01. Januar 2016

Fachkenntnis und Klartext

Bluemle_2 Ausbau und Fassade - Fachkenntnis und Klartext

Ihr Vater hätte sie gerne in dem Berufsstand einer Bankangestellten gesehen, ihre Mutter empfahl eine Ausbildung zur Krankenschwester, doch Barbara Blümle entschied sich für die Branche, in die sie sprichwörtlich hineingeboren worden war: für den Stuckateurbetrieb ihrer Eltern.

Barbara Blümle sitzt konzentriert vor ihrem Rechner in ihrem Büro in Schwanau-Ottenheim (Baden) und ­arbeitet ­gerade mehrere ­Bestellungen ab. Ihre Facharbeiter an den verschiedenen Baustellen brauchen neues Dämm-­Material. Einige Maus-Clicks später geht die Baustofforder raus und die 46-jährige Stuckateurmeisterin nimmt sich Zeit für ein entspanntes Gespräch mit der ausbau + fassade-Redaktion.
Schon der optische Eindruck täuscht den Besucher nicht: Als knapp 1,75 ­Meter große und schlanke Frau, traut man Barbara Blümle jederzeit zu, dass sie auch am Bau mit anpacken kann. Sie hat viele Jahre auf hohem ­Niveau (3. Liga) Handball gespielt und mehrere Marathon­läufe erfolgreich ­bewältigt, ihre sportlich-drahtige ­Figur kommt ­also nicht von ungefähr. Auch der Job hält sie auf Trab, doch die Unterneh­merin strahlt ­Zufriedenheit aus. Sie wirkt wie jemand, der Freude an seiner Arbeit hat.

Übernahme des elterlichen Betriebs
»Als Frau fühle ich mich in der Handwerksbranche sehr wohl«, bestätigt sie. Die Entscheidung für diese Berufslaufbahn fiel 1984, also fast vor 30 Jahren. Nach dem Realschulabschluss 1983 in Ichenheim und einem Berufskollegjahr in der Wirtschaftsschule in Lahr reifte in Barbara der Entschluss, selbst ­Stuckateurin zu ­werden und den ­Betrieb ihrer Eltern, Albrecht und ­Renate Blümle, zu übernehmen. Nach drei Jahren Ausbildung im Familien­unternehmen und der Putz Stuck Trockenbau GmbH Marko in ­Ettenheim folgten drei Jahre als Gesellin unter ­anderem bei den Firmen Blum in ­Konstanz und Flad in Freiburg. Im Juli 1991 holte sie sich nach einem Jahr Vollzeitschule ihren Meisterbrief in Heilbronn ab und kehrte in den elter­lichen Betrieb zurück. Seit 1998 ist sie ­geschäftsführende ­Gesellschafterin der Blümle Gipser- und Stuckateurmeister GmbH - »den Spezialisten für Ausbau und Fassade an Neu- und Altbauten, Renovierungen sowie energe­tischen ­Sanierungen« - wie es auf der eigenen Internetseite kurz und prägnant ­geschrieben steht. Nach dem Motto »Man lernt nie aus« packte sie in einer zweijährigen Weiterbildung im Jahr 2011 noch den »Betriebswirt Bau (HWK)« darauf.
»Meine ­Eltern haben damals meinen Berufswunsch recht unspektakulär aufgenommen«, erinnert sie sich mit einem Lächeln, »aber sie waren ­beide froh ­darüber, da sie wussten, dass der Job zu mir passt und ich ihren Betrieb übernehmen konnte. Meine drei Schwes­tern hatten sich zuvor für ­andere ­Berufe - als Architektin, Krankengymnastin und Buchhändlerin - entschieden.«

Interesse am Handwerk
Als Frau hatte sie in der Stuckateurbranche nie Probleme, warum auch? »Durch meine Familie bin ich in den heimischen Betrieb hineinge­wachsen und habe schon als Kind immer gerne handwerklich gearbeitet. Beispielsweise habe ich mich hobbymäßig für Garten- und Landschaftsbau interessiert, auch Holzarbeiten haben mir Spaß gemacht.« Von ihren Eltern wurde sie in dieser Hinsicht immer ermuntert. Und den Umgang mit Männern ist Barbara Blümle als Chefin von neun Facharbeitern und drei Lehrlingen gewohnt. »Ich arbeite gerne mit Männern. Meiner ­Erfahrung nach gibt es da immer eine ­offene, ­ehrliche und unkomplizierte Kommunikation.« Die vielen Reisen, die sie unternommen hat, führt sie ebenfalls als positiven Faktor im Umgang mit Menschen auf. »Ich würde mich als eine authentische Person bezeichnen, die gerne Klartext redet - das kommt bei meiner Kundschaft - Frauen wie Männern - gut an!«
Die Arbeit hat sich Barbara Blümle geschickt aufgeteilt: Nach eigenen Worten verbringt sie fünfzig Prozent auf der Baustelle und die andere Hälfte im Büro. »Die Aufmaße, Kunden­gespräche, das Be- und Entladen der Fahrzeuge sowie die Materialbestellung brauchen viel Zeit. Am Bau mache ich ­eigentlich alles gern, vor allem Trockenbau und WDVS-Arbeiten. Auch wenn ich oft Zwölf-Stunden-Tage habe - die Abwechslung tut mir gut«, weiß die Stucka­teurin.

Gute WDVS-Nachfrage
Putzarbeiten, Gerüstbau, Fließ­estrich - das macht bei den Aufträgen der ­Blümle GmbH den Löwenanteil aus. »Wärmedämm-Verbundsysteme sind nach wie vor unser Kerngeschäft«, sagt Barbara Blümle. »Auch wenn das deutschlandweit eher leicht rückläufig war, in unserer Region ist die Nachfrage ­weiterhin groß.« Als wichtige Erfolgsfaktoren ­ihres Unternehmens nennt sie eine gute Beratung und Fachkenntnisse sowie ­geschultes Personal. »Wir nehmen uns für den Kunden Zeit und ­gewährleisten eine gute Ausführung. Wir sind Profis in unserem Gewerk.«
Barbara Blümle gibt interessierten ­Jugendlichen schon seit Jahren Gelegenheit, in den Stuckateurberuf »reinzuschnuppern«. Im April absolvieren zwei Achtklässler aus der örtlichen Hauptschule ein einwöchiges Praktikum. Zwei Jungs - wohlgemerkt! ­Blümle: »Noch habe ich kein Mädchen ausgebildet, aber ich würde mich darüber freuen. Wenn man vor körperlicher Arbeit keine Scheu hat, wird man mit einem vielseitigen, anspruchsvollen ­Beruf belohnt, der viele Perspektiven bietet.«

dm

Abbildungen: Mioc/Blümle                                                                                                                 Ausgabe: 3/2013

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