13. August 2010

Europäischer Wohnungsbau erholt sich nur langsam

Der europäische Wohnungsbau musste in den vergangenen zwei Jahren kräftige Einbußen hinnehmen. In diesem Jahr dürfte dieser Baubereich ebenfalls schrumpfen, wenn auch nur um rund 3 Prozent. Damit dürfte aber die Talsohle erreicht sein. Für 2011 und 2012 erwarten die 19 Euroconstruct-Institute, darunter auch das ifo Institut, einen Erholungsprozess – mit Wachstumsraten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Prozent.


Das Wohnungsbauvolumen wird sich in den drei Jahren 2008 bis 2010 um insgesamt 22 Prozent auf nur noch knapp 550 Milliarden Euro (in Preisen von 2009) verringert haben. Bei den Neubauleistungen begann die Abwärtsbewegung sogar ein Jahr früher. Flossen 2006 noch nahezu 360 Milliarden Euro in neue Wohngebäude, dürften es 2010 nur noch rund 207 Milliarden Euro sein (jeweils in Preisen von 2009).


»Insgesamt geht der Neubau von Wohnungen in Europa in den Jahren 2007 bis 2010 um mehr als 42 Prozent zurück«, erklärt Erich Gluch, Bauexperte am ifo Institut. »Allerdings verläuft die Entwicklung in den west- und osteuropäischen Ländern unterschiedlich: In Westeuropa wird sich der Wohnungsneubau in der Summe der vier Jahre um fast 44 Prozent verringern, die vier osteuropäischen Länder dürften in diesem Zeitraum voraussichtlich sogar einen Anstieg von knapp 12 Prozent verzeichnen.«


Das westeuropäische Neubauvolumen dürfte 2010 nicht einmal mehr 200 Milliarden Euro (in Preisen von 2009) erreichen. Die Experten erwarten jedoch bereits 2012 rund 10 Prozent höhere Bauleistungen in diesem Teilsegment als im Jahr 2010. Die Bestandsmaßnahmen wurden hingegen von der Krise deutlich weniger betroffen. Aufgrund des überaus schwachen Neubaus steigt ihr Anteil in Westeuropa sogar bis auf 63 Prozent in diesem Jahr. In den vier osteuropäischen Ländern, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn, spielen die Bestandsmaßnahmen eine sichtlich geringere Rolle als im Westen. Ihr Anteil liegt seit 2000 nahezu konstant bei gut 30 Prozent .


Die Wohnungsfertigstellungen werden jedoch mit der Entwicklung des Wohnungsneubaus in den nächsten zwei Jahren nicht mithalten können. Die voraussichtlich knapp 1,5 Millionen Wohnungen, die 2012 fertig gestellt werden dürften, liegen nämlich nur geringfügig über dem Ergebnis dieses Jahres (etwa 1,46 Millionen Einheiten). Wesentliche Beiträge dürften dabei vor allem von Deutschland und Spanien kommen. Gegenüber 2008 wird für die deutsche Neubautätigkeit 2012 der größte Zuwachs erwartet. Die Fertigstellungen sollten hier um rund 20 Prozent zulegen.


»Auch wenn die Genehmigungszahlen mittlerweile anscheinend die Talsohle verlassen haben und die im ifo Konjunkturtest befragten Wohnungsbaufirmen von einer erheblich verbesserten Geschäftslage berichten«, erläutert Erich Gluch, »kann bislang noch nicht von einer echten Belebung gesprochen werden.« Auch 2012 dürfte die Fertigstellungszahl für Deutschland die Marke von 200.000 Wohnungen noch merklich unterschreiten.