26. Oktober 2010

Baugewerbe rechnet mit Umsatzrückgang

Der Umsatz im Bauhauptgewerbe erreicht nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in diesem Jahr 81 Milliarden Euro erreichen. Das wäre gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 1,5 Prozent. Dafür verantwortlich sei vor allem die Entwicklung im öffentlichen Bau schuld, erläuterte ZDB-Präsident Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein anlässlich der Jahrespressekonferenz seines Verbandes am Dienstag in Berlin. Auch für das kommende Jahr erwartet das Baugewerbe demnach keine Besserung: Der Branchenumsatz wird noch einmal um 1,5 Prozent auf 79,7 Milliarden Euro zurückgehen.


Im Wohnungsbau lasse die Entwicklung der Genehmigungen und Auftragseingänge allerdings einen Umsatzanstieg erwarten. Loewenstein: »Für 2010 rechnen wir mit 25 Milliarden Euro und damit einem Plus von 1,3 Prozent. Dabei erreichen die alten Länder ein Plus von 2,4 Prozent, in den neuen Ländern wird das Vorjahresniveau um 3,5 Prozent verfehlt.«


Für den Wirtschaftsbau erwartet das mittelständische Baugewerbe eine Umsatzgröße von 29,4 Milliarden Euro (–4,7 Prozent).


Als »herbe Enttäuschung« bezeichnete Loewenstein die Entwicklung im öffentlichen Bau. »Wir hatten wegen der zu Jahresbeginn 2010 erst schwach abgearbeiteten Konjunkturpakete erwartet, dass der Umsatz im laufenden Jahr deutlich steigen würde«, sagte der ZDB-Präsident zur Entwicklung im öffentlichen Bau. Dass es anders gekommen ist, begründete er mit der Streichung des so genannten Zusätzlichkeitskriteriums im Frühjahr dieses Jahres. Danach haben die Kommunen ihre außerhalb der Konjunkturpakete geplanten Investitionen zurückgefahren.


»Der öffentliche Bau hat damit nicht die prognostizierte Favoritenrolle unter den Bausparten im Bauhauptgewerbe in diesem Jahr übernommen. Er liegt aktuell per August 2010 mit 15 Milliarden Euro hinter dem Wohnungsbau (15,1 Milliarden Euro) und dem Wirtschaftsbau (17,1 Milliarden Euro). Daher erwarten wir hier für das gesamte Jahr einen Umsatzrückgang von 0,4 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro«, erklärte Loewenstein.


Prognose 2011
Für das Jahr 2011 rechnet der ZDB mit einem Rückgang des Branchenumsatzes um noch einmal 1,5 Prozent auf 79,7 Milliarden Euro. Allein der Wohnungsbau wird weiter zulegen und die Baukonjunktur stützen. In den Wachstumsregionen ist mit einer anhaltend positiven Entwicklung der Baugenehmigungen zu rechnen. Daher wird der Umsatz in dieser Sparte in 2011 auf 25,6 Milliarden Euro steigen (+2,4 Prozent).


Bei der positiven Bewertung der Entwicklung im Wohnungsbau für 2010 und 2011 dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass in den letzten Jahren das Niveau der Bautätigkeit im Wohnungsneubau drastisch gesunken ist. »Wir haben in den letzten drei Jahren jährlich über 10 Prozent an Neubauaktivitäten verloren; das heißt im Zeitraum von 2006 bis 2009 knapp 40 Prozent«, sagte der ZDB-Präsident.


Dagegen werden die Umsätze 2011 im öffentlichen Bau und im Wirtschaftsbau weiter nachgeben: »Im öffentlichen Bau rechnen wir mit einem Umsatzrückgang von 3,8 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro; obwohl die Steuereinnahmen wieder steigen und die Investitionstätigkeit stützen könnten, bleibt die Haushaltssituation der Kommunen angespannt«, erklärte Loewenstein.


Auch der Wirtschaftsbau wird aufgrund des niedrigen Niveaus der Baugenehmigungen die Entwicklung am Bau nicht beleben können. Der Umsatz wird daher noch einmal um eine Milliarde Euro zurückgehen, was einem Minus von 2,7 Prozent entspricht.