28. Februar 2011

Mehr Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg

Ende 2010 gab es in Baden-Württemberg insgesamt 131.015 Handwerksbetriebe. Das sind 929 Betriebe oder 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle allerdings nicht nur Grund zur Freude: »Der Zuwachs resultiert vor allem aus den zulassungsfreien Handwerken und genau in diesem Segment gibt es regelmäßig eine hohe Zahl von Betriebslöschungen.«


Mit einem Nettozuwachs von neun Betrieben waren 83.817 Betriebe in die Handwerksrolle eingetragen. Im zulassungspflichtigen Handwerk blieb der Betriebsbestand damit nahezu konstant, teilte der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) mit.


Die meiste Bewegung gab es mit einer Zunahme um 229 Betriebe oder 2,1 Prozent bei den Friseuren, wobei darunter wieder viele Kleinstgründungen zu finden waren. Auch gab es zum ersten Mal seit 2006 wieder einen Zuwachs an Betrieben des Bauhauptgewerbes. Bei den Feinwerkmechanikern standen jedoch 138 Betriebe (–3,0 %) weniger in der Handwerksrolle als am Jahresende 2009. Möhrle: »Ursache dieser Entwicklung sind die Nachwehen der Wirtschaftskrise.« Während die Auftragseingänge schon im Jahr 2009 drastisch einbrachen, konnten Fixkosten erst nach mehreren Monaten gesenkt werden. »Einige Betriebe steuerten deshalb im Folgejahr unweigerlich in die Insolvenz.« Ebenso gab es wieder weniger Fleischer und Bäcker, die häufig von großflächigen Einkaufszentren verdrängt werden.


Im zulassungsfreien Handwerk waren 23.027 Betriebe gemeldet. Das entspricht einem Plus von 4,5 Prozent. Die Fluktuation unter diesen Betrieben ist hoch: Im Jahr 2010 ließen sich mehr als 4.000 Betriebe neu eintragen, gleichzeitig verschwanden aber über 3.000 vom Markt. Bei anziehender Konjunktur wagten mehr Gründungsinteressierte den Sprung in die Selbstständigkeit. Unrentable, oft aus der Not heraus gegründete Betriebe schlossen, weil die Aussichten auf einen Arbeitsplatz in abhängiger Beschäftigung sich verbessert hatten. Die hohe Zahl der Löschungen im zulassungsfreien Bereich resultiere oft aus einer schlechten Vorbereitung auf die Selbstständigkeit und fehlenden kaufmännischen Kenntnissen, sagte Möhrle.


Im handwerksähnlichen Gewerbe ging der Betriebsbestand um 0,3 Prozent auf nun 24.107 Betriebe zurück. Eine Gründung in diesen Berufen war meist nicht mehr attraktiv, da in einem verwandten zulassungsfreien Handwerk eine größere Leistungspalette angeboten werden kann.


Kleine und mittelständische Unternehmer steuern einen wesentlichen Anteil zum Gesamtumsatz, zur Wertschöpfung der Wirtschaft in Baden-Württemberg bei. Die rund 131.000 Betriebe sind Arbeitgeber für 730.000 Mitarbeiter, bilden 58.000 junge Menschen aus und erwirtschaften einen Umsatz von 64 Milliarden Euro. Die Gründung oder Übernahme eines eigenen Handwerksbetriebes stelle an den Einzelnen hohe persönliche Anforderungen und setze fachliche Qualifikation voraus, sagte Möhrle. Im zulassungspflichtigen Handwerk zeige vor allem die konstante Betriebszahl: »Handwerk hat Zukunft.«