17. März 2011

Deutsche Bauchemie fördert Professur an der TU Berlin

Das Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin hat die Professur »Baustoffe und Bauchemie« eingerichtet. Sie soll neue Materialentwicklungen vorantreiben und diese in Zusammenarbeit mit konstruktiven Disziplinen wie Entwurf und Konstruktion in die Realität überführen. Anfang März übernahm Prof. Dr. Dietmar Stephan das Fachgebiet. Die Professur wird über fünf Jahre großzügig gefördert vom Industrieverband »Deutsche Bauchemie«.


In der Professur »Baustoffe und Bauchemie« soll die klassische Werkstofflehre im Bauwesen aufgehen. Unter anderem wird Dietmar Stephan den Einfluss von Baustoffen auf die Umwelt, auf Luft, Wasser und Boden untersuchen. Geplant ist auch die Entwicklung »intelligenter«, multifunktionaler Baustoffe, die aktiv auf die Bedingungen der Umgebung reagieren, zum Beispiel die Selbstheilung oder Steuerung von Produkteigenschaften über die Temperatur.


Zum nachhaltigen Bauen gehören aber vor allem umweltgerechte Baustoffe. Daher stehen besonders ressourcenschonende, anorganische Bindemittel für Beton, Mörtel und bauchemische Anwendungen sowie Öko- und Produktbilanzen von Baustoffen und die Einsatzmöglichkeiten von Nanomaterialien im Bauwesen im Forschungsfokus von Dietmar Stephan. In der Lehre soll sowohl das Verständnis der chemischen und physikalischen als auch der bauingenieurwissenschaftlichen Grundlagen vermittelt werden.


»Wenn neue Baustoffe an der TU Berlin mitentwickelt werden, ist das nicht nur für Bauingenieure von großer Bedeutung«, hob TU-Präsident Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach bei der Übergabe der Urkunde hervor. »Die Entwicklung neuer Werkstoffe im Baubereich wird auch von anderen entwerfenden und konstruierenden Fachgebieten unserer Fakultät mit großem Interesse beachtet werden. Wir erhoffen uns hier außerdem weitere Entwicklungsmöglichkeiten für ein intensives Miteinander von Bauingenieuren und Architekten.«


Er wies darauf hin, dass die finanzielle Unterstützung der Professur durch die Deutsche Bauchemie das Ergebnis eines Wettbewerbs unter mehreren deutschen Hochschulen gewesen sei. Sie bestätige damit die Konkurrenzfähigkeit und das Zukunftspotenzial des TU-Instituts für Bauingenieurwesen.


»Dank der großzügigen Unterstützung des Industrieverbandes Deutsche Bauchemie kann die TU Berlin das Fachgebiet hervorragend ausstatten«, sagte Prof. Dr.-Ing. Stavros Savidis, Dekan der Fakulät VI Bauen Planen Umwelt. »Es ermöglicht nicht nur dem neuen Stelleninhaber beste Startchancen. Das gesamte Bauingenieurwesen an der TU Berlin wird von diesem perspektivreichen Fachgebiet und seinen Entwicklungen sicher profitieren.«


Nach Ablauf von fünf Jahren, so lautet die vor drei Jahren geschlossene Vereinbarung, wird die TU Berlin die Professur mit ihrem erweiterten Spektrum fortführen. Daraus ergebe sich auch für die Branche eine wirksame Nachhaltigkeit, so Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie e. V., der die Förderer bei der Urkundenübergabe vertrat.


Prof. Dr. Dietmar Stephan studierte an der Universität-Gesamthochschule Siegen Bauchemie, wo er auch bei Prof. Dr. Dietbert Knöfel promovierte. Sein Thema hieß: Chrom, Nickel und Zink in Klinker und Zement – Einbau, Eigenschaftsänderung und Auslaugung. Anschließend arbeitete er als »Senior Scientist Cement & Quality« bei der Heidelberger Zement Group Technology Center GmbH sowie als Habilitand am Lehrstuhl für Bauchemie der TU München. Ab 2006 war er Akademischer Oberrat am Fachgebiet Werkstoffe des Bauwesens und Bauchemie der Universität Kassel, leitete dort die Abteilung »Anorganische Bindemittel und Smart Materials« und das chemisch-physikalische Labor und hielt Lehrveranstaltungen im Bereich Bauingenieurwesen und Nanostrukturwissenschaften. 2010 habilitierte er sich an der Universität Kassel mit einer Arbeit zum Thema »Nanomaterialien im Bauwesen – Stand der Technik, Herstellung, Anwendung und Zukunftsperspektiven«.