22. Februar 2011

Energieausweise sind oft fehlerhaft

Die bislang ausgestellten Energieausweise sind in nicht unerheblichem Maß fehleranfällig. Das hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer jetzt veröffentlichten Studie festgestellt. Insgesamt 94 Energieausweise haben die Forscher mit tatsächlichen Verbrauchswerten verglichen und zum Teil große Abweichungen festgestellt. Die Verbrauchsausweise schnitten dabei besser ab. Bei den vielfach als höherwertig eingeschätzten Bedarfsausweisen ist die Komplexität der Annahmen und Berechnungen viel höher als beim Verbrauchsausweis – und damit offenbar auch die Prognosegenauigkeit.


Bei den Verbrauchsausweisen lagen 66 Prozent innerhalb der zulässigen Abweichung von +/- 5 Prozent zwischen den im Ausweis angegebenen und den tatsächlichen Verbrauchswerten. Nur bei 18 Prozent wurde eine über der Toleranz liegende Abweichung von 6 Prozent und mehr im Verbrauch ermittelt.


Bei den Bedarfsausweisen bewegten sich nur 29 Prozent innerhalb der Toleranz. Allerdings verbrauchten 57 Prozent der Gebäude mindestens 6 Prozent mehr, als im Bedarfsausweis ausgewiesen.


Hauptgründe für Abweichungen bei den Verbrauchsausweisen sind die Verwendung anderer oder unterschiedlich detaillierter Klimafaktoren, zu kleine oder zu große Gebäudenutzfläche durch falsche Berechnung der Wohnfläche oder der Gebäudenutzfläche, durch fehlende Umrechnung der Wohnfläche auf die Gebäudenutzfläche eine zu kleine Gebäudenutzfläche sowie eine fehlerhafte Übernahme der Verbrauchswerte aus den Abrechnungsunterlagen.


Abweichungen bei den Bedarfsausweisen resultieren hauptsächlich aus der Verwendung unterschiedlicher Software-Programme für die Berechnung, unterschiedlichen Definitionen der Systemgrenze, fehlerhaften Informationen aus – insbesondere älteren – Planunterlagen, der Annahme unterschiedlicher Wärmedurchgangskoeffizienten und Wirkungsgrade der Heizanlage, der Verwendung von Erfahrungswerten nach Baualtersklassen zu den energetischen Eigenschaften von Bauteilen, wenn der Bauteilaufbau im Detail nicht bekannt ist, sowie der Häufung unterschiedlicher Annahmen und insgesamt unschlüssigen Berechnungen.


Einschätzungen der Nutzer
Die optische Gestaltung der Energieausweise bewerten die Nutzer, darunter Fachleute wie Laien, überwiegend positiv. Hinsichtlich der Gebrauchstauglichkeit gibt es Verbesserungsbedarf: So hätten die Gesprächspartner sehr viel Zeit mit Suchen und Blättern verbracht. Der Energieausweis sollte daher nach Meinung der Forscher auf die wesentlichen Angaben reduziert werden, so dass er übersichtlich und allgemein gut verständlich ist. Dass es einen Verbrauchs- und einen Bedarfsausweis gibt, und wo dabei die Unterschiede liegen, ist Miet- und Kaufinteressenten wie privaten Eigentümern oft nicht klar. Auch die Begrifflichkeiten würden oft nicht verstanden. Die Grundlagen des Energieausweises müssten daher verständlicher dargestellt und erklärt werden.


Für die Studie »Evaluierung ausgestellter Energieausweise für Wohngebäude nach EnEV 2007« hat das BBSR im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) 94 ausgestellte Energieausweise unter die Lupe genommen. Unter den 94 Wohngebäuden lag für 65 ein Verbrauchsausweis, für 29 ein Bedarfsausweis vor. In die Untersuchung flossen sowohl die Bestände von Wohnungsunternehmen (68) als auch privaten Eigentümern (26) ein. Außerdem wurden 151 Mieter und Käufer zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen befragt.


Die Studie kann im Internet beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unter www.bbsr.bund.de als PDF heruntergeladen werden.


Direkter Link zur Studie: http://www.bbsr.bund.de/cln_016/nn_21272/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BMVBS/Online/2011/DL__ON012011,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/DL_ON012011.pdf