29. November 2010

Passivhäuser: Energieeffizient und wirtschaftlich?

Die Wirtschaftlichkeit des Passivhaus-Standards steht im Mittelpunkt der 42. Sitzung des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser am 10. Dezember 2010 im Maritim Konferenzhotel in Darmstadt. Vorgestellt werden die betriebswirtschaftlichen Bewertungsmethoden aus der Investitionstheorie, ihre Einsatzbereiche, Zielgrößen, Eignung für die Anwendung auf bauliche Energiesparinvestitionen sowie Ergebnisse für typische Anwendungen. Die Vortragsreihe »Ökonomische Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen« gehört zur Phase V des Arbeitskreises, die vom Passivhaus Institut veranstaltet wird.


Ertrag, Risiko, Rendite: Wann rechnet sich die Investition in Energieeffizienz? Bei Gebäuden ist meist ein hoher Kapitaleinsatz erforderlich. Zusätzlicher Aufwand für Wärmeschutz entsteht durch passivhaustaugliche Produkte, die (bisher noch) in kleineren Serien gefertigt werden und daher meist teurer sind, sowie durch Baubeteiligte, die zum Teil noch wenig Erfahrung mit dem Bau von Passivhäusern oder Sanierungen mit Passivhaus-Komponenten haben. Andererseits werden diese Gebäude oft bewusst als Projekte für den gehobenen Anspruch entwickelt und vermarktet – schließlich bieten sie nicht nur geringe Energiekosten, sondern auch hohen Wohnkomfort und gesteigerten Gebäudewert. Aus der ökonomischen Sichtweise des Eigentümers ist hier eine zusätzliche Investition erforderlich, die sich aus späteren Rückflüssen, insbesondere (aber nicht notwendig nur) aus den eingesparten Energiekosten direkt oder indirekt bezahlt machen soll.


In dieser Arbeitskreissitzung werden die betriebswirtschaftlichen Bewertungsmethoden aus der Investitionstheorie vorgestellt, ihre Einsatzbereiche, Zielgrößen, Eignung für die Anwendung auf bauliche Energiesparinvestitionen sowie Ergebnisse für typische Anwendungen. Neben der Methode kommt es auf die Wahl der Randbedingungen an. Einen entscheidenden Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis haben insbesondere der für die ökonomische Bewertung angesetzte Anteil der Investitionskosten, der Betrachtungszeitraum und die Nutzungsdauern, der Ansatz für Restwerte, der Kapitalzinssatz, die geforderte Rendite unter Berücksichtigung des Risikos, sowie die unterstellte Energiepreissteigerung. Diese Auswirkungen werden daher explizit diskutiert und transparent gemacht, ebenso wie die Frage, welche konkreten Hilfsmittel der Planer benötigt, um ökonomische Bewertungen durchzuführen und seine Planungen auf Energie- und Kosteneffizienz auszurichten.


Bei der Entwicklung des Passivhaus-Konzepts war eine der wesentlichen Zielsetzungen die auf lange Sicht erreichbare Wirtschaftlichkeit. Nach diesem Vorbild verfolgt die EU mit der neuen Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) die gleiche Strategie. Gefordert wird das »kostenoptimale Niveau« auf der Basis von Lebenszykluskosten. Vorgestellt werden die wesentlichen Aspekte des »Nearly zero energy building« und der Anforderungen an energetische Sanierungen im Gebäudebestand, ebenso wie das neue »EnerPHIt«- Zertifikat des Passivhaus Instituts. Energieeffizienz schont das Klima, sorgt aber auch für zusätzliche, vor allem regionale Wertschöpfung: daher werden solche Investitionen gefördert, von der KfW durch zinsgünstige Kredite und oft durch zusätzliche Zuschüsse von Ländern oder Gemeinden. Das ist wichtig, um das betriebswirtschaftliche Ergebnis in der Anfangsphase zu verbessern, Hemmnisse zu überbrücken und so die Verbreitung zu fördern. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des energieeffizienten Bauens und Sanierens ist eine wesentliche Argumentationshilfe auf der global- und lokalpolitischen Ebene und daher ebenfalls Thema dieses Arbeitskreises.


Weitere Informationen zum Programm, zur Anmeldung und zum Veranstaltungsort finden Interessenten im Internet (www.passiv.de) unter der Rubrik Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser.



42. Sitzung des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser – Phase V
Ökonomische Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen
Freitag, 10. Dezember 2010, Darmstadt

Programm

09:30 Uhr

Einführung: Gebäude und Energieeffizienz: Grundsätze der wirtschaftlichen Bewertung
Prof. Dr. Wolfgang Feist, Universität Innsbruck/Passivhaus Institut

10:00 Uhr

Investitionsrechnung: Methoden, Zielgrößen, Anwendungsbereiche
Übersicht und die Bedeutung für die energetische Bewertung bei Gebäuden
Dr. Witta Ebel, Passivhaus Institut

10:30 Uhr

Wirtschaftliche Beurteilung energierelevanter Bauteile
Studie zur EnEV und der KfW-Förderung: Vorgehen und Ergebnisse
Oliver Kah, Passivhaus Institut

11:10 Uhr

Kaffeepause

11:30 Uhr

Passivhaus Nichtwohngebäude: rechnet sich das?
Untersuchungen, Ergebnisse und Einflussgrößen bei hessischen Bauprojekten
Anne Huse, Der enercity-Fonds proKlima

12:00 Uhr

Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung aus ökonomischer Sicht
Lebenszykluskosten und Einsparpotenziale
Dr. Rainer Pfluger, Universität Innsbruck

12:40 Uhr

Mittagspause

14:00 Uhr

Passivhaus Wohngebäude – Neubau & Sanierung
Wirtschaftlichkeitsanalyse anhand realisierter Projekte mit abgerechneten Kosten
Wirtschaftliche Sanierung mit PH-Komponenten: die neue EnerPHit Zertifizierung
Dr. Berthold Kaufmann, Passivhaus Institut

14:40 Uhr

Die Ökonomie im Planungs- und Bauprozess
Bewertung von Planungsentscheidungen anhand der finanziellen Auswirkungen
Welche Anforderungen stellen Planer an Rechentools? Komplexität versus Übersichtlichkeit
Annette Bähr, Passivhaus Dienstleistung GmbH
Dr. Berthold Kaufmann, Passivhaus Institut

15:10 Uhr

Kaffeepause

15:30 Uhr

Rendite und Risiko bei der Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen an Gebäuden
Konzepte für ein nachhaltiges Europa: Passivhaus und das kostenoptimale »Nearly Zero
Energy Building« in der neuen EPBD
Dr. Witta Ebel, Passivhaus Institut

16:00 Uhr

Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen: Der volkswirtschaftliche Nutzen.
Ergebnisse aus der Region Hannover
Anne Huse, Der enercity-Fonds proKlima

16:35 Uhr

Zusammenfassung
Prof. Dr. Wolfgang Feist, Universität Innsbruck/Passivhaus Institut

17:00 Uhr

Ende der Veranstaltung

 

Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort:
»Maritim Konferenzhotel Darmstadt«, Rheinstraße 105, 64295 Darmstadt

Anfahrt mit der Bahn:
Ab Hauptbahnhof Ausgang Süd zu Fuß Richtung Maritim Konferenzhotel (zirka 3 min)

Anfahrt mit dem Auto:
Von der A67, A5 kommend stadteinwärts über die Rheinstraße (linksseitig Richtung Hauptbahnhof); Einfahrt in die hoteleigene Tiefgarage (kostenpflichtig) über die Rheinstraße.