03. August 2010

Farbkonzepte fürs Welterbe Oberes Mittelrheintal

10-08-03%200802_ArbeitskreisFarbe_WOM Ausbau und Fassade - Farbkonzepte fürs Welterbe Oberes Mittelrheintal
Der Arbeitskreis Farbe (v.l.): Architekt Professor Meerwein, Andrea Mathy (SGD Nord), Ursula Knabe (SGD Nord), Bianca Klein (Ministerium der Finanzen), Dagmar Meinen (Hessisches Wirtschaftsministerium), Dr. Markus Fritz von Preuschen (Generaldirektion kulturelles Erbe, Direktion Landesdenkmalpflege), Peter Neri (DAW Stiftung & Co. KG der Firma Caparol), Sigrid Wirz-Ries (SGD Nord), Jürgen Geifes (Obermeister der Innung Farbe Mittelrhein-Mosel-Eifel). Nicht auf dem Foto: Nadja König-Lehrmann vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal. (Foto: SGD Nord)
Farbig, nicht bunt soll es sein – das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Das hat sich der Arbeitskreis Farbe für das Welterbe als Leitsatz auf die Fahnen geschrieben. Die Innung Farbe Mittelrhein-Mosel-Eifel, die DAW Stiftung & Co. KG der Firma Caparol, das rheinlandpfälzische Ministerium der Finanzen, das hessische Wirtschaftsministerium, die Landesdenkmalpflege, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) sowie der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal wollen gemeinsam Leitlinien für die Farbgestaltung entwickeln. »Das Welterbe braucht Farbkultur. Daher müssen wir sensible Konzepte für individuelle bauliche Lösungen entwickeln aber auch den Blick für das Ganze schärfen«, so die Akteure des Arbeitskreises.


Die Identität des Welterbes wird auch durch Farbe entscheidend geprägt, daher sind Farbe und Bauen untrennbar miteinander verbunden. Farbe kann vieles bewirken. So kann falsche Farbgebung nicht nur ein Gebäude seines Charakters berauben, sondern auch die Harmonie innerhalb der Straßenzüge und Plätze beeinträchtigen, sogar das gesamte Ortsbild empfindlich stören.


Wer mit offenen Augen das Obere Mittelrheintal bereist, wird schnell erkennen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Viele Häuser im Welterbe sind »farblos« – andere schreiend bunt. Weder das eine noch das andere ist dem Welterbe zuträglich, deswegen ist es wichtig, stimmige Farbkonzepte für den Kulturraum Welterbe zu entwickeln. »Make-up« fürs Haus ist hier angesagt.


Der Leitsatz: »Gelungene Architektur bezieht immer den Ort mit ein« gilt in gleichem Maße für die Farbgestaltung eines Hauses. Die Baugeschichte zeigt hier deutliche Wege auf. Die Vielzahl der Kulturdenkmäler im Welterbe Oberes Mittelrheintal muss Orientierung geben. Wichtig ist, den historischen Kontext nicht aus den Augen zu verlieren. Die Farbanalysen der historischen Gebäude aus den verschiedenen Epochen sind sozusagen das Fundament für den Farbleitplan. Fein abgestimmte Farben zu finden, die sich dazu harmonisch ergänzen, das ist die Aufgabe des Arbeitskreises.


Daneben gibt es aber noch viele andere Dinge zu beachten. Geben die gewählten Farben dem Welterbe ein freundliches Erscheinungsbild? Welches Image, welche Atmosphäre des Welterbes soll durch die Farbgebung gefördert werden? Lässt das Farbkonzept genügend Raum für die individuellen Vorstellungen der Bauherren? Sollen Modeerscheinungen bedient werden? »Wir dürfen nicht alles zulassen, was die Farbpaletten hergeben. Wir wollen aber auch keine Langeweile. Wir müssen Farben für das Welterbe finden, die kurzlebige Modetrends überdauern. Farbharmonie ist hier das Stichwort. Für die Farbe gilt das, was für die Architektur gilt – manchmal ist weniger einfach mehr.«


Der Arbeitskreis will Berater sein für Bauherren, Handwerker, Architekten und Stadtplaner. Wir möchten Orientierung geben und hilfreich zur Seite stehen. Eines muss allen klar sein: Im Welterbe geht vieles – aber eben nicht alles! Wir stehen mit in der Verantwortung.


Der Arbeitskreis hat sich viel vorgenommen, wenn es darum geht, dieses sensible Thema »an die Frau und den Mann zu bringen«. Zu Beginn des nächsten Jahres soll der »Leitfaden Farbkultur« mit der Farbkarte der »Welterbefarben« als Ergänzung zu dem im Jahr 2009 veröffentlichten »Leitfaden Baukultur« erscheinen. Veranstaltungen, die die Bürger in das Thema einführen, werden folgen. Es wird einen »Wettbewerb Farbe« geben, bei dem Malerfachbetriebe und Bauherren, die die farbliche Gestaltung eines Gebäudes vorbildlich umgesetzt haben, prämiert werden. Auch ist beabsichtigt, das Projekt als Lerninhalt in die Schulen zu tragen.


Zunächst gilt aber das, was der Arbeitskreis sich selbst als Motto mit auf den Weg gegeben hat: »Farbgebung kann richtig oder falsch sein – und wir wollen das beweisen«.


Die Initiative Baukultur, die dieses Projekt gemeinsam mit der Innung Farbe Mittelrhein-Mosel-Eifel und der DAW Stiftung & Co. KG der Firma Caparol initiiert hat, wurde im Jahr 2006 ins Leben gerufen und fördert die Baukultur im Welterbe Oberes Mittelrheintal auf vielfältige Weise. Mitglieder der Initiative sind das Ministerium der Finanzen, die Generaldirektion Kulturelles Erbe, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal und die Architektenkammer Rheinland-Pfalz.