01. Januar 2016

Aus Fehlern lernen

Fotolia_39891713_L Ausbau und Fassade - Aus Fehlern lernen

Jedes Unternehmen und jeder Mensch machen Fehler. Leider sind damit meist unnötiger Ärger und Kosten verbunden. Ganz ohne Fehlleistungen geht es allerdings nicht - jedenfalls nicht in der Baubranche.

Wo gehobelt wird, fallen bekanntermaßen Späne. Unternehmen, die komplett ohne Fehler auskommen wollten, müssten einen unverhältnismäßig ­hohen Aufwand betreiben, ­welcher sich dann nicht mehr rechnet. Positiv betrachtet sind aber kleinere Miss­geschicke so etwas wie eine Begleit­erscheinung des Lernens und sie bieten ­jede Menge Verbesserungspotentiale.
Diese beiden Sätze habe ich kürzlich im Besprechungsraum eines kleinen Unternehmens gelesen: »Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht. Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt.« Man kann diesen Erkennt­nissen im Umgang mit Defiziten nur ­zustimmen. Ob es allerdings zielführend ist, Zitate über Fehler vor den Augen der Kunden aufzuhängen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls lässt es darauf schließen, dass der besagte Betrieb so etwas wie eine Fehlerkultur hat. Gemeint ist damit, wie man mit Missgeschicken umgeht. Wie Fehler verstanden werden, um etwas daraus zu lernen.

Optimistisch bleiben
Von Fehlern spricht man, wenn richtig geplante Vorgänge falsch ausgeführt wurden - oder umgekehrt - wenn falsche Planvorgaben zugrunde lagen. Im Gegensatz zu Fertigungsbetrieben, in denen Tag für Tag weitestgehend die gleichen standardisierten Arbeitsschritte und -prozesse an einem Ort stattfinden, stehen Baubetriebe vor anderen Herausforderungen. Wechselnde Baustellen und Standorte, unterschied­lichste ­Kundenanforderungen oder Baustellenbedingungen selbst bei Kleinst­aufträgen verdeutlichen dies. In der Folge passieren gerade im lohnintensiven Bauhandwerk immer wieder Fehler, sprich ­Schäden und Mängel. Aus dem Blickwinkel des Optimis­ten kann man aber aus diesen Miss­geschicken einiges für sich herausholen. Wie gesagt: Fehler sind ein Bestandteil des Lernens und der Weiterentwicklung. Wer aus Fehlern lernt, wird diese in der Zukunft meis­tens vermeiden können.
In unserer Gesellschaft und in den ­meisten Unternehmen ist es aber so, dass Fehler fast immer nur negativ ­bewertet werden. Das gilt bereits für Flüchtigkeitsfehler, egal ob ­diese in der Familie oder in unserer ­Gesellschaft allgemein gemacht werden. Das fängt schon im Kindergarten und in der Grundschule an. Wer keine Fehler macht, bekommt die guten Noten. ­Fehler werden bestraft. Die positiven Aspekte werden meist über­sehen: In ­jedem Fehler steckt die Chance auf ­Weiterentwicklung. Verbesserung führt bekanntlich zum Erfolg. Um selbst ­kleine Unzulänglichkeiten als Chancen zu nutzen, ist eine entsprechende ­Unternehmenskultur notwendig. ­Gemeint ist eine Fehlerkultur, in der kleine Schwächen nicht gleich sanktioniert, sondern als Lernchance genutzt werden.

Sachlich bleiben
Ideal ist eine konstruktive Kommuni­kation im Umgang mit Defiziten, in der sachlich Kritik geäußert werden kann. Wo die Betroffenen sagen können, ­warum der Fehler entstanden ist. Entscheidend ist also, wie mit Schäden oder Mängeln umgegangen wird.
Im Berufs­alltag zeigt sich, wie die Geschäfts­leitung Fehler und Mängel zur Kenntnis nimmt, bewertet und darauf reagiert. Manche Chefs neigen zu Wutausbrüchen, andere bringen Verständnis auf und lernen etwas daraus.
Die Maler- und Stuckateurbranche steht in den nächsten Jahren vor der Herausforderung, Nachwuchskräfte und Facharbeiter zu finden beziehungsweise ­diese im Betrieb zu halten. Bewerber aus anderen Ländern oder Querein­steiger aus anderen Branchen werden als Zielgruppe interessant. Gerade Letztere werden nicht frei von Schwächen sein und Fehler begehen. Dass der eine oder andere Patzer gemacht wird, liegt auf der Hand. Letztendlich gilt es, diese Mitarbeiter Schritt für Schritt aufzubauen und zu verbessern.

Pareto-Prinzip beachten
Natürlich fällt es nicht jedem verantwortlichen Unternehmer leicht, Fehler als Weiterentwicklungsmöglichkeit zu sehen. Vor allem dann, wenn aufgrund von Mängeln teure Folgekosten ent­stehen, verliert man gerne den gut ­gemeinten Fokus einer Fehlerkultur.
Grundsätzlich sollte man überlegen, ­inwieweit Firmenziele ganz ohne Fehler möglich und sinnvoll sind. Unter ­Umständen lässt es sich ab und zu mit ­kleinen Schönheitsfehlern gut leben. Denn allzu hohes Anspruchsdenken führt häufig zu Stress, Überforderung und kostet außerdem viel Geld und Zeit. Normalerweise reichen gute und überdurchschnittliche Ergebnisse.
Behalten Sie also bei allem Qualitätsdenken auch das Pareto-Prinzip im ­Auge. Demnach reichen achtzig Prozent der Ergebnisse, die in zwanzig Prozent der Zeit erzielt werden. Während die rest­lichen zwanzig achtzig Prozent Ihrer Zeit erfordern würden.
    
F. Helfensteiner

Abbildungen: Fotolia                                                                                        Ausgabe: 1/2013

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