29. August 2017

Der Multiplikator

Michael Christmann, Geschäftsführer Stuck-Belz (rechts) und Projektleiter Marcel Schulze
Michael Christmann, Geschäftsführer Stuck-Belz (rechts) und Projektleiter Marcel Schulze

Tradition und Innovation sind keine Gegensätze. Das beweist Stuckateurmeister Michael Christmann mit seinem Unternehmen Stuck-Belz in Bonn immer wieder. Besonders aktiv ist er in den Sozialen Medien.

Mit seinen Ideen und Aktivitäten erzeugt er große Resonanz und steigert seinen Bekanntheitsgrad. Wir stellen den Gewinner des Sonderpreises »Innovation« beim »Stuckateur des Jahres« vor.

Dieses Jahr ist ein gutes Jahr für Michael Christmann. Er und sein Unternehmen wurden gleich mehrfach ausgezeichnet. Im Rahmen des »Marketingpreises des deutschen Handwerks« war er der ­Gewinner für die »Beste Social-Media-Kommunikation«. Auch beim »Ludwig«, dem »Großen Preis des Mittelstandes der IHK Bonn-Rhein-Sieg«, kam er in der Kategorie Marketing auf den ersten Platz. Und beim Wettbewerb »Stuckateur des Jahres 2017« gab es den Sonderpreis »Innovation«. Hier haben der Jury die ­besonderen unternehmerischen, visionären Leistungen und die Präsenz in den Sozialen Medien ausnehmend gut gefallen.

Stuck-Belz setzt auch ganz bewusst auf die Digitalisierung, zum Beispiel bei der Projektabwicklung und Auftragsplanung. Auch der Einsatz von 3D-Druck wird erprobt und kommt schon im Unternehmensalltag  zum Einsatz. Mit dieser Technik können bisher kaum denkbare Muster in maximaler Qualität umgesetzt werden und komplexe Stuckleisten und -figuren hergestellt werden. Mit dem Verfahren ist es nun auch möglich, bereits bestehende Motive beliebig in der Größe zu skalieren. Neue Technologien setzen Christmann und seine Mitarbeiter bei der Beratung der Kunden ein. Beim Erstgespräch nutzt er Smartphone und Tablet für die Ermittlung von Maßen und für die Dokumentation. Das Aufmaß kann sofort in 3D visualisiert werden und dient in der Übergabe an die Software als Grundlage für die Erstellung eines Angebotes. In Zukunft sollen noch mehr Prozesse digitalisiert werden.

Berührungsängste zu modernen Technologien gibt es nicht. Dennoch bleibt Michael Christmann den traditionellen Techniken treu. Ein gutes Beispiel dafür steht in der Bonner Südstadt. Dort wurde nach einem Brand der Stuck eines Hauses 2016 vollständig wiederhergestellt. Vor allem durch die Löscharbeiten wurde das Innere des Gebäudes fast völlig zerstört. Die Decken und Böden wurden bis auf die Balken ausgebaut. Auch der Wandputz musste in Großteilen entfernt werden. In mehr als 2000 Stunden wurde detailgetreu saniert. Alle geretteten Stuck­elemente wurden vor dem Wiedereinbau in der Werkstatt einer gründlichen Reinigung unterzogen. »Bei der Sanierung haben wir die überlieferten Techniken und Materialien verwendet« erläutert der Stuckateurmeister, der heute den 1948 von Julius Belz gegründeten und 1970 von seinem Großvater übernommenen Betrieb leitet.

Umgang mit Sozialen Medien ist eine Wissenschaft für sich

Michael Christmann ist bereit, etwas auszuprobieren und den neuen Pfad konsequent zu verfolgen. So ist er schon seit 2012 bei Facebook aktiv. Am Anfang hatte er privat gegenüber »Social Media« eher eine kritische Einstellung. Er hörte dennoch auf den Rat seiner Partnerin und machte den Schritt. Inzwischen ist er auch auf anderen Kanälen der Sozialen Medien, wie Xing oder Instagram unterwegs. Er hat viele Erfahrungen gesammelt und gibt auch bei Veranstaltungen sein Wissen weiter, welches Potenzial in Facebook und Co. steckt und wie es genutzt werden kann. »Ziel dieser Aktivitäten ist es, meinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen«, erzählt Christmann. Das funktioniert. Auch das Fernsehen wurde aufmerksam. Die »WDR Lokalzeit« berichtete über die Belz-Stuckateure und ihre Arbeit. Die anschließende Rückkopplung auf Facebook sorgte für noch mehr Aufmerksamkeit.

