09. September 2010

Handwerk: Noch viele Lehrstellen offen

Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) geht davon aus, dass in diesem Jahr erneut rund 22.000 junge Menschen in eine Handwerkskarriere starten. Bis Ende August wurden 16.253 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Dies entspricht einem Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zahlreiche Lehrstellen sind aktuell noch nicht vergeben.


Deutliche Zuwächse meldeten vor allem die industrienahen Handwerksbereiche. »Hier zeigt die anziehende Konjunktur am deutlichsten Wirkung«, erklärte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle. Speziell Metallbetriebe (Metallbauer, Feinwerkmechaniker) bilden im Vergleich zum Vorjahr oder auch zum Frühjahr 2010 deutlich mehr aus. Offene Lehrstellen finden sich derzeit noch in fast allen Handwerksbranchen, sogar in denjenigen Berufen, die regelmäßig an der Spitze der Beliebtheitsskala stehen: im Kfz-Handwerk und bei den Friseuren. Aber auch bei den Sanitär-Heizung-Klima-Handwerken oder bei den Nahrungsmittelhandwerken stehen Bewerbern noch viele Türen offen.


Möhrle befürchtet, dass etwa jeder vierte Ausbildungsplatz nicht besetzt werden kann. Sorge bereite die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger. Gründe seien aber auch der demografisch bedingte Rückgang der Zahl der Hauptschulabgänger und das zu Unrecht schlechte Image einzelner Handwerksberufe.


Die Betriebe reagieren auf diese Situation und versuchen, ihren Nachwuchs frühzeitig zu sichern: Schon jetzt sind Ausbildungsstellen für das Jahr 2011 ausgeschrieben. Das Handwerk baut dabei nicht nur auf ein verbessertes Ausbildungsmarketing und feilt mit einer bundesweiten Kampagne am eigenen Image, sondern will jeden Jugendlichen bestmöglich fördern. Möhrle: »Das können auch mal persönliche Nachhilfestunden für leistungsschwächere Schulabgänger sein.«


Genauso brauche das Handwerk aber auch die leistungsstarken Jugendlichen, für die es im Handwerk von Führungspositionen über die Selbstständigkeit bis zum Studium viele Karrieremöglichkeiten gebe. Damit die duale Bildung für alle Jugendlichen attraktiv sei, müsse die Gleichwertigkeit der akademischen und der beruflichen Bildung weiter gestärkt werden. Gleiches gelte für die Durchlässigkeit innerhalb der Bildungssysteme. Ein wichtiger Ansatz liege in der Berufsorientierung, sagte Möhrle. Es müsse besser gelingen, die Brücke zwischen schulischen Inhalten und betrieblichen Anforderungen zu bauen. Die Handwerksorganisationen und Betriebe stünden als engagierter Partner bereit. Dies bedürfe aber auch der politischen Unterstützung und einer festen Verankerung der Berufsorientierung im Lehrplan.


Über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern gibt es auch jetzt noch freie Ausbildungsplätze. In manchen Regionen findet inzwischen schon ein Viertel der Interessenten einen Ausbildungsplatz über die Lehrstellenbörsen.


Die 130.000 Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg beschäftigen 730.000 Mitarbeiter, bilden 58.500 junge Menschen aus und erwirtschaften einen Umsatz von 64 Milliarden Euro.


Zu den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern in Baden-Württemberg:
www.handwerkspower.de