20. Juli 2010

Die ersten Bauberater sind zertifiziert

40 Stuckateurmeister, Architekten und Heilpraktiker sind jetzt zertifizierte Bauberater kdR. Sie sind die ersten Absolventen der Weiterbildungsmaßnahme des bundesweit aktiven Kompetenzzentrums für Ausbau und Fassade (Komzet) in Rutesheim und erhielten nach Bestandener Prüfung am16. Juli 2010 in Mannheim das Zertifikat.
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Über 40 Architekten, Heilpraktiker und Handwerksmeister wurden vom Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade als Bauberater kdR zertifiziert. (Foto: Dolt)

 Lösemittel, Fasern und Stäube am Arbeitsplatz; Ozon und Fluorkohlenwasserstoffe in der Umwelt; Formaldehyd, Schimmelpilze, Elektrosmog und flüchtige organische Verbindungen (VOC) in der Wohnung – Schadstoffe, die unser Wohlbefinden negativ beeinflussen, gibt es viele. Kannte man früher nur rund 50 verschiedene Stoffarten im Bauwesen, so haben wir es heutzutage mit über 50 Millionen(!) Stoffen in allen Bereichen unserer Umwelt und im Bauwesen zu tun. Allein in den letzten zehn Jahren sind 26 Millionen neue hinzugekommen: Farben, Bodenbeläge, Kunststoffe...

Doch auch natürliche Baustoffe setzten Schadstoffe frei. So können beispielsweise flüchtige organische Verbindungen (VOC) speziell in Massivholzhäusern die Raumluft belasten. Terpene und Formaldehyd, die als Stoffwechselprodukt des Baumes in natürlicher Form und geringer Konzentration in allen Holzbauteilen vorkommen, treten dort teilweise in gesundheitsbeeinträchtigend hohem Maße auf. Verändertes Lüftungsverhalten in Verbindung mit luftdichter Bauweise trägt ihr Übriges dazu bei.

Das bundesweit aktive Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade (Komzet) weiß um diese Problematik. Er befasst sich schon seit langem mit dem Thema Wohngesundheit und bietet zu diesem Thema zahlreiche Seminare und Workshops an. Zielgruppe sind Handwerksmeister aber auch Architekten, Planer, Baubiologen, Heilpraktiker u.a.

Einer der Kurse qualifiziert die Teilnehmer zum Bauberater kdR (kdR = kontrollierte deklarierte Rohstoffe). Die Ausbildung erfolgt in drei Schritten: Die Auftaktveranstaltung informiert über Bauschäden und wie man Gesundheitsrisiken erkennt, bewertet und minimiert. Im zweiten Seminar wird Grundlagenwissen vermittelt über die Entstehung, Auswirkung, Sanierung und Vermeidung verschiedener Stressoren durch chemische Risikostoffe, Feuchte- und Schimmelschäden oder Strom und Strahlung in Gebäuden. Die Teilnehmer lernen Zusammenhänge zwischen Innenraumbelastungen als Symptomauslöser und den damit verbundenen Erkrankungen kennen. Im dritten und letzten Teil wird dieses Wissen vertieft und Kenntnisse über Anamnese, Diagnose und Baukoordination vermittelt.

In Mannheim wurden nun die ersten Absolventen der Weiterbildungsmaßnahme vom Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade (Komzet) offiziell zertifiziert. Damit sind sie ausgewiesene Experten wenn es darum geht, Gesundheitsrisiken zu erkennen, zu bewerten und zu minimieren. Als Bauberater kdR sind sie zudem Mitglied eines bundesweiten Beratungsnetzwerkes rund um das Thema Umwelt- und gesundheitsverträgliches Bauen.

Da die meisten der frischgebackenen Bauberater einen eigenen Betrieb besitzen, können sie ihr neu erworbenes Wissen auch gleich in die Praxis umsetzen. So auch Stuckateurmeister Klaus-Dieter Fromm aus Plochingen dem vor allem die VOC-Thematik ein Anliegen ist. „Wir, als Stuckateure, waren schon immer die Spezialisten für die Verarbeitung natürlicher, mineralischer Baustoffe. In der Qualifizierung zum Bauberater kdR haben wir jetzt zusätzliche, wissenschaftlich fundierte Informationen über deren baubiologisch positiven Eigenschaften erhalten. Beispielsweise haben Untersuchungen gezeigt, dass Kalkputze in der Lage sind, Schadstoffe im Innenraum zu binden und abzubauen. Damit können wir die VOC-Problematik bei Massivholzhäusern in den Griff bekommen.“