»Der richtige Umgang mit den Sozialen Medien ist eine Wissenschaft für sich und man muss um die Ecke denken können. Je mehr man sich aber mit den Medien und den Leuten auseinandersetzt und beschäftigt, desto mehr Ideen bekommt man«, berichtet der Stuckateurmeister. Christmann hat bei diesem Lernprozess ­herausgefunden, wie er seine Firmenaktivitäten auf eine noch größere Bühne bringen kann. Und er kennt auch die Werkzeuge, um genau die Leute zu erreichen, die er ansprechen will. »Viele meiner Kunden kennen mich schon vor der ersten persönlichen Begegnung«, berichtet er.

Als er 2016 auf der Messe »Farbe Ausbau & Fassade«  in München beim Nationalteam des Stuckateurhandwerks vorbeischaute, war er für die jungen Stuckateure kein Unbekannter. Unter ihnen hatten sich seine ­Online-Aktivitäten schon herum­gesprochen und sie freuten sich auf den Beitrag im Belz-Blog.

Die »Ladies Night« wurde – auch über das Internet – zu einer Erfolgsstory. In der Weihnachtszeit lädt Stuck-Belz dazu ein, in gemütlicher Atmosphäre kleine Engelchen aus Gips zu gießen. Gegen einen Unkostenbeitrag gibt es eine fachliche Unterweisung durch den Chef und ein Gläschen Sekt. Die erste Veranstaltung war nach etwa vier Stunden ausgebucht. So entstanden im vergangenen Jahr an zwei Tagen in der Stuckwerkstatt über 100 Engelchen. Die Gäste waren Kundinnen, Architektinnen und Frauen aus dem Netzwerk, die natürlich von dem Event nur Gutes zu erzählen hatten. Für dieses Jahr sind noch mehr »Ladies Nights« geplant.

Eine Bühne für Ideen

Das Prinzip von PR wird gerne mit diesem Satz auf den Punkt gebracht: »Tu Gutes und rede darüber«. Und genau das machten Michael Christmann und seine Mannschaft von Stuck-Belz. Einmal ist es der Kindergeburtstag in der Stuckwerkstatt, ein andermal der Beethovenkopf-Malwettbewerb – ist die Idee gut, findet sie auch große Resonanz im Netz. Auch der Sonderpreis beim »Stuckateur des Jahres« war natürlich ein Thema.

Ohne das Internet als Verstärker gäbe es folgende Geschichte nicht: Stuck-Belz bietet im Standardprogramm Stuckkonsolen mit Löwenköpfen an. Ein Kunde wollte aber stattdessen eine Konsole mit einem Hundekopf seiner Lieblingsrasse. Seitdem bietet das Unternehmen auch Hundeköpfe an, auf Wunsch auch individuell gestaltet nach einer Vorlage. »Mit Facebook wird das plötzlich ein Thema«, sagt Christmann, der von der Nachfrage selbst überrascht wurde. Stuck-Belz erzielt eine Reichweite von 10000 Klicks in der Woche. 

Christmann gibt für klassische Werbung, zum Beispiel in den Gelben Seiten, kein Geld mehr aus. Aber ohne ­Investitionen ist diese Form der medialen Präsenz auch nicht zu bekommen. Die Zielgruppen-Kampagnen bei Facebook kosten auch Geld, wenn auch im überschaubaren Rahmen. Aber vor allem ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen. Ein bis zwei Stunden sind schnell vergangen – auch wenn nicht täglich das Blog, die Homepage, Facebook oder Youtube bestückt werden müssen. Zu schaffen ist das nur deshalb, weil sich Michael Christmann auf seine Mitarbeiter verlassen kann und ihm Projektleiter Marcel Schulze den Rücken frei hält.

Es gibt auch noch die normale Arbeit

Die mediale Präsenz darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Stuck-Belz das Handwerk im Mittelpunkt steht. Christmann dazu: »Wir machen auch noch unsere normale Arbeit, denn ohne die gäbe es auch keine Themen für die Sozialen Medien.« Dazu gehören auch die ganzen unternehmerischen Aufgaben, wie die Betriebsorganisation und die Akquise.  Christmann ist auch im Vorstand der Bonner Handwerkerkooperation »Meisterteam« engagiert. Sie besteht aus 14 Mitgliedsbetrieben und einem Netzwerk aus weiteren Partnern – von der Möbelspedition bis zur Werbeagentur.

Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Gewinnung von guten Mitarbeitern. Selbstverständ bildet Stuck-Belz aus. Das Unternehmen stellt sogar einen Ausbildungsbotschafter, der in die Schulen geht und dort jungen Leuten seinen Beruf vorstellt. Belz präsentierte auch die feierliche Lossprechung der Stuckateurgesellen 2017 aus Köln und Bonn im Internet. Entsprechend kann sich das Unternehmen nicht über zu wenig Anfragen um einen Ausbildungsplatz zum Stuckateur beklagen und gibt die Bewerbungen auch an Kollegen weiter. Stuck-Belz wird vermutlich der einzige Stuckateurbetrieb sein, bei dem Jugendliche ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren können – jetzt im Hebst schon zum dritten Mal. 

pd

Ausgabe 09 / 2017

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