01. Januar 2016

»Irgendwann ist Schluss«

K_Weber-1 Ausbau und Fassade - »Irgendwann ist Schluss«

Vom Geschäftsführer zum freien Mitarbeiter - Karl Weber hat seinen Stuckateurbetrieb im westfälischen Soest übergeben und hat jetzt mehr Zeit - zumindest auf dem Papier. Seine Wunschnachfolger leiten den Betrieb.

Wer Karl Weber kennt, kann ihn sich nicht als Rentner vorstellen. Er ist umtriebiger Unternehmer und mit Leib und Seele Stuckateur. Er brennt für seinen Beruf, so dass er sich darüber hinaus in vielen Ehrenämtern engagiert. Ruhestand passt nicht zu ihm. Und doch: In diesem Jahr legte er - mit 62 Jahren - den Betrieb in jüngere Hände – in die von Christian Them und Jürgen Steimann. Them ist Architekt, Steimann Stuckateurmeister und beide sind Webers Schwiegersöhne. Sie sind schon seit Längerem im Unternehmen tätig und hatten Zeit, in die Führungsaufgabe hineinzuwachsen. Unterstützt werden sie noch von Karl Webers Tochter Nadine Weber, die als Diplom-Ingenieurin freiberuflich im Unternehmen tätig ist.
Für den Außenstehenden ändert sich im Prinzip nichts – und genau dies ist beabsichtigt. Nur wer genau hinschaut, bemerkt, dass sich im Unternehmen etwas geändert hat. Es trägt weiterhin den Namen »Weber Stuck und Putz«, nur die Firmierung wechselte zum 1. April von der bisherigen »GmbH und Co. KG« zur neuen »GmbH«.
Die Adresse ist nach wie vor der Ferdi­nand-Gabriel-Weg in Soest, nur ist dort das Unternehmen jetzt Mieter.

Klarer Schlussstrich
Karl Weber und seine Schwiegersöhne wählen aus zwei Gründen diesen Weg. Zum Ersten sollte der eingeführte gute Name erhalten bleiben. Zum Zweiten wollte sich Karl Weber komplett aus dem Unternehmen herausziehen. Mit der alten Firmierung ging das ohne ­aufwendigen Papierkrieg nicht. Mit mindes­tens einem Prozent wäre Weber als Teilhaber immer noch dabei gewesen. Aber das wollte er nicht. »Irgendwann ist Schluss!« Und dann ist es nur konsequent, das Kapitel komplett zu beenden.
Für den Kunden bleibt alles so, wie er es kennt. Der Name »Weber« bürgt weiterhin für Qualität und direkte Kunden­betreuung ohne Subunternehmer. Das ist bei der Hauptzielgruppe Privatkundschaft ganz wichtig: »Wer Weber bestellt, will rote Autos vor der Türe
haben«, bringen es Christian Them und Jürgen Steimann auf den Punkt.

Langer Prozess
Vor etwa zehn Jahren begann Weber sich mit der Frage zu beschäftigen, was mit dem Betrieb auf längere Sicht geschehen soll. Damals beschäftigte er gut ein Dutzend Mitarbeiter. »Langsam auslaufen lassen oder an einen Nachfolger übergeben?«, das waren die Alternativen. Ein Verkauf stand nie zur Diskussion.
Nach und nach zeichnete sich die Lösung ab. »Das war nicht geplant, sondern entwickelte sich organisch«, sagen alle Beteiligten. Christian Them, Ehemann von Webers ältester Tochter Daniela, wechselte von einem Architekturbüro in den Stuckateurbetrieb als technischer Angestellter. Jürgen Steimann, verheiratet mit Yvonne, ist gelernter Elektriker und kam 2002 ins Unternehmen. Vier Jahre später macht er in Arnsberg seinen Stuckateurmeister und sitzt dort inzwischen im Meister-Prüfungsausschuss – wie sein Schwiegervater zuvor.
Nachdem die Nachfolger feststanden, mussten die technischen Details geklärt werden. Die ersten Anlaufstellen waren der Baugewerbeverband Westfalen und die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. Dort konnte sich Weber fürs Erste betriebswirtschaftlich und juristisch beraten lassen. Dann wurde ein Konzept entworfen und ein Fahrplan verabschiedet. Schließlich mussten einige Auf­gaben erledigt werden. Dazu gehörten der Entwurf eines Gesellschaftervertrags, Bankgespräche und die Suche nach Fördergeldern.
Festgelegt wurde auch, dass für die Mitarbeiter alles beim Alten bleibt.
Die meisten sind schon lange dabei, ­haben sogar im Betrieb gelernt. Das zahlt sich vor allem im Privatkundengeschäft aus. Auf jeden Fall sollte die Übergabe nach der kalten Jahreszeit über die Bühne gehen, um nicht mit einem Minus zu starten.

Ein Kapitel ist abgeschlossen
Damit endet dieser Teil der Unternehmensgeschichte. Sie begann mit der Gründung am 1. März 1981. In dieses Kapitel gehört der Umzug von Erwitte-Schallern ins Gewerbegebiet nach Soest in das neue 250 Quadratmeter große Firmengebäude im Jahr 1988. Genauso wie die fünf Sterne der Meisterhaft-Kampagne, die es pünktlich zum 25-jährigen Bestehen gab – und zum ­ersten Mal für ein Innungsmitglied
in Westfalen!
Auch wenn sich Karl Weber nach 31 Jahren aus der Geschäftsführung verabschiedet, wollen seine Nachfolger nicht auf seinen Rat verzichten. Außerdem ist er weiterhin als Sachverständiger im Stuckateurhandwerk tätig. Er hat also immer noch genug zu tun. Das Tages­geschäft wird ihn nicht mehr so in ­Beschlag nehmen, so dass er sich jetzt der Familie, vor allem den Enkelkindern, widmen kann.
Gibt es einen Rat für die Betriebsübergabe? Karl Weber: »Schon am Anfang sollte man Verantwortung weitergeben und Vertrauen schenken. Über Fehler sollte man zeitnah sprechen. Als Älterer sollte man auch den Rat der Jüngeren suchen, denn sie sind fit. Wichtig ist auf jeden Fall das offene Gespräch.«

pd

Abbildungen: 1.-2. Weber          Ausgabe: 11/2012

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