01. Januar 2016

Unbedachte Führungsfehler

Helfensteiner_1 Ausbau und Fassade - Unbedachte Führungsfehler

Es wird viel darüber geschrieben, was Führungskräfte erfolgreich macht. Oft werden Managementtechniken wie Ziele setzen, Menschen motivieren oder das Delegieren von Aufgaben genannt. Aber was tunlichst unterlassen werden sollte, ­davon hört und liest man wenig. Wer regelmäßig unbedachte Führungsfehler macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies schädliche Konsequenzen hat.

Vorbildliches Führungsverhalten ist ­bedeutender denn je. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf das Umfeld. ­Jeder Unternehmer, egal welcher ­Firmengröße, muss sich seines Verhaltens bewusst sein. Und er muss wissen, im Team auf andere angewiesen zu sein. Leider bleibt keiner von Fettnäpfchen verschont.
Es gibt Menschen, die glauben, alles steuern und beherrschen zu können. Sie fühlen sie sich ihrem Umfeld überlegen. Leicht besteht die Gefahr, dass man sich nicht mehr als Teil eines Teams und großen Ganzen versteht oder sich realitätsfremden Wünschen hingibt. Meist handelt es sich um Menschen, die in der Vergangenheit Herausragendes geleistet haben. Schnell läuft man Gefahr, sich nur noch von Bewunderern zu umgeben und dabei den Bezug zur Basis zu verlieren. Früher oder später ist ein ­Scheitern absehbar. Hochmut kommt bekanntermaßen vor dem Fall. Vor Selbstüberschätzung ist so gesehen ­niemand gefeit.

Maß und Ziel sind entscheidend
Wichtig ist, mir geht es gut. Hauptsache ich stehe gut da. Wer so oder so ähnlich denkt und entsprechend handelt, isoliert sich. Früher oder später. Mitmenschen spüren dies und entwickeln alles andere als Vertrauen. In entscheidenden Situ­ationen fehlt dann die Rückendeckung. Auf Dauer findet man weder loyale Mitarbeiter und Kunden, noch Freunde oder Verbündete. Höchstens solche, die gleich denken und taktieren, um einen bei der nächstbesten Gelegenheit fallen zu lassen. Vereinbarungen oder Zusagen haben nur so lange einen Wert, so lange einseitig profitiert wird.
Eigenmotivation als Antrieb für unternehmerischen Erfolg ist wichtig. Aber alles mit Maß und Ziel. Übertriebener und falscher Ehrgeiz ist ein schlechter Ratgeber. Nachhaltig zahlt es sich nicht aus, Kunden oder Lieferanten unter Druck zu setzen. Die Betroffenen spüren schnell, ob Ellenbogen eingesetzt werden. Mitarbeiter zum Beispiel registrieren genau, ob es dem Chef nur um ­seinen persönlichen Profit oder um das große Ganze geht. Unangemessene Selbstdarstellung, mit der man sein Sendungs­bewusstsein zur Schau stellt, kommt auch nicht gut an. Gut beraten ist, wer persönlichen Erfolg etwas weniger ­öffentlich zur Schau stellt.
Anderen Menschen nachzueifern, sich als Konkurrent zu messen, motiviert im positiven Sinne. Wer jedoch meint, stets der Beste und Erfolgreichste sein zu müssen, erntet Missgunst. Neid lässt nun mal Gemeinsamkeit nicht zu.

Zurückhaltung als Gebot
Gut beraten ist, wer beim zur Schau stellen von Prestige und Status ein angemessenes Maß hält. Wer sich zu selbstverliebt im Glanz des Erfolgs sonnt, schafft sich keine Freunde. Etwas mehr Zurückhaltung kann also nicht schaden. Schließlich wird alles, was wir tun, mit unserem Umfeld in Zusammenhang gebracht. Ganz gleich, ob dies ­inner- oder außerhalb des Firmengeländes geschieht. Neider warten auf ­kleinste Fehltritte, um diese dann vor allen anzuprangern und auszuschlachten.
Führungskräfte wissen genau, was zu tun und zu lassen ist. Wenn aber die Dinge nicht nach Plan laufen, haben diese Alphatiere ab und an berühmt-berüchtigte Wutausbrüche. Geschieht dies häufig, kehren selbstbewusste Mitarbeiter dem Unternehmen den Rücken. Sofern sie nicht schon vorher entlassen wurden, weil das falsche Wort zur falschen Zeit gesagt wurde. Heißt: Von Wutausbrüchen gestresste Menschen laufen Gefahr, früher oder später nur noch von Bittstellern umgeben zu sein, die ihr Denken und Handeln ausschließlich danach ausrichten, nicht anzuecken. Man will ja dem Chef imponieren. Es ist eine Frage der Zeit, bis nur noch die geschönten Informationen zur Geschäftsleitung dringen. Die Urteilskraft ist eingeschränkt. Das erhöht die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Gesunder Ehrgeiz ist besser
Ohne Fleiß kein Preis. Diese Tugend ­haben fast alle erfolgreichen Menschen verinnerlicht. Kritisch wird es aber, wenn sich das Leben nur noch um die Arbeit und das Unternehmen dreht. Dann verkümmern andere Lebens­bereiche. Das spüren die Betroffenen natürlich auch. Also wird das Manko kompensiert. Zum Beispiel mit Suchtmitteln oder einem anderen besonderen Kick. Um das ­Gefühl zu bekommen, noch am Leben zu sein. Man muss ja den Stress irgendwie ertragen. Schnell verlieren die Dinge aber ihren Reiz. Also wird die Dosis erhöht. Damit beginnt ein teuflischer Kreislauf, der häufig in ­einem Zusammenbruch oder einer ­kritischen Lebenshaltung mündet. Ehrgeiz und Unternehmenserfolg in Ehren. Aber besser mit Maß und Ziel!
Die Motivation nach Ruhm oder übertriebener Stolz sind in der Funktion als Chef oder Führungskraft nicht angesagt. Letztendlich spiegelt sich ein ausgeprägter Egoismus wieder. Neid, Selbst­überschätzung, unkontrollierte Wutausbrüche oder übertriebene Verschwendungssucht werden schon immer kritisch bewertet. Schließlich haben die Menschen für solche Charaktereigenschaften ein feines Näschen.  

F. Helfensteiner

Abbildungen: Thorn/pixelio.de                                                                              Ausgabe: 9/2012

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