09. März 2011

Deutlich weniger Firmenpleiten in Baden-Württemberg

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden im Jahr 2010 bei den Amtsgerichten Baden-Württembergs 17.151 Insolvenzverfahren entschieden. Darunter 2.490 Insolvenzen (aktiver) Unternehmen. Das waren 13 Prozent oder 360 Verfahren weniger als im Vorjahr mit 2.850 Verfahren. Im Baugewerbe gingen die Insolvenzen um 6 Prozent zurück.


Deutlich niedriger als vor einem Jahr waren auch die durchschnittlichen Forderungen der Gläubiger je Unternehmensinsolvenz. So wurden 2010 für die Unternehmen Verbindlichkeiten in Höhe von 795.000 Euro im Durchschnitt je Verfahren errechnet, gegenüber rund 1 Million Euro im Vorjahr. 29 Prozent der Insolvenzfälle aktiver Unternehmen (716 Fälle) hatten unter 50.000 Euro Schulden, bei 291 Unternehmen (knapp 12 Prozent) lagen die Verbindlichkeiten höher als eine Million Euro. Insgesamt beliefen sich die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger auf rund 2 Milliarden Euro.


Die Zahl der unmittelbar von einer Insolvenzanmeldung betroffenen Beschäftigten belief sich 2010 auf 12.072 Personen. Im Jahr 2009 waren dagegen 24.192 Arbeitsplätze gefährdet. Im Durchschnitt je Fall errechnen sich damit knapp 5 Beschäftigte für das Jahr 2010, gegenüber gut 8 Personen im Jahr 2009. Rund 33 Prozent der Verfahren wurden Mangels Masse abgewiesen und entsprechend 67 Prozent der Verfahren eröffnet. In gut 78 Prozent der Insolvenzfälle beantragte der Schuldner selbst das Verfahren. Dabei war bei rund 98 Prozent der Verfahren die »Zahlungsunfähigkeit« oder die »Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung« der Grund für die Insolvenzanmeldung. Die drohende Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung spielte dagegen eine nur geringe Rolle (19 Fälle).


Relativ häufig zur Insolvenz kam es im Bereich Handel mit insgesamt 528 Insolvenzverfahren. Das waren 97 Verfahren weniger (–16 Prozent) als im Vorjahr. Nach dem wirtschaftlichen Schwerpunkt zugeordnet, betrafen weitere 343 Verfahren Unternehmen des Bereichs Baugewerbe (–6 Prozent). Es folgt das Verarbeitende Gewerbe mit über einem Drittel insolventer Unternehmen weniger als vor einem Jahr (–161 Verfahren oder -35 Prozent). Registriert wurden insgesamt 297 insolvente Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Weitere 274 Verfahren betrafen Unternehmen des Bereichs Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Hier war eine Abnahme um 7 Verfahren oder 2,5 Prozent zu verzeichnen. Es folgen das Gastgewerbe (215 Verfahren), der Bereich Verkehr und Lagerei mit 169 Verfahren und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen mit 158 Verfahren (–6 Prozent). Insgesamt gehörten rund vier Fünftel der insolventen Unternehmen in die genannten Wirtschaftszweige. Weitere 15 Prozent verteilen sich auf das Grundstücks- und Wohnungswesen, die sonstigen (auch persönlichen) Dienstleistungen, Finanz-, Versicherungsdienstleistungen sowie Information und Kommunikation.


Rund 14.660 Insolvenzen privater Schuldner
Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes wurden im Jahr 2010 von den Amtsgerichten in Baden-Württemberg 17.151 Insolvenzverfahren entschieden, darunter 14.661 Verfahren privater Schuldner. Die Zahl der Insolvenzen privater Schuldner stieg erneut um knapp 6 Prozent oder 765 Verfahren an. Lediglich 479 Verfahren (3 Prozent) wurden über einen Schuldenbereinigungsplan geregelt. Mangels Masse abgewiesen wurden 702 Verfahren (rund 5 Prozent), 13.480 Verfahren wurden eröffnet.


Die Verbraucherinsolvenzen stiegen mit 8 Prozent oder um rund 787 Fälle erneut stark an. Insgesamt wurden 10.766 Verbraucherinsolvenzverfahren gezählt. Das waren rund 73 Prozent der insolventen Privatschuldner. Dazu zählen unter anderem Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitssuchende. Hier dürfte sich noch die Beschäftigungsentwicklung des Vorjahres abbilden. Darüber hinaus beinhalteten 3.194 Verfahren (22 Prozent) die Verschuldung ehemals selbstständig Tätiger. Die Zahl der Insolvenzen der ehemals selbstständig Tätigen sank um fast 2 Prozent, so dass im Jahr 2010 noch 3.194 Fälle gezählt wurden. Dazu kamen 186 Verfahren mit Bezug auf die Verschuldung ehemaliger (vollhaftende) Gesellschafter von Personengesellschaften und 515 Nachlässe.


Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger gegenüber privaten Schuldnern betrugen im Jahr 2010 rund 1,5 Milliarden Euro. Während die Verbraucher im Durchschnitt nur 68.000 Euro Schulden je Fall hatten, errechnen sich diese für die ehemals selbstständig Tätigen auf 199.000 Euro. 61 Prozent der privaten Schuldner hatten jedoch weniger als 50.000 Euro Schulden, bei den Verbrauchern waren dies sogar 68 Prozent. Mehr als 1 Million Schulden hatten dagegen lediglich ein Prozent der Privatschuldner, bei den Verbrauchern gab es sogar nur 34 Fälle mit mehr als 1 Million Euro Verbindlichkeiten.