01. März 2011

Architekt muss bei der Abnahme ehrlich sein

Ein Architekt muss es dem Auftraggeber bei der Abnahme seines Werkes offenbaren, wenn er Teile der Ausführung des Bauwerkes bewusst vertragswidrig nicht überwacht hat. Unterlässt er dies, so hat er nach Information des Infodienstes Recht und Steuern der LBS einen Mangel seines Werks arglistig verschwiegen. (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VII ZR 46/09)

11-03-01_LBS Ausbau und Fassade - Architekt muss bei der Abnahme ehrlich sein

Der Fall: Es ging um die Sanierung eines Doppelhauses, dessen Überwachung ein Architekt vertraglich übernommen hatte. Nach Erledigung der Bauarbeiten stellte er seine Honorarrechnung, ohne gegenüber dem Auftraggeber irgendwelche Besonderheiten zu erwähnen. Erst acht Jahre später stellte sich heraus, dass eine vom Bauunternehmer abgerechnete "Dampfsperre" zwischen Außen- und Innenwand der Immobilie überhaupt nicht eingebaut worden war. Dadurch konnte Tauwasser eindringen und Schäden an dem Gebäude anrichten. Der Architekt hatte den Einbau der Dampfsperre nicht kontrolliert. Das Schweigen darüber betrachtete der Eigentümer der Immobilie als arglistiges Verhalten.

Das Urteil: Wenn einem Architekten klar ist, dass er seinen Überwachungspflichten nicht nachgekommen ist, aus welchen Gründen auch immer, dann muss er dies wenigstens im Nachhinein mitteilen. Selbst bei der unterlassenen Kontrolle von Teilaspekten, wie hier der Dampfsperre, sei das nötig. Darauf zu vertrauen, der Bauunternehmer werde das schon auftragsgemäß erledigt haben, sei zu wenig, entschieden die Richter des Bundesgerichtshofes.