16. März 2011

Lack- und Farbenindustrie beklagt Rohstoffversorgung

Die deutschen Farben- und Lackhersteller sehen sich durch die aktuelle Lage auf den Rohstoffmärkten extrem belastet. Die Fertigung von Beschichtungsmaterialien werde mit Lieferengpässen oder Kontingentierungen von Rohstoffen konfrontiert, was zu Lieferverzögerungen an Handel und Handwerk führen könne, teilt der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie mit. Die Herstellung von Lacken und Farben leide zudem unter der Preispolitik der Rohstofflieferanten. In der Lack- und Farbenbranche machen die Einstandskosten für Rohstoffe im Durchschnitt 50 Prozent der Herstellungskosten aus. Besonders dramatisch ist die Lage nach Angaben des Verbandes beim Weißpigment Titandioxid.


Dieses auch »Titanweiß« genannte Pigment wird industriell hergestellt und in zahlreichen Produkten verarbeitet. Titandioxid hat den höchsten bekannten Refraktionsindex und somit ein enormes Deckvermögen, was insbesondere bei der Herstellung von weißen Beschichtungen wichtig ist. Titanweiß ist ein Allround-Talent bei der Herstellung von weißen oder farbigen Lacken und Farben, denn es kann mit allen gängigen Bindemitteln verwendet und mit anderen Pigmenten vermischt werden. Deshalb ist es in den meisten Lack- und Farbrezepturen auch nicht ohne weiteres zu ersetzen. Die Lack- und Farbenhersteller mussten in den letzten neun Monaten mehrere Preiserhöhungen dieses Rohstoffs hinnehmen. Die Preissteigerungen lagen dabei bei rund zehn Prozent pro Quartal.


Ausmaß und Geschwindigkeit der Preisanhebungen beim Titanweiß haben viele Mittelständler überrascht. Seit Herbst 2010 wurden die erwarteten Preiserhöhungen um bis 30 Prozent überschritten, berichten die Firmen. In Schwierigkeiten geraten nun vor allem die Hersteller, die Standard-Produkte an den Großhandel oder in Baumärkte liefern. Für sie wird es schwer, die Kostenexplosion beim Rohstoffeinkauf durch interne Maßnahmen aufzufangen. Viele Firmenchefs und Einkaufsverantwortliche fühlen sich von ihren Rohstofflieferanten im Stich gelassen und vermissen ein gewisses Entgegenkommen bei der Materialversorgung, berichtet der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie.


Aggressiv angeboten würden nach Verbandsangaben gegenwärtig Weißpigmente aus China. Die Qualität dieser Waren sei für die Farben- oder Lackherstellung durchaus akzeptabel. Viele Firmen scheuen trotzdem den Kauf bei asiatischen Lieferanten, denn es sei unklar, ob hier langfristige Lieferbeziehungen aufgebaut werden könnten. Bei einigen Rohstoffen habe sich China in der Vergangenheit nicht als verlässliche Bezugsquelle erwiesen.