06. Oktober 2010

1. Europäisches Forum zu Wärmedämm-Verbundsystemen

Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) stehen in der europäischen Bauwirtschaft für höhere Energieeffizienz, mehr Klimaschutz und ökonomisches Wachstum. Dieses Fazit zogen die mehr als 250 Teilnehmer des »1st International ETICS Forum« des Europäischen Verbandes für Wärmedämm-Verbundsysteme (EAE) am 29. September in Brüssel. Die Teilnehmer aus allen Mitgliedsländern erlebten interessante Vorträge und Statements zu den politischen Rahmenbedingungen in Europa, zur Regulierungssituation, zu Innovationen und Technik sowie zu den unterschiedlichen Situationen in den Märkten der Mitgliedsländer.


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Über 250 Teilnehmer aus allen Mitgliedsländern besuchten das »1st International ETICS Forum« des Europäischen Verbandes für Wärmedämm-Verbundsysteme (EAE) in Brüssel. (Foto: EAE)

Bevor es in die einzelnen Schwerpunktbereiche ging, stellte EAE-Vize-Präsident Dr. Clemens von Trott den Verband in seiner derzeitigen Organisationsstruktur vor. Michaela Holl (EU-Kommission) und Richard Seeber als Vertreter des EU-Parlaments skizzierten anschließend den aktuellen Stand rund um die Directive on Energy Performance of Buildings (EPBD). Damit erreiche man künftig alle Gebäude in Europa, so Holl, bislang seien nur 27 Prozent durch die bestehenden Regelungen erfasst. Inhaltlich schreibt die Rahmenrichtlinie unter anderem vor, Neubauten künftig als »Fast-Null-Energie-Haus« zu errichten. Richard Seeber unterstrich die Bemühungen des EU-Parlaments, »Unverbindlichkeiten« in den Regulierungen zur Energieeffizienz zu konkretisieren. Notwendig sei auch Vernetzung des Themas mit der Agrarpolitik auf EU-Ebene, etwa bei ökologischen Dämmstoffen.


Einen umfassenden Überblick über die Marktsituation für WDVS in Europa gab EAE-Präsident Lothar Bombös: »Energieeffizienz und Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit fördern in Europa ebenso die Nachfrage nach WDV-Systemen wie der wachsende Modernisierungsmarkt und der Trend zu Rahmenbaukonstruktionen im Fertigbau, bei dem ebenfalls WDV-Systeme zum Einsatz kommen.«


Gerard Fleury schilderte als beratender Ingenieur die - verglichen mit anderen Ländern - recht bescheidene Ausgangssituation für WDVS in Frankreich: »WDVS haben hier keine richtige Tradition.« Ab 2012 wird durch neue Gesetze eine Senkung des durchschnittlichen Primärenergiebedarfs bei Gebäuden von bisher 120 kWh/a auf maximal 50 kWh/a angestrebt.


Die globalen Trends – wie von Lothar Bombös beschrieben – sind auch nach Meinung von Prof. Dr. Klaus Sedlbauer, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, »Innovationsbeschleuniger für die Baubranche«. Energieeffizienz weiter zu verbessern sei für ihn vorrangig vor dem Ausbau erneuerbarer Energien. Bezogen auf WDVS blieben Dämmstoffdicken ebenso im Fokus der Innovationsentwicklung wie die Optimierung der Wärmeleitfähigkeitswerte.


Yves Grégoire (Entwicklungschef des Belgian Building Research Institute) und Chris Zijderveld (Präsident der Stiftung Passivhaus in Holland) gaben den Forums-Teilnehmer detaillierte Einblicke in die Marktsituation und die technischen Standards beim Einsatz von WDVS in Belgien und den Niederlanden.


Die aktuellen Regulierungen für die ökologische Bewertung von Gebäuden in Form von Environmental Product Declarations (EPD) und Environmental System Declarations (ESD) erläuterten Prof. Dr. Horst Bossenmayer, Präsident des Instituts Bauen und Umwelt, und Johannes Kreissig (PE International). Erstmalig in Europa wurden die ESD für WDVS vorgestellt, damit werden Qualität und Systemtreue nachhaltig im Markt verankert.


Zum Abschluss lieferte der britische Star-Architekt Maxwell Hutchinson ein Bekenntnis zu energiesparendem Bauen mit WDVS ab: »WDVS ist für alle Architekten in Europa eine sehr gute Gelegenheit, Gestaltungsvielfalt, Ökologie und Ökonomie harmonisch miteinander zu verbinden.«


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EAE-Vize-Präsident Dr. Clemens von Trott
Michaela Holl (EU-Kommission)

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EAE-Präsident Lothar BombösStar-Architekt Maxwell Hutchinson
(Fotos: EAE)