01. Januar 2016

Ernstfall Scheidung

Wenn in einem Familienbetrieb die Ehe scheitert, ist das für die Betroffenen persönlich eine schwere emotionale Last. Im schlimmsten Fall ist auch der
Betrieb von der Existenz bedroht. So weit muss es aber nicht kommen.

Das Lebensmodell der frisch Verliebten lief ganz nach Plan. Zuerst das  gemeinsame Haus. Dann die Heirat. Beide bleiben danach im Angestelltenverhältnis. Der lang ersehnte Kinderwunsch geht in Erfüllung und er wagt zeitgleich den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie verzichtet auf ihre Festanstellung und kümmert sich um die Kinder. So lief das über lange Jahre. Beide ärgerten sich höchstens über die hohe Steuerlast. Weshalb er auch immer öfter der Bitte nachkam, ob es auch nicht ohne Rechnung geht. Die böse Überraschung kam erst, als ihre Ehe zerbrach und es um die Scheidung ging.
Vor dem Sprung in die Selbstständigkeit – aber auch danach – haben aktive Selbstständige andere Sorgen, als zu einem Notar zu gehen. Vielmehr gilt, dass alle an einem Strang ziehen, um das Unternehmen erfolgreich zu halten. Vor allem Handwerker investieren nicht selten ihr komplettes Geld in das Unternehmen. Jeder ersparte und erwirtschaftete Euro fließt mehr oder weniger ins Unternehmen. Vielfach steckt das komplette Vermögen in der Firma. Von der vielen Arbeit in Eigenleistung erst gar nicht zu reden. An einen möglichen Scheidungsfall wird nicht gedacht.

Eine Trennung bringt vielfältige Belastungen mit sich
Oft ruiniert aber die Arbeit in ihrer heutigen Form das wertvolle Gut: die Gesundheit, das Verhältnis zu den Kindern oder die Partnerschaft. Ist das Eheband erst einmal zerrüttet, ist an vernünftige Zusammenarbeit nicht mehr wirklich zu denken. Der letzte Ausweg ist nicht selten eine Trennung. In der Folge bedeutet eine Scheidung oftmals das Aus für den Betrieb. Dabei wäre eine Scheidung allein aus emotionaler Sicht schon schwierig genug – besonders, wenn Kinder mit betroffen sind.
Jede dritte Ehe geht in Deutschland in die Brüche. Scheidungen haben ganz offensichtlich Konjunktur. Scheitert die Ehe in einem Familienbetrieb, ist nicht selten gleich auch das Unternehmen bedroht. Sind Schulden oder Unterhaltszahlungen zu hoch, muss in letzter Konsequenz oftmals die Firma verkauft werden. Es scheint, als machten gerade Handwerker und Mittelständler besonders oft die Erfahrung, im Falle einer Scheidung Haus und vor allem Hof zu verlieren. Das muss nicht sein.
Schulden aus der Ehe können jedoch existenzgefährdend sein, weil hohe Ausgleichszahlungen das Unternehmen gefährden. Kann der Ausgleichspflichtige nicht genügend Geld auftreiben, dann muss unter Umständen die Firma verkauft werden. Jedenfalls das, was sich verkaufen lässt. In der Folge läuft alles auf die sprichwörtliche Vermögensvernichtung hinaus.
Gerade die Kleinunternehmer haben mit ihren Partnern in der Regel keine Regelung für den Scheidungsfall getroffen. An einen Ehevertrag wird schon gar nicht gedacht. Das rächt sich dann, wenn die Ehe in die Brüche geht. Vor allem dann, wenn das Unternehmen rechtlich nur einem gehört und beide in einer Zugewinngemeinschaft leben. Dann kann es teuer werden. Und meist auch kompliziert.
Die Zugewinngemeinschaft gilt dann, wenn nicht ausdrücklich ein anderer Güterstand vereinbart wird. Im Falle
einer Scheidung wird ermittelt, was beide in der gemeinsamen Ehe erwirtschaftet haben. Wer mehr verdient als sein Partner, muss die Hälfte der Differenz ausgleichen. Viel Geld fließt also dann, wenn ein Ehepartner nur wenig oder nichts verdient hat. Der andere viel. Das ist der klassische Fall in vielen Handwerksbetrieben, und zwar unabhängig von der Rechtsform. Beim Eigen­tümer der Firma steht auf der Vermögensseite der Firmenwert. Beim anderen steht so gut wie nichts.
Nach der Scheidung muss der Firmen­inhaber einen Großteil des Unternehmenswertes ausbezahlen. Dafür jedoch fehlt häufig freies Kapital. Weil im klassischen Fall das ganze Geld, welches erwirtschaftet wurde, eins zu eins in das Unternehmen investiert wurde.
Im Falle einer Scheidung muss jedoch nicht zwingend das Unternehmen verkauft werden. Derjenige, der zahlen muss, kann beim Gericht eine Stundung beantragen. Richter gewähren diese jedoch nicht einfach so. Gewichtige Gründe müssen vorliegen, zum Beispiel, dass ein Verkauf oder das Schließen des Unternehmens zum gegenwärtigen Zeitpunkt nachteiliger wäre als zu einem späteren Datum.

Vernünftige Abmachungen helfen allen Betroffenen
Gute Anwälte werden die Betroffenen danach fragen, was sie erreichen wollen. Vernünftige Abmachungen können für alle Betroffenen auf Dauer günstiger und besser sein. So ist es sinnvoller, beim Unterhalt großzügiger zu sein und stattdessen beim Zugewinn Abstriche zu machen. Bildlich betrachtet ist es also besser, die Kuh nicht zu schlachten, sondern zu melken. Wer also beim Zugewinnausgleich kulant ist, kann beim Unterhalt mehr profitieren, so die gängige Erfahrung.
Es wird nicht offen darüber geredet. Aber das Geld, das am Finanzamt vorbei verdient wurde, ist vor allem im Handwerk ein heißes Eisen. Nicht selten kommt im Falle eines Ehestreits auch dieses Thema auf den Tisch. Wer entsprechende Gelder illegal hortet, gönnt es ganz sicher nicht dem Staat. Ein ­dezenter Hinweis hat schon mancher Unterhaltsverhandlung, die in Stocken geriet, neue Dynamik verliehen. Geschieht dies nicht, wird der Ex-Partner quasi zum Vollstrecker und beauftragt den Gerichtsvollzieher. Der zieht dann los und pfändet alles, was gewünscht ist. Umgekehrt gibt es auch Unternehmerpaare, die das Unternehmen absichtlich in die Insolvenz geschickt haben, um auf diese Weise endlich den Partner los zu werden.
Soweit muss es aber nicht kommen. Sind die Vereinbarungen fair geregelt, können Unternehmerpaare auch weiterhin zusammen arbeiten. Auch wenn sie längst kein Paar mehr sind. Im Stuckateur- und Malerhandwerk gibt es dafür viele Beispiele.

F. Helfensteiner

Abbildungen: Thorben Wengert/Pixelio                                                                                   Ausgabe: 6/2012