01. Januar 2016

Reden ist Silber

Helfensteiner Ausbau und Fassade - Reden ist Silber

Die wenigsten Menschen nehmen wahr, welche Fähigkeiten in zurückhaltenden Mitarbeitern schlummern. Deren Stärken werden auf den ersten Blick nicht ­erkannt. Das ist bedauerlich. Hinter Extrovertierten müssen in sich gekehrte Menschen jedenfalls nicht zurückstehen — im Gegenteil.

Heutzutage gilt es beinahe schon als Nachteil, wenn man sich nicht ständig ins Rampenlicht stellt. Uns wird stets vermittelt, dass ohne Selbstmarketing kein Erfolg gelingt. Werbung ist nun mal wichtig. In der Bewertung von Menschen ist eine überzogene Selbstdarstellung jedoch zu hinterfragen. Schließlich haben ruhige, bescheidene Menschen einiges zu bieten. Zurückhaltung ist eher ein Zeichen von Stärke. Glaubt man den Statistiken, gelten 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung als zurückhaltend und still. Es gibt also ­immer Situationen, in denen wir von Personen umgeben sind, die vorsichtig, achtsam und meist auch diskret sind. Manchmal entdecken wir uns mit dieser Eigenschaft sogar selbst. Ganz anders die extrovertierten Typen. Sie besitzen ein überdurchschnittliches Maß an Selbstbewusstsein. Für aufgeschlossene und kommunikative Menschen ist es ein Leichtes, im Mittelpunkt zu stehen. Für sie ist es kein Problem, private und ­berufliche Kontakte zu knüpfen, Reden zu halten oder Besprechungen zu leiten. Doch es gibt auch Schattenseiten: Jeder von uns kennt die vorlauten Alphatiere, die sich immer in die erste Reihe drängeln. Schließlich will man auffallen. Am liebsten würden sie sich selbst auf die Schulter klopfen. Gerne verlieren sie sich in Wichtigtuerei. Die Haltung, dass gute Arbeit auch anderen gefallen muss, dient dem betrieblichen Fortkommen auf Dauer nicht - im ­Gegenteil: vielen Menschen gehen die Dampfplauderer gewaltig auf die ­Nerven.

Still, aber sozial kompetent
Im Gegensatz dazu stehen introvertierte Menschen ungern im Mittelpunkt. Bei ­geschäftlichen Angelegenheiten halten Sie sich wachsam zurück. Menschen­ansammlungen meiden sie. Introver­tierte Menschen wirken auf den ersten Blick fast schon reserviert und distanziert, bis hin zu schüchtern. Manchmal gelten sie sogar als Eigenbrötler. Jedenfalls rücken die Stillen durch ihr Verhalten leicht ins Abseits. Sie werden auf den ersten Blick kaum wahrgenommen. Im Vordergrund zu stehen ist nicht ihr Ding. Im Mittelpunkt sind die anderen.
Zurückhaltende, bescheidene Menschen besitzen jedoch Eigenschaften, die sich positiv auf ein Team und das Betriebsklima sowie dauerhaft auf den Erfolg auswirken. Die Ruhigen sind darauf prog­rammiert, weniger Wert auf Belohnung zu legen. Ihnen sind Lob und Anerkennung weniger wichtig als den dominant auftretenden Kollegen. Dafür gehen sie in ­aller Regel mit Bedacht vor. Sie denken vor dem Reden und müssen nicht zu ­allem ihren Senf dazugeben. Bei ­Gesprächen in größerer Runde ist es vorteilhaft, dass es auch Leute gibt, die nicht dauernd ihren Mund offen haben. Dafür beobachten sie aufmerksam. Weil sie gut zuhören, gelingt es ihnen, sich besser in andere Menschen und deren Gefühle hineinzuversetzen. Alles Eigenschaften, die bei Kunden oder Vereinbarungen sehr wichtig sind.

Nicht eitel, aber effektiv
Ruhige Menschen brauchen Freiraum, Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. Sie unterhalten sich lieber mit einem ­Menschen, als mit mehreren in ­einer Gruppe. Wenn es darauf ankommt und sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlen, können sie aber durchaus kontaktfreudig und aufgeschlossen sein. Analytisches Denken und Beharrlichkeit sind wichtige Eigenschaften, die jedes ­Unternehmen schätzt. Das können zurückhaltende Menschen in der Regel besser. Sie bleiben an einer Sache dran und bringen sie zu Ende. Das sind Stärken, die sie zuverlässig und echt wirken lassen. Lobhudeleien brauchen Introvertierte nicht. Stattdessen gehen sie konzentriert der Arbeit nach und liefern fertige ­Ergebnisse ab, ohne dies an die große Glocke zu hängen. Kurzum: Sie sind weniger eitel, aber hoch effektiv.
Während Extrovertierte ihre Kraft aus dem Umgang mit anderen schöpfen, ziehen Introvertierte ihre Kraft aus sich selbst heraus. Deshalb brauchen sie ­gerade in turbulenten Phasen Zeit für sich ­alleine, um die Akkus wieder aufzu­laden. Die Ruhigen benötigen also mehr Rückzugsorte und die Lauten mehr Außenkontakte, um ihr Potenzial zu entfalten.

Die Mischung macht’s
Gerade in einer schnelllebigen Welt, die auf Selbstdarstellung ausgelegt ist, leis­ten introvertierte Menschen betrieblich und privat einen sehr wichtigen Beitrag. Zurückhaltung oder gar Schüchternheit als Mängel anzusehen, ist völlig fehl am Platz. Vielmehr sollten ­diese begabten und sensiblen Mitmenschen privat und im Betrieb höher eingeschätzt werden. Die Stärken und Schwächen von ­Menschen zu kennen, hilft bei der ­Zusammensetzung von Teams. Für den betrieb­lichen Erfolg einer gut funktionierenden Belegschaft braucht man die Stillen und die Lauten. Bei Personalentscheidungen sollte man daher verstärkt auf die ­leisen Töne achten.
 
F. Helfensteiner

Abbildungen: Fotolia                                                                                                                              Ausgabe: 9/2103

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