20. Januar 2011

Fenster/Fassaden: Europäischer Markt stabilisiert sich

Nach einem starken Einbruch in 2009 hat sich der europäische Markt für Fenster und Fassaden im letzten Jahr stabilisiert. Er wuchs 2010 um 0,4 Prozent auf 125,8 Millionen Fenstereinheiten (1 Fenstereinheit = 1,69 Quadratmeter). In 2009 war er infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise um 22,4 Prozent eingebrochen. Die deutschen Fenster- und Fassadenhersteller konnten hingegen ihren Absatz 2009 um 3,3 Prozent und 2010 um 4,9 Prozent steigern.


»Deutschland als größter Einzelmarkt in der Europäischen Union profitiert von der Förderung der energetischen Modernisierung in den Konjunkturpaketen I und II, mit denen auch Forderungen unseres Verbandes aufgegriffen wurden«, erklärte Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF).


Tschorn stellte zusammen mit Prof. Dr. Dirk Hass die neue europäische Fenstermarktstudie des Verbandes Fenster + Fassade am 18. Januar auf der BAU 2011 in München vor. Neben den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union berücksichtigt die Europastudie die fünf wichtigsten angrenzenden Staaten Russland, Ukraine, Türkei, Schweiz und Norwegen.


Das leichte Wachstum des europäischen Marktes um 0,4 Prozent in 2010 ist auf die Markterholung in Russland und der Ukraine zurückzuführen. Nach einem tiefen Einbruch um 49,4 Prozent in 2009 wuchs der Markt beider Länder im letzten Jahr um 21,4 Prozent. Im Unterschied zum gesamten europäischen Markt ist der Absatz von Fenster- und Fassaden in den 27 EU-Staaten dagegen 2010 um 6,6 Prozent und 2009 um 10,9 Prozent gesunken. Allerdings ist die Entwicklung innerhalb der EU von großen Unterschieden geprägt.




Sonderkonjunktur in Deutschland als größtem EU-Markt
Die Sonderkonjunktur in Deutschland mit einem Wachstum von 3,3 Prozent in 2009 und 4,9 Prozent in 2010 ist den Fördermaßnahmen zur energetischen Sanierung zu verdanken. Angesichts kleinerer Fördertöpfe wird erwartet, dass der deutsche Fenstermarkt 2011 nicht weiter wächst und sich stabilisiert. Mit einem Absatz von 12,6 Millionen Fenstereinheiten im Jahr 2010 beträgt der deutsche Anteil in der EU 16,8 Prozent und an dem erweiterten Europa 10 Prozent.


Polen im Plus, Spanien tief im Minus
Außer in Deutschland wuchs der Fenstermarkt seit 2008 unter den neun größten europäischen Ländern nur noch in Polen. Anders als Deutschland kann Polen aber 2011 mit weiterem Wachstum rechnen. Großer Verlierer im europäischen Fenstermarkt ist Spanien. Die spanische Baukrise ließ den Fenster- und Fassadenmarkt seit 2008 massiv einbrechen und verursachte 2008 ein Minus von 18,4 Prozent, 2009 von 34 Prozent sowie 2010 von 35 Prozent.


Für Großbritannien und Italien wird 2011 nach drei schwächeren Jahren eine Trendwende und ein leichtes Wachstum prognostiziert. Auch die Türkei dürfte sich 2011 nach moderatem Auf und Ab zwischen 2008 und 2010 positiv entwickeln. Nach den massiven Schwankungen der zurückliegenden Jahre dürften sich in 2011 auch die Ukraine und der größte europäische Einzelmarkt Russland stabilisieren. Auch für Frankreich wird eine stabile Marktentwicklung erwartet.


»Zwar leidet der europäische Markt für Fenster und Fassaden nach wie vor unter den Folgen der Wirtschaftskrise seit 2008. Doch die Stabilisierung des Marktes in 2010 wird sich in vielen Märkten 2011 fortsetzen. Die Förderung energiesparender Fenster im Rahmen der energetischen Sanierung von Wohnungen und öffentlichen Gebäuden ist der richtige Weg und kann den Markt beleben, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Auch Frankreich plant gerade ein vergleichbares Programm. Es wäre wünschenswert, wenn weitere europäische Länder diesen Beispielen folgen. Denn neue Fenster und Fassaden sind gut für den Klimaschutz«, so VFF-Geschäftsführer Ulrich Tschorn.