07. Oktober 2010

Fenster- und Türenbranche im Plus

Die vier führenden Branchenverbände für Fenster, Türen und Fassaden rechnen für 2010 mit einem Plus von 4,9 Prozent (2009: +3,3 Prozent). Dieser Anstieg bedeutet eine Zunahme auf dann 12,6 Millionen Fenstereinheiten mit einer Fläche von über 21 Millionen Quadratmetern. Das Ergab eine vom Marktforschungsinstitut Heinze im Auftrag der Verbände durchgeführte Studie.


Für das Jahr 2011 erwarten das Marktforschungsinstitut und die Branchenverbände mindestens einen leichten Rückgang um etwa 1,3 Prozent, nachdem die KfW-Mittel laut dem vorliegenden Energiekonzept der Bundesregierung wieder auf zirka 1 Milliarde Euro ausgeweitet werden sollen. Grund für den Rückgang sind die fehlenden öffentlichen Aufträge nach Auslaufen der Maßnahmen im Rahmen des Konjunkturpaketes II.


»Die Fenster und Türenbranche hat in 2010 deutlich von den Konjunkturpaketen und den KfW-Mitteln profitiert«, sagt Stephan Schmidt, Geschäftsführer des Fachverbandes der Schloss- und Beschlagindustrie.


»Nach der ursprünglichen Kürzung der KfW-Gelder auf 435 Millionen Euro ist die erneute Aufstockung ein Schritt in die richtige Richtung und hilft der gesamten Bauwirtschaft«, erklärt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF): »Nur durch eine Verstetigung der Fördermittel können die CO2-Ziele der Bundesregierung überhaupt erreicht werden. Besonders dem Endverbraucher muss bewusst werden: »Neue Fenster sparen Geld!«


Fenstermarkt
Der VFF rechnet vor, dass bei einem Gesamtbestand von 560 Millionen Fenstern in Deutschland sich bei 12,6 Millionen neuen Fenstereinheiten eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ergibt. Aus energetischer Sicht sind aufgrund der – besonders in den letzten Jahren – positive Entwicklungen der Produkte, Fenster von vor 1995 als veraltet anzusehen. Besonders die noch immer mit zirka 27 Millionen Fenstereinheiten vorhandenen einfachverglasten Fenster sind reine Umweltheizkörper.


Positiv merkt Tschorn an: »Der Trend zum höherwertigen Fenster ist klar erkennbar, es werden technisch anspruchsvollere Lösungen eingebaut. Das Wachstum beim Rahmenmaterial Holz von 3,0 Prozent darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Holz relativ gesehen Marktanteile gegenüber anderen Rahmenmaterialien verloren hat. Holz-Metall-Rahmenkonstruktionen werden in 2010 sogar erstmals zweistellig – um 11,8 Prozent – zunehmen.« Die geringe Zunahme von Metallfenstern von 1,7 Prozent ist durch die Folgen der Wirtschaftskrise zu erklären, da diese Fenster vorrangig im gewerblichen Bereich und im Nichtwohnungsbau eingesetzt werden. Der befürchtete starke Rückgang ist jedoch ausgeblieben, dies ist auf die vielen Modernisierungen im Bereich von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden zurückzuführen.


Rahmenmaterial
»Das dominierende Fensterrahmenmaterial in Deutschland ist weiterhin Kunststoff. 7,2 Millionen verkaufte Fenstereinheiten stehen für einen Marktanteil von 56,8 Prozent in 2010. Wir verzeichnen damit erneut einen Anstieg des Marktanteils im Vergleich zum Vorjahr. Auch im europäischen Fenstermarkt sind Kunststofffenster unangefochtener Spitzenreiter. Diese positive Entwicklung wird sich auch in Zukunft fortsetzen«, unterstreicht Ralf Olsen, Geschäftsführer des Pro-K Industrieverbandes Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff.


Fensterglas
Jochen Grönegräs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Flachglas, sieht positive Entwicklungen im Glassektor: »Der Einsatz der 3-fach-Verglasung liegt schon bei 40 Prozent. Wir gehen davon aus, dass 3-fach-Wärmedämmglas sich innerhalb weniger Jahre zum Standardprodukt entwickeln wird.« Grönegräs hofft, dass diese Entwicklungen auch zusätzliche Anreize für den Renovierungsbereich schaffen, da auch bereits mit einem Austausch der Verglasung – für einen Teil des Bestandes – erhebliche Einsparungen erreicht werden können. »Schließlich«, so Grönegräs, »ist es bei aller Technik die Verglasung, die das Fenster ausmacht – und da gibt es anspruchsvolle Lösungen im Hinblick auf Energieeinsparung und Nutzung.«


Außentüren
Der Absatz von Außentüren konnte sich ebenfalls deutlich um 5,9 Prozent verbessern, da hier auch energetische Sanierungen und Renovierungen das Marktgeschehen beleben. Bis Ende 2010 sehen die Experten hier ein Marktvolumen von rund 1,247 Millionen Außentüren. Die Heinze-Prognose erwartet in 2011 einen leichten Rückgang von 1,2 Prozent. Für Innentüren können die positiven Wachstumswerte aus 2010 nicht übernommen werden, da diese nicht von den die Gebäudehülle betreffenden Maßnahmen profitieren. Die Verbände gehen hier von einem unveränderten Markt aus.


Die deutschen Hersteller von Fenstern, Fassaden und Haustüren beschäftigen rund 100.000 Mitarbeiter in 7.200 überwiegend kleinen und mittelgroßen Betrieben. Im Jahr 2009 erzielte die Branche insgesamt rund 8,8 Milliarden Euro Umsatz. Dazu kommen noch die Mitarbeiter und Umsätze der gesamten Zulieferindustrie.

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