01. Januar 2016

Planung gibt Orientierung

Knorr Ausbau und Fassade - Planung gibt Orientierung

Fast alle Handwerker verzichten auf eine Jahresplanung. Es sei denn, man benötigt Geld von der Bank. Dabei gibt es gute Gründe, sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Es gibt viele vorgeschobene Gründe, nicht vorauszuplanen: Oft ist es Bequemlichkeit, teilweise auch Angst, sich falsche Ziele zu setzen. Wenn die definierten Ziele nicht erreicht werden, wäre es reine Zeitverschwendung, sich im Januar mit Zahlen und Excel-Tabellen zu beschäftigen, die bereits im März nicht mehr stimmen. Wäre es dann nicht besser, nichts zu machen?
Gerade zum Jahresanfang und in der ruhigeren Jahreszeit sollte man sich Zeit nehmen, um anzuhalten und nachzudenken. Jetzt kann man Ruhe finden, um sich vielleicht ein wenig selbst zu betrachten und zu hinterfragen, wo man mit dem Betrieb oder auch im Privatleben am Ende des Jahres, in zwei, drei oder fünf Jahren stehen will. Diese und ähnliche Fragen haben mit Veränderung und strategischer Unternehmensentwicklung zu tun. Vergleichbar einem roten Faden und Kompass, den man im Tagesgeschäft gerne aus den Augen verliert. Es geht insofern auch darum, konkret festzuhalten, was einem wichtig ist. Nach kurzer Zeit entwickelt sich eine Vielzahl von Ideen. Das hat den Nebeneffekt, dass man mit positiver Energie geladen wird.
Erfolgreiche Unternehmer arbeiten vor allem am, und nicht immer nur im Unternehmen. Schließlich ist es die zentrale Aufgabe eines weitblickenden Unternehmers, den Betrieb besser zu machen. Um gute Anregungen zu bekommen, ist es sinnvoll, die gewohnte Umgebung bewusst zu verlassen. Das ständige Blinken der E-Mails stört und blockiert beim Denken. Man sieht nicht über das Ende des Tages hinaus. Der Rückzug in ein schönes Hotel oder wohin auch ­immer ermöglicht schon eher offenes Denken.

Stichworte führen zu den Zielen
Ein weißes Blatt Papier und ein Stift reicht schon, um Ideen zu skizzieren. Bei der Frage, was gut läuft oder nicht, fallen jedem ganz schnell viele Punkte ein. Die Stichworte reichen schon aus, um Ziele daraus zu formulieren. Was man in der Folge nicht in einem oder zwei Sätzen beschreiben kann, eignet sich auch nicht als Ziel. Wer mit Freunden, Mitarbeitern oder Kollegen offen redet, bekommt weitere Tipps und Sicherheit. Beim Sport, dem Weg zur Arbeit oder auch anderswo kann man die Gedanken reflektieren.
Bei der betrieblichen Ausrichtung hat natürlich jeder Unternehmer andere Vorstellungen. Ein Ziel wäre beispielsweise, Privatkunden einen besonderen Service zu bieten, um die Kundenzufriedenheit und Empfehlungsquote zu erhöhen. Ein anderes Ziel wäre, den Liquiditätspuffer zu erhöhen, weil dieser unter einem Monatsumsatz liegt. Vielleicht nimmt man sich auch vor, für aufwendige Angebote künftig ein Honorar zu verlangen, damit die Arbeit und das Fachwissen im Verhältnis zum zeitlichen Aufwand angemessen honoriert und wertgeschätzt wird. Die Zahlen könnte man genauer unter die Lupe nehmen. Liegen die Personalkosten nicht höher als 50 Prozent des Umsatzes und der Rohertrag um 60 Prozent über den Lohnkosten? Weichen die Ist-Werte davon ab, werden konkrete Maßnahmen ergriffen. Planung ist insofern auch ein Teil des betrieblichen Controllings. Das heißt: Sie kontrollieren und steuern die geplanten Maßnahmen. Eingegriffen wird, sobald die Zahlen aus dem Ruder laufen.
Für Familienunternehmer hat der Betrieb meist oberste Priorität. Es ist aber auch wichtig, andere Lebensbereiche zu beachten und sich auch hier Ziele zu setzen. Ansonsten läuft man Gefahr, dass das Privatleben zu kurz kommt. Dazu gehört zum Beispiel Partnerschaften zu pflegen, Hobbys aufrechtzuerhalten oder in die Gesundheit zu investieren.

Ein zweiter Schreibtisch hilft
Die Erstellung eines Jahresplanes ist das eine. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung - und zwar über das Jahr hinweg. Fast alle handwerklichen Unternehmer führen in der betrieblichen Praxis eine Vielzahl von Sachaufgaben aus. Schnell läuft man Gefahr, die definierten Ziele aus den Augen zu verlieren. Dem einen oder anderen hilft es unter Umständen, einen zweiten Schreibtisch zu nutzen. Das hat Vorteile: Man lernt bewusster zu erkennen, was eigentliche Unternehmeraufgaben sind. Außerdem funktioniert eine Übergabe der Aufgaben an Mitarbeiter einfacher: Bildlich gesprochen überträgt man den kompletten Tisch und setzt sich konsequent nicht mehr dort hin. Vor allem aber kann man sich bewusster auf den Jahresplan und die Chefaufgaben konzentrieren. Im Idealfall liegt die Jahresplanung übersichtlich auf dem Schreibtisch. Wenn man jeden Tag einen Blick darauf hat, dann wächst auch das Bewusstsein dafür, wo die Kernaufgaben liegen. Damit hat man eine wichtige Grundlage gegen das Hamsterrad geschaffen.
Zielführend kann auch sein, einem Jahr ein Motto oder ein Schlagwort, zu geben. Ein Satz, der treffend erscheint, das Jahresziel zu erreichen. Mitarbeitern gibt man damit eine klarere Orientierung. Idealerweise findet sich sogar ein passendes Motiv zur Visualisierung. Beispielsweise wird ein aussagekräftiges Foto an einem Ort aufgehängt, an dem man sich oft und lange aufhält.  
Auch wenn solche Gedanken in aller Regel am Jahresanfang entstehen, muss man nicht bis zum nächsten Jahreswechsel warten. Man kann sich auch im Sommer dazu entschließen, einen Jahresplan zu erstellen. Man kann auch mit einem Halbjahresplan beginnen. Entscheidend ist, dass man einmal beginnt und den ersten Schritt macht.
Leider nehmen sich nur wenige Handwerker diese Zeit zum Nachdenken. Mit Beginn der Saison, spätestens Ende
Februar oder Anfang März, hat man dann ohnehin keine Ruhe mehr, einen klaren Blick zu bekommen. Stattdessen investieren gestresste Handwerker dann lieber ihre Zeit, um noch schneller im Hamsterrad zu laufen.

F. Helfensteiner

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