24. Januar 2011

Das Ländle braucht weniger Wohnungen

Bis zum Jahr 2030 rechnet das Statistische Landesamt mit einem Baubedarf von insgesamt rund 380.000 Wohnungen in Baden-Württemberg. Gemessen am aktuellen Wohnungsbestand mit rund 5 Millionen Wohnungen im Südwesten beläuft sich der Baubedarf insgesamt auf 7,7 Prozent. Dazu wären bis zum Jahr 2015 jährlich rund 22.000 Wohnungen erforderlich und danach gut 15.000 Wohnungen je Jahr.


»Damit wird der zukünftige Wohnungsbedarf weiter zurückgehen«, sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, bei der Vorstellung der Ergebnisse der neuen regionalen Wohnungsbedarfsvorausrechnung am 24. Januar. Zum Vergleich: 1994 wurden noch fast 102.000 Wohnungen bezugsfertig, 2009 waren es 25.500 Wohnungen.


Der insgesamt sinkende Wohnungsbaubedarf beruht vor allem darauf, dass die Zahl der Haushalte derzeit nur noch geringfügig ansteigt und voraussichtlich um das Jahr 2020 zurückgehen wird. Dennoch kann für 2030 mit rund 50.000 Haushalten mehr gerechnet werden als heute mit rund 5 Millionen. Dass die Haushaltezahlen bis zum Jahr 2020 noch zunehmen, obwohl die Bevölkerung bereits abnimmt, liegt an den kleiner werdenden Haushalten. Stark besetzte ältere Jahrgänge leben zunehmend in kleineren Haushalten und die Zahl der großen Familienhaushalte nimmt weiter ab.


Entwicklung der Privathaushalte und Wohnungsbau
Der zukünftige Wohnungsbedarf umfasst den Wohnungsneubedarf, der durch steigende Haushaltezahlen entsteht, und den Wohnungsersatzbedarf, der sich aufgrund wegfallender Wohnungsbestände ergibt (Abgang durch Abriss, Umnutzung etc.).


Der weitaus größere Anteil des zukünftigen Wohnungsbaubedarfs ergibt sich durch den Abgang von Wohnungen aus dem Bestand. Der daraus entstehende Wohnungsersatzbedarf beträgt 86 Prozent des insgesamt bis zum Jahr 2030 ermittelten Baubedarfs. Er beläuft sich rechnerisch auf 330.000 Wohnungen. Das entspricht einem Anteil am aktuellen Wohnungsbestand von 6,7 Prozent. Dabei nimmt der Ersatzbedarf an Wohnungen in der Zukunft deutlich zu. Für den Zeitraum 2011 bis 2015 geht das Statistische Landesamt von einem Ersatzbedarf von rund 53.000 Wohnungen aus, für die Jahre 2026 bis 2030 läge der Ersatzbedarf mit rund 106.000 Wohnungen doppelt so hoch. Steigende Haushaltezahlen führen bis 2020 zu einem Wohnungsneubedarf von insgesamt rund 95.000 Wohnungen. Danach ist infolge des erwarteten Rückgangs der Haushaltezahlen bis 2030 aber mit einem Rückgang des Wohnungsneubedarfs um insgesamt 41.000 Wohnungen zu rechnen. Der Wohnungsneubedarf wird in diesem Umfang rechnerisch »negativ«. Ein negativer Wohnungsneubedarf bedeutet, dass der Wohnungsbedarf insgesamt niedriger ist als der rechnerische Wohnungsersatzbedarf, da nicht mehr jede wegfallende Wohnung ersetzt werden muss.


Wohnungsbedarf insgesamt in Stadt- und Landkreisen bis 2030
Die neue Vorausrechnung zum Wohnungsbedarf stellt fest, dass für den Zeitraum bis 2030 noch für alle 44 Stadt- und Landkreise ein Wohnungsbaubedarf besteht – allerdings in unterschiedlichem Maß. Spitzenreiter dürfte der Landkreis Emmendingen mit 11,5 Prozent des gegenwärtigen Wohnungsbestandes sein. Das wäre ein Bedarfsvolumen von rund 8.000 Wohnungen. Danach folgen die Stadtkreise Ulm mit 11,1 Prozent (6.300 Wohnungen) sowie die Landkreise Karlsruhe und Heilbronn mit jeweils 10,8 Prozent (20.200 Wohnungen sowie knapp 15.700). Deutlich unter dem Landeswert von 7,7 Prozent liegen mit dem voraussichtlich landesweit niedrigsten Bedarf die Landkreise Heidenheim mit 4 Prozent und der Stadtkreis Heidelberg mit 3,9 Prozent.


Neu- und Ersatzbedarf von Wohnungen in den Stadt- und Landkreisen
In 13 Kreisen werden bis 2030 rückläufige Haushaltezahlen erwartet. Zum Teil gehen die Haushaltezahlen bereits vor 2020 zurück. Daraus ergibt sich, dass in diesen Kreisen längerfristig kein Bedarf an zusätzlichem Wohnungsbau mehr bestünde beziehungsweise sogar ein Teil des Wohnungsabgangs nicht mehr ersetzt werden müsste. Dennoch besteht auch in diesen 13 Kreisen insgesamt ein positiver Baubedarf, da der Ersatzbedarf deutlich höher ist als der Rückgang der Haushaltezahlen.


Der prozentual höchste Ersatzbedarf wurde für die Stadtkreise Stuttgart und Mannheim berechnet (8,7 Prozent, etwa 14.400 Wohnungen sowie knapp 25.600 Wohnungen). Der gemessen am Wohnungsbestand geringste Wohnungsersatzbedarf wurde mit 5,4 Prozent für den Bodenseekreis berechnet. Der Landkreis Böblingen liegt mit 5,5 Prozent fast gleichauf.


Brenner: »Die Berechnung des zukünftigen Wohnungsbedarfs folgt dem Grundsatz, dass jeder Haushalt eine Wohnung haben soll. Es handelt sich um eine Mindestanforderung an die Wohnraumversorgung. Der effektive Baubedarf kann nachfragebedingt, zum Beispiel wegen veränderter qualitativer Anforderungen an den Wohnraum, auch darüber liegen.«


Da es sich um eine rein quantitative Rechnung handelt, bleibt offen, inwieweit alle Bevölkerungsgruppen adäquat mit Wohnraum versorgt sein werden. Es sind keine Aussagen zur Bezahlbarkeit des Wohnraums oder der Angemessenheit bezüglich Wohnungsgröße und Zimmerzahl für den einzelnen Haushalt möglich.