Sparkonzeptes – die energieintensive Industrie nicht weiter zu belasten und den begonnenen Aufschwung abzuwürgen. Es geht bei der Kalkindustrie nicht um Subventionsabbau oder um Mitnahmeeffekte sondern schlicht und einfach um die Verhinderung weiterer wettbewerbsschädigender Belastungen.


Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Martin Ogilvie legte der Mitgliederversammlung den Geschäftsbericht 2009/2010 vor und erläuterte die wichtigsten Themenbereiche. Aktuelle Kernbereiche der Verbandstätigkeit sind die Ausgestaltung des Emissionshandels nach 2012, die fristgerechte Umsetzung der REACH-Vorgaben in der Kalkindustrie und das neue Energiekonzept der Bundesregierung. »Als energieintensive Industrie begrüßen wir das Vorhaben der Bundesregierung, eine ideologiefreie Energiepolitik gestalten zu wollen, und werden uns an der Ausgestaltung aktiv beteiligen«, so Ogilvie. »Wir brauchen eine Energie- und Rohstoffpolitik, die sich auch an den industriepolitischen Notwendigkeiten des Standortes Deutschland ausrichtet.«