24. November 2010

Putz & Dekor thematisiert Umweltschutz und Nachhaltigkeit

10-112-24%20putzdekor1 Ausbau und Fassade - Putz & Dekor thematisiert Umweltschutz und Nachhaltigkeit
Der alte und zugleich neue, dreiköpfige Vorstand der Fachgruppe Putz & Dekor im VdL auf der Frankfurter Mitgliederversammlung (von links): Franz Xaver Neuer (Caparol), Dr. Hans Klein (Sto AG), Detlev Berner (Wacker Chemie AG). (Foto: wero press)
Die Themen Umweltproduktdeklarationen und CE-Kennzeichnung von Putzen standen im Fokus der Mitgliederversammlung 2010, zur der sich die Mitglieder der Fachgruppe Putz & Dekor im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL) Anfang November in Frankfurt trafen. Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder der Fachgruppe in ihren Ämtern bestätigt: Franz Xaver Neuer (Caparol) bleibt stellvertretender Vorsitzender und Leiter des TAK, Detlev Berner (Wacker Chemie GmbH) leitet weiterhin den PR-Ausschuss.


Das Thema »Nachhaltigkeit« wird nicht nur die Hersteller von Putzen, sondern die gesamte Baubranche in den nächsten Jahren auch weiterhin »nachhaltig beeinflussen«. Die Fachgruppe Putz & Dekor im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), in der sich neben den führenden Produzenten von pastösen Fassaden- und Innenputzen auch alle namhaften Rohstoffhersteller für diese Produkte zusammengeschlossen haben, hat schon frühzeitig wichtige Weichenstellungen vorgenommen.


Wie Dr. Hans Klein, der Vorsitzende der Fachgruppe, den Mitgliedern in Frankfurt mitteilen konnte, werden bereits Ende 2010 die ersten Umweltproduktdeklarationen, also so genannte EPDs (Environmental Product Declaration), für pastöse Putze vorliegen. Auch wenn das Thema derzeit die Marktteilnehmer noch in ganz unterschiedlichem Maße betrifft, so sieht der Verband in den EPDs ein künftig zentrales Instrument für nachhaltiges Bauen. Denn Bewertungs- und Zertifzierungssysteme wie die EPDs geben wichtige Informationen über die Umweltauswirkungen einzelner Produkte beziehungsweise Baustoffe und dienen daher als Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung, wie sie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) durchführt. Die jetzt erarbeiteten Muster-EPDs, die dank der vom Verband erarbeiteten Rahmenrezepturen bereits eine Vielzahl der pastösen Produkten abdecken, sollen – so Michael Bross, Geschäftsführer im VdL – vor allem auch kleineren Mitgliedsunternehmen der Fachgruppe die Chance eröffnen, relativ einfach und kostengünstig an eine EPD zu kommen.


Helfen sollen den Mitgliedern auch die Informationen zu dem hochkomplexen Thema der CE-Kennzeichnung von Putzen, die die Fachgruppe gemeinsam mit dem Industrieverband Werkmörtel (IWM) erarbeitet und im September 2010 in einer Broschüre veröffentlicht hat. Denn waren bisher nur mineralische Putze mit dem CE-Kennzeichen zu versehen, gilt dies in Zukunft auch für Putze mit organischen Bindemitteln. Die Europäische Kommission hat festgelegt, dass spätestens ab April 2011 alle Außen- und Innenputze, die in den Geltungsbereich der EN 15824 fallen, mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein müssen. Was dies im Einzelnen bedeutet und wie die Broschüre den einzelnen Mitgliedern bei der Erstellung einer CE-Kennzeichnung von pastösen Putzen helfen kann, erläuterte ausführlich Franz Xaver Neuer, Vorsitzender des Arbeitskreises Technik (TAK) innerhalb der Fachgruppe.


Als weiteres wichtiges Thema, mit denen sich der TAK neben den EPDs und der CE-Kennzeichnung im vergangenen Jahr beschäftigt hat, nannte Neuer die »Akzeptanz von Bioziden in Fassadenbeschichtungen«. Betrachtet werden dabei die drei Aspekte Wirksamkeit, Auswaschung (Leaching) und Ökotoxizität. Zu den beiden ersten Themen wurden Untersuchungen am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Holzkirchen und im Dr. Robert-Murjahn-Institut (RMI) in Ober-Ramstadt durchgeführt. Und mit dem Thema Ökotoxizität beschäftigen sich die in der Fachgruppe vertretenen Biozidhersteller im Rahmen des Biozidzulassungsverfahrens. Beim TAK laufen zurzeit auch die Arbeiten für eine erweiterte Neuauflage des Fachlexikons »Putze und Beschichtungen«. Dieses praktische und häufig nachgefragte Nachschlagewerk mit wichtigen Fachbegriffen aus der Welt der Putze, Farben und Lacke wird nach Angaben von Detlev Berner, Vorsitzender des PR-Ausschusses, neben einem ständig aktualisierten Internetauftritt sowie einer aktiven Pressearbeit auch künftig ein wichtiger Baustein der Öffentlichkeitsarbeit der Fachgruppe sein.


Ein Vortrag zu den »Perspektiven der Baukonjunktur 2010/2011« rundete die Mitgliederversammlung ab. Heinrich Weitz vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie präsentierte dabei nicht nur die aktuellen baukonjunkturellen Zahlen, sondern machte deutlich, dass der Blick auf Gesamtzahlen, die derzeit eine durchaus positive Entwicklung bei den Bauinvestitionen signalisieren, allein nicht genügt. Eine differenzierte Betrachtung zeige, dass es sehr wohl Unterschiede bei den Neubau- und Bestandsmaßnahmen beziehungsweise dem Hoch- und Tiefbau gebe. Im unterschiedlichen Maße seien daher das Bauhauptgewerbe oder das Ausbaugewerbe von der jeweiligen Entwicklung betroffen. Auch regional unterschieden sich die Märkte, speziell im Bereich des Wohnungsbaus. »Es gibt im Norden und Osten Deutschlands immer mehr Wegzugsregionen«, sagte Weitz. »Unterschiedlich sind auch die Wirkungen staatlicher Förder- und Konjunkturprogramme. Generell ist deren Einfluss auf das Bauhauptgewerbe ohnehin geringer, als oftmals angenommen wird«, äußerte der Wirtschaftsfachmann. Das spiegelte sich auch in den erwarteten Wachstumsraten für diesen Industriesektor, die der Referent mit insgesamt 3,7 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr prognostizierte.