01. April 2011

Weniger Auszubildende im Handwerk

Im baden-württembergischen Handwerk sind im vergangenen Jahr 20.790 und damit 4,2 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge unter Dach und Fach gebracht worden. Die demografische Entwicklung mit dem einhergehenden Bewerberrückgang führte dazu, dass zahlreiche ausbildungswillige Betriebe keine passenden Bewerber finden konnten. Vor allem Betrieben im Bauhauptgewerbe fällt es schwer, geeignete Auszubildende zu finden. Allerdings verzeichnet der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) ein gestiegenes Interesse bei den Abiturienten und Zuwächse in technischen Berufen.


»Die Betriebe im baden-württembergischen Handwerk sind sich bewusst«, sagte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle, dass die Fachkräftesicherung die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre ist.« Am Ausbildungswillen mangelt es deshalb nicht: In einer Sonderumfrage des BWHT gaben 44 Prozent der befragten Betriebe im Bauhauptgewerbe und knapp 69 Prozent der Nahrungsmittelbetriebe an, sie würden bei genügend qualifizierten Bewerbern sogar zusätzliche Stellen schaffen. Insgesamt bilden die 131.000 Handwerksbetriebe rund 55.000 junge Menschen aus.


In vielen Handwerksberufen klagen die Betriebe bereits seit Jahren über Nachwuchsmangel, bei den Bäckern und Fleischern beispielsweise oder den Gebäudereinigern. Eine deutliche Steigerung der Neuvertragsabschlüsse gab es dagegen bei technischen Berufen. So begannen 7,1 Prozent mehr junge Leute eine Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und 5,6 Prozent mehr Jugendliche eine Ausbildung als Anlagenmechaniker SHK. Auch die Gesundheitsberufe wie Augenoptiker oder Zahntechniker erfreuten sich größerer Beliebtheit. Rund 1.130 neue Lehrlinge, viele davon in den gesundheitshandwerklichen Berufen, konnten sogar eine Hochschulreife vorweisen. »Die duale Ausbildung im Handwerk hat weltweit einen herausragenden Ruf«, sagte Möhrle. Er hoffe, dass diese Botschaft mit Hilfe der bundesweiten Imagekampagne bei allen jungen Menschen und in allen Schularten ankomme.


Als problematisch bezeichnete Möhrle, dass knapp jeder vierte Neuvertrag vorzeitig gelöst wurde. In rund jedem vierten Fall trennten sich Azubi und Betrieb sogar schon in der Probezeit. Besonders häufig wurden Lehrverträge der Berufe Bäckereifachverkäuferin, Bäcker und Friseur vorzeitig gelöscht. Grund seien häufig falsche Vorstellungen der Schulabgänger von ihrem künftigen Berufsalltag. Möhrle forderte deshalb eine breit angelegte Berufsorientierung an allen Schularten, außerdem müsse der Einsatz ausbildungsbegleitender Hilfen ausgeweitet werden.