27. Januar 2011

Bauwirtschaft: deutliches Anziehen der Geschäfte erwartet

Im deutschen Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex zu Beginn des Jahres wieder gestiegen. Die am ifo Konjunkturtest teilnehmenden Unternehmen waren mit ihrer momentanen Geschäftslage zufriedener als im Dezember. Zudem rechneten sie mit einem deutlichen Anziehen der Geschäfte in der nächsten Zeit. Die Auslastung der Gerätekapazitäten sank von 65% auf 63% (saison- und witterungsbereinigt), der vergleichbare Vorjahreswert wurde allerdings nur um einen Prozentpunkt verfehlt. Neun von zehn Testteilnehmern meldeten Behinderungen der Bautätigkeit; vor Jahresfrist waren es 75%. »Nur« noch jeder fünfte klagte über Auftragsmangel, die Beeinträchtigungen durch das Wetter waren jedoch deutlich größer als im Vorjahr (80% nach 56% im Januar 2010).

Die Auftragsbestände kletterten im Durchschnitt der Bausparten von 2,5 auf 2,7 Monate (saison- und witterungsbereinigt); zu Beginn des Jahres 2010 waren sie knapp einen halben Monat kleiner (2,3 Monate). Die Bewertung der Auftragslage durch die Unternehmen hat sich sichtlich verbessert: Anfang 2010 berichteten rund 40% der befragten Firmen über zu geringe Auftragsreserven, im Berichtsmonat waren es nur noch 24%. Nach den Firmenmeldungen zu schließen, konnten die Preise im Januar angehoben werden. Die Testteilnehmer gingen zudem davon aus, dass sich in den kommenden Monaten die Preiserhöhungsspielräume vergrößern werden. Die Unternehmen beabsichtigten, ihren Personalbestand in den nächsten Monaten zu erhöhen.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima in allen drei Teilsparten aufgehellt. Dies ist vor allem auf eine günstigere Einschätzung der Perspektiven für die nächsten sechs Monate zurückzuführen. Aber auch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage fielen deutlich besser aus als im Vormonat. Die Auslastung der Gerätekapazitäten war niedriger als im Dezember; mit 65% lag die Kapazitätsauslastung jedoch leicht über dem Wert des Vorjahres (64%). 84% der Unternehmen berichteten über Produktionsbehinderungen; im Januar 2010 waren es 70%. Der Anteil der Firmen, die witterungsbedingte Behinderungen der Bautätigkeit meldeten, war erheblich größer als vor einem Jahr (74% nach 45%), über Auftragsmangel klagten nur noch etwa halb so viele Unternehmen (20% nach 39%). Die Reichweite der Auftragsbestände verlängerte sich im Wohnungsbau von 2,1 auf 2,4 Monate. Im gewerblichen und im öffentlichen Hochbau erhöhten sich die Auftragspolster um jeweils 0,1 Monate auf 3,0 bzw. 2,4 Monate. Im Hochbau insgesamt reichten die Auftragsreserven der Testteilnehmer für 2,7 Produktionsmonate (Januar 2010: 2,3 Monate). Nach den Firmenmeldungen konnten die Preise im Januar heraufgesetzt werden. In den nächsten Monaten dürften sich – nach Ansicht der Firmen – die Spielräume für Preisanhebungen noch vergrößern. III. Auch im Tiefbau hellte sich das Geschäftsklima auf. Die befragten Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage ein wenig günstiger als vor einem Monat; die Geschäftserwartungen ließen erhöhte Zuversicht erkennen. Der Ausnutzungsgrad des Maschinenparks verharrte auf dem Niveau des Vormonats, er lag mit 61% aber um drei Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Nahezu alle Unternehmen (93%) meldeten Behinderungen der Bautätigkeit (Januar 2010: 81%), überwiegend wegen ungünstiger Witterungsbedingungen (89% nach 72% im Januar 2010). Ein Fünftel der Testteilnehmer klagte über Auftragsmangel – nach 32% vor einem Jahr. Die Reichweite der Auftragsbestände stieg im Straßenbau um 0,2 auf 2,7 Monate, im sonstigen Tiefbau stagnierte sie bei 2,7 Monaten. Im Durchschnitt der Tiefbausparten waren die Auftragsreserven etwas größer als vor Jahresfrist (2,7 nach 2,5 Monaten). Die Firmenmeldungen deuten darauf hin, dass die Preise vereinzelt angehoben wurden. Nach Einschätzung der Testteilnehmer werden sie auch in den nächsten Monaten die Preise in bescheidenem Umfang heraufsetzen können.

In den neuen Bundesländern verbesserte sich das Geschäftsklima spürbar. Die Urteile zur aktuellen Geschäftslage fielen besser aus als im Dezember; die Aussichten hellten sich sogar beachtlich auf. 92% der befragten Unternehmen berichteten über Behinderungen der Bautätigkeit. An der Spitze rangierten witterungsbedingte Behinderungen; 87% der Testteilnehmer – nach 66% im Januar 2010 – waren hiervon betroffen. Nur noch halb so viele Firmen wie im Vorjahr (19% nach 38%) klagten dagegen über zu geringe Auftragsbestände. Die Auslastung der Gerätekapazitäten erreichte – wie im Vormonat – 64% (saison- und witterungsbereinigt). Vor Jahresfrist betrug die Kapazitätsauslastung 65%. Die Auftragspolster erhöhten sich von 2,3 auf 2,5 Monate (Januar 2010: 2,0 Monate). Besonders kräftig fiel der Anstieg bei den im Tiefbau tätigen Unternehmen aus. Sowohl im Straßenbau als auch im sonstigen Tiefbau verlängerte sich die Reichweite der Auftragsbestände um 0,3 Monate auf 2,9 bzw. 3,0 Monate. Nach den Firmenmeldungen zu schließen, wurden zahlreiche Preiserhöhungen vorgenommen. Die Testteilnehmer gingen auch davon aus, dass sich in den nächsten Monaten die Spielräume für Preisanhebungen noch vergrößern könnten